3:0-Sieg gegen den FC Ingolstadt

Dieses frische Blut tut gut: Wie die neuen Spieler den SV Werder Bremen auf dem Platz freier aufspielen lassen

Ob Anthony Jung (v.l.), Marvin Ducksch, Niklas Schmidt oder Mitchell Weiser - die neuen Spieler tun Werder Bremen gut.
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Ob Anthony Jung (v.l.), Marvin Ducksch, Niklas Schmidt oder Mitchell Weiser - die neuen Spieler tun Werder Bremen gut.

Ingolstadt/Bremen – Ein Tor hatte er nicht erzielt, auch keines vorbereitet oder spektakulär im allerletzten Augenblick verhindert – kurz: Den Platz im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit musste Anthony Jung nach Werder Bremens 3:0-Erfolg beim FC Ingolstadt anderen überlassen. Die persönliche Statistik des 29-Jährigen wies am Ende allerdings auch zwei Werte aus, die mehr als beachtlich waren.

So lag Jungs Passquote bei starken 90 Prozent, seine Zweikampfquote erreichte gar das Maximum von 100 Prozent. Heißt: Als stark defensiv denkender Linksverteidiger hatte der Sommer-Neuzugang ein richtig gutes Spiel gemacht – und damit auf seine Weise einen weiteren Beleg für folgende Feststellung geliefert: Die neuen Spieler tun Werder Bremen richtig gut.

„Gerade nach den letzten beiden Jahren, die sehr schwierig waren, war es ganz wichtig, dass frisches Blut in die Mannschaft kommt, dass es einige Veränderungen gibt“, sagte Trainer Markus Anfang in den Katakomben des Ingolstädter Stadions. Eine Aussage, die sein Team während der vorangegangenen 90 Minuten quasi vorab bestätigt hatte. Schließlich waren die beiden Bremer Torschützen – Mitchell Weiser (42.) und Marvin Ducksch (49.) – im vergangenen Jahr ebenso wenig für Werder im Einsatz gewesen wie Niklas Schmidt, der sowohl den Führungstreffer – ein Eigentor des Ingolstädters Nico Antonitsch (24.) – als auch das Ducksch-Tor auf den Weg gebracht hatte.

Werder Bremen: Neuzugänge bringen „diese Dynamik“ ins Team - Mitchell Weiser fügt sich „nahtlos“ ein

Insgesamt hat Werder Bremen an den ersten sechs Spieltagen elf Tore erzielt, sechs davon gehen auf das Konto von Neuzugängen, die, so wirkt es derzeit, mit einer gewissen Unbeschwertheit großen Anteil an den zuletzt guten Ergebnissen tragen. Anfang hatte schon im Verlauf der Vorbereitung immer mal wieder darauf hingewiesen, dass Neuzugänge der Mannschaft nach dem Abstieg neben allen sportlichen Qualitäten auch damit helfen könnten, dass sie diese Negativerfahrung eben nicht gemacht haben und noch mit sich herumschleppen. Bisher geht dieser Plan auf. In Ingolstadt standen am Samstag sieben Spieler in der Startelf, die erst im Sommer zum Kader gestoßen waren. Am Spieltag zuvor gegen Rostock (3:0) waren es sechs. Davor während des 0:0 beim Karlsruher SC immerhin fünf. Natürlich nehmen Profis, die schon länger dabei sind, wie beispielsweise Romano Schmid, Ömer Toprak oder Christian Groß auch unter Anfang noch tragende Rolle ein. „Es ist ja nicht so, dass alles schlecht ist, was nicht neu ist“, verdeutlichte der Coach – hob dann aber erneut „diese Dynamik“ hervor, die die neuen Spieler in die Mannschaft getragen hätten.

Jüngstes Beispiel: Mitchell Weiser. Die Leihgabe von Bayer 04 Leverkusen feierte in Ingolstadt ein beeindruckendes Werder-Debüt inklusive sehenswertem Tor. „Er hat sich nahtlos in die Mannschaft eingefügt. Ich habe das Gefühl, dass es mit ihm gut passt“, lobte Anfang, der diesen Satz im Grunde auch über andere Bremer hätte sagen können. Nicolai Rapp etwa, der am Samstag mit körperlicher Präsenz und klaren Aktionen im Mittelfeld überzeugte. Oder Marvin Ducksch, der in zwei Einsätzen für Werder Bremen bereits dreimal getroffen hat. Oder auch Lars Lukas Mai, der Abwehrchef Toprak nach dessen frühem Ausfall in Ingolstadt gut vertrat. Hinzu kommen noch jene Spieler, über deren öffentliche Einordnung sich Sportchef Frank Baumann erst kürzlich mächtig geärgert hatte.

Werder Bremen: Niklas Schmidt der Lenker im Mittelfeld - Junger Kader wird wohl noch Rückschläge erleben

Während seiner Rede auf der Mitgliederversammlung kritisierte der Sportchef, dass Akteure wie Michael Zetterer, Niklas Schmidt, Abdenego Nankishi oder Eren Dinkci in der medialen Aufzählung der Neuzugänge oftmals fehlen würden. Nun ja. Leih-Rückkehrer oder aufrückende Jugendspieler fallen in der öffentlichen Bewertung eben anders ins Gewicht, weil sie schon vorher beim Verein unter Vertrag standen und mit ihren Namen gemeinhin weniger Hoffnungen verknüpft sind als bei externen Verstärkungen, die sich der Club eine Ablöse kosten lässt. Rein formal hat Baumann allerdings Recht: Auch Zetterer, Schmidt, Nankishi und Dinkci kamen im vergangenen Jahr nicht (oder nur sporadisch) für die Bremer Profis zum Einsatz und nehmen seit dem Sommer plötzlich tragende oder zumindest verheißungsvolle Rollen ein. So hat Zetterer gerade erst den Zweikampf zwischen den Pfosten für sich entschieden, der zunächst aussortierte Schmidt ist längst zum Lenker im Mittelfeld geworden, und Dinkci und Nankishi traut Anfang auf den offensiven Außenbahnen sehr viel zu, wie er bereits mehrfach hervorgehoben hat.

Dem Trainer ist dabei aber bewusst, dass es mit so vielen Neuen in einer Mannschaft gerade zu Beginn auch zu Problemen, zu Abstimmungsschwierigkeiten kommen kann, gerade wenn viele der Spieler noch sehr jung sind. Mit einem Durchschnittsalter von 24,5 Jahren stellt Werder Bremen nach dem Hamburger SV (24,2) den zweitjüngsten Kader der Liga. „Rückschläge gehören auch dazu“, warnt Anfang, der gemeinsam mit Mannschaft und Trainerteam zwar alles dafür tun werde, „dass alles glatt geht“, dafür aber keine Garantie aussprechen kann: „Rückschläge können kommen. Die musst du dann überstehen.“ Und dabei wiederum würde den neuen Spielern wieder eine große Bedeutung zukommen: „In solchen Momenten ist es gut, wenn Spieler dabei sind, die unbelastet und frei sind.“ (dco)

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