Debüt mit Doppelpack gegen Rostock

SV Werder Bremen im Ducksch-Rausch – und der findet es „mega“

Marvin Ducksch lässt sich von Fans und Kollegen feiern: Der Neuzugang schoss Werder Bremen bei seinem Debüt mit zwei Toren zum Sieg gegen Hansa Rostock.
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Marvin Ducksch lässt sich von Fans und Kollegen feiern: Der Neuzugang schoss Werder Bremen bei seinem Debüt mit zwei Toren zum Sieg gegen Hansa Rostock.

Bremen – Sie waren schon vor dem Spiel im Marvin-Ducksch-Rausch - die Fans des SV Werder Bremen. Einer von ihnen hatte einen Wettschein veröffentlicht, der ihm bei einem Doppelpack des Neuzugangs bei vier Euro Einsatz knapp 40 Euro Auszahlung versprach.

In der 39. Minute ertönte dann zum ersten Mal ein „Ducksch, Ducksch“ als Torjubel von den Rängen, in der 63. Minute noch einmal. Nicht nur die Wette war damit gewonnen, das Heimspiel gegen Hansa Rostock praktisch auch. Nicolai Rapp machte in der Nachspielzeit den 3:0-Endstand perfekt. Das Wohninvest Weserstadion erlebte den ersten Sieg des SV Werder Bremen vor Fans seit fast 19 Monaten – und einen Marvin Ducksch, der vor Stolz fast platzte, dabei aber die Mannschaft nicht vergaß.

Die Erleichterung war bei allen Grün-Weißen riesengroß, die 2. Liga kann also doch Spaß machen. Mit acht Punkten aus fünf Spielen und Platz sieben in der Tabelle darf Werder nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen und auch dieses Spieltags – ausgelöst durch den Streik von Marco Friedl – etwas entspannter in die Länderspielpause gehen. Mal abgesehen vom anstehenden Endspurt auf dem Transfermarkt.

Werder Bremen: Marvin Ducksch hatte die Frage nach dem Elfmeter schon vor dem Spiel geklärt

„Besser hätte es nicht laufen können. Ich bin so stolz und glücklich“, schwärmte Neuzugang Marvin Ducksch, den Werder Bremen erst vor Wochenbeginn für eine Ablösesumme von 3,2 Millionen von Hannover 96 losgeeist hatte. Der 27-Jährige betonte aber zugleich: „Noch glücklicher bin ich, dass wir gewonnen haben.“ Auch Trainer Markus Anfang schob das in den Mittelpunkt: „Ich freue mich, dass die Mannschaft so ein Spiel abgeliefert hat.“ Nicht nur mit viel Herz von der ersten Sekunde an, sondern auch mit jeder Menge Spielwitz. Vor allem Romano Schmid und Niklas Schmidt begeisterten die 21.050 Fans in der wegen der Corona-Auflagen nur zur Hälfte gefüllten Arena. Da wurden Erinnerungen an längst vergessene Zeiten mit schönem Bremer Offensivfußball geweckt.

Wenngleich es etwas dauerte, ehe Werder Bremen das Rostocker Bollwerk mit einer Fünfer- und einer Viererkette davor endlich durchbrach. Dank eines Handspiels von Hansas Julian Riedel, allerdings durchaus erzwungen von einer der vielen Bremer Hereingaben – in diesem Fall von Eren Dinkci. Die Frage nach dem Schützen hatte Marvin Ducksch mit seinen Kollegen schon vor dem Spiel geklärt, wie er später verriet: „Ich habe gesagt, dass ich mir den Ball nehmen werde. Das wollten die Jungs hören.“ Ducksch grinste. Der 27-Jährige mag es einfach, Verantwortung zu tragen. Also hämmerte er die Kugel zum 1:0 in den Winkel (39.).

Werder Bremen: Marvin Ducksch funktioniert sofort - Torjäger kennt noch die Abläufe von Markus Anfang

„Manchmal braucht es etwas frisches Blut, um die alten Zeiten zu verändern“, sagte Anfang zum Auftritt von Ducksch. Anders als viele seiner neuen Kollegen trug Ducksch eben nicht diesen Rucksack, in dem der Abstieg steckte oder diese 1:4-Katastrophe gegen den SC Paderborn mit Pfiffen der eigenen Fans. Am deutlichsten war das zuletzt Niclas Füllkrug anzumerken gewesen, der nun für Ducksch auf die Bank musste. Anfang bezeichnete es auch als „Schutzmaßnahme“ für Füllkrug, dem er so gerne nach dessen Einwechslung ein Tor gewünscht hätte. Aber der Angreifer scheiterte mit einer Großchance, woraus zumindest das späte 3:0 von Rapp entsprang. „Niclas wird wiederkommen“, betonte Anfang.

Doch einfach wird es für Füllkrug gewiss nicht, in die Startelf zu gelangen. Marvin Ducksch machte sich fast unantastbar. Es war kaum zu glauben, dass er zum ersten Mal mit seinem neuen Kollegen bei einem Spiel auf dem Platz stand. „Er kennt doch die ganzen Abläufe aus unserer gemeinsamen Zeit in Kiel“, zeigte sich Anfang überhaupt nicht überrascht. Auch Ducksch nicht: „Ich weiß, wie ich mich verhalten muss. Außerdem sind das hier richtig gute Kicker.“ Dabei spielte der Torjäger auch stark mit, ließ sich mal fallen, verteilte die Bälle. Nur im Abschluss gelang nicht alles. Kurz nach der Pause schoss er zunächst aus bester Position vorbei, dann krachte sein Schuss an die Unterkante der Latte. Augenscheinlich war der Ball danach hinter der Torlinie, die Technik zeigte aber keinen Treffer an. „Für mich war der Ball drin, aber der Schiedsrichter hat es anders gesehen“, berichtete Ducksch von kuriosen Minuten in Zeiten von Torlinientechnik und Videobeweis. Denn es dauerte etwas bis zur Spielfortsetzung.

Marvin Ducksch historisch: Erster Spieler mit Doppelpack beim Debüt für Werder Bremen

So auch beim 2:0 von Marvin Ducksch, als das Weserstadion auch wegen der feinen Vorarbeit von Schmid förmlich explodierte. Doch der Torschütze beendete plötzlich seinen Jubel. Der Video-Assistent hatte sich gemeldet. Es ging erneut um Millimeter. „Alle, die die Szene gesehen haben, dachten wohl, dass ich im Abseits gestanden habe. Ich war mir aber sicher, dass es nicht so war“, berichtete Ducksch und sollte Recht behalten. Also durfte er bei der Tor-Bestätigung ein zweites Mal jubeln. „Mega, dass ich mich heute so belohnen konnte“, schwärmte Ducksch, der sich gleich in die Geschichtsbücher spielte: Er ist der erste Spieler mit einem Doppelpack bei seinem Debüt für Werder Bremen. Mit seinem besten Freund wollte er sich einen „ganz entspannten Abend“ gönnen – „mit einem Lächeln im Gesicht“.

Fröhliche Bremer Gesichter gab es an jeder Ecke. In der Werder-Kabine wurde gefeiert. „Das müssen die Jungs auch mal“, befand Anfang. Und auch die Zuschauer waren außer sich vor Freude, falls sie nicht zu den 1.000 Rostockern gehörten. „Die Fans haben diesen Moment herbeigesehnt“, meinte Anfang nach seinem ersten Sieg an der Weser: „Wir mussten uns das Miteinander mit den Fans erarbeiten, da sind wir auf einem guten Weg.“ Fast genauso lautete das sportliche Urteil. Unter schwierigen Umständen habe die Mannschaft einen Schritt nach vorne gemacht. Vor allem das Ende der schwarzen Heimserie – zuletzt hatte Werder Bremen im Februar im Weserstadion gewonnen – sowie das zweite Zu-Null-Spiel in Folge seien wichtig. Die drei Tore würden zudem Mut machen, dass ein „gewisses Selbstverständnis“ eintritt. „Wir werden aber nicht in Euphorie verfallen“, versicherte Anfang, „den Moment dürfen wir trotzdem genießen.“ (kni) Auch interessant: Kaum Spielzeit, aber Werder Bremen gibt Nick Woltemade nicht ab!

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