Vor dem Gastspiel bei Werder

„Ein herausragender Einkauf“: Hansa-Manager Pieckenhagen schwärmt im DeichStube-Interview von Werder-Neuzugang Marvin Ducksch 

Hansa-Boss Martin Pickenhagen im Interview vor dem Gastspiel gegen den SV Werder Bremen.
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Hansa-Boss Martin Pickenhagen im Interview vor dem Gastspiel gegen den SV Werder Bremen.

Rostock - Damit hatte er schon gerechnet: Martin Pieckenhagen war sich ziemlich sicher, dass der SV Werder Bremen in der Partie gegen Hansa Rostock mit Verstärkungen antreten werde. Einen der Neuen beim Gegner schätzt der Sportvorstand des Ausfteigers besonders: Marvin Ducksch. „Für Werder ein herausragender Einkauf“, sagt der 50-Jährige.

Der frühere Torwart, der für die Mecklenburger von 1996 bis 2001 über 100 Spiele absolvierte, sich zudem im Tor des Hamburger SV einen Namen machte und 2011 bei Mainz 05 seine Karriere beendete, ist seit Januar 2019 bei Hansa als Manager verantwortlich. Im Interview mit der Deichstube beleuchtet Martin Pieckenhagen den Saisonstart von Hansa Rostock, beurteilt die 2. Liga und spricht über Werder Bremen, den Rivalen am Wochenende.

Wie ist die Lage im Lager des Aufsteigers, Martin Pieckenhagen?

Gegenfrage: Wie soll es schon sein nach der Niederlage im Heimspiel gegen Dresden am letzten Wochenende? In dieser Partie hätten wir gerne die Punkte mitgenommen. Das haben wir leider nicht geschafft.

Wie sind Sie mit dem Start Hansas in die 2. Liga zufrieden?

Vier Spiele, vier Punkte – diese Ausbeute ist in Ordnung. Vor allem weil wir diese Zähler in Begegnungen mit Mannschaften geholt haben, die sich gegen uns schon etwas ausgerechnet haben. Gegen Karlsruhe, wo wir unglücklich gespielt haben, gegen Hannover 96 und Heidenheim.

In der Zweitliga-Tabelle steht Werder Bremen vor Hansa Rostock

Vier Punkte weisen auch Schalke, Hannover und Düsseldorf auf, Topfavoriten wie Hamburg und Werder Bremen haben nur einen Zähler mehr.

Ich betone ja, dass diese Zwischenbilanz nicht schlecht ist. Die genannten Mannschaften sind alles Teams, mit denen wir uns aber nicht nur aufgrund der wirtschaftlichen Möglichkeiten nicht vergleichen können.

Kenner behaupten, die 2. Liga sei eine nicht ausrechenbare Spielklasse, in der sich die Favoriten meist schwer tun und in der - überspitzt gesagt - jeder jeden schlagen kann. Wie ist Ihr Eindruck?

Es ist für mich noch zu früh, um eine Bewertung vorzunehmen. Wie in jedem Jahr müssen sich zu Beginn alle Mannschaften erst noch finden.

Das galt in den letzten Spielzeiten für ambitionierte Vereine wie beispielsweise den HSV. Gilt dies auch generell für die Erstliga-Absteiger und aktuell für Werder Bremen?

Sicherlich, auch Bremen hat nach dem Abstieg noch viele Altlasten, die es zu bewältigen gilt. Auch in Hamburg ist mit dem Trainerwechsel wieder eine Situation entstanden, die erst gemeistert werden muss. Mit Tim Walter ist ein Coach gekommen, der eine eigene, ganz spezielle Philosophie mit vielen taktischen Umstellungen verfolgt. Das braucht seine Zeit. Viele der Topclubs sind noch nicht auf dem erhofften Leistungsniveau, somit fällt eine Prognose schwer, wer sich im Vorderfeld der Tabelle festsetzt, es ist zum augenblicklichen Zeitpunkt fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Mit Regensburg thront ein überraschender Spitzenreiter ganz vorn, nur eine Momentaufnahme?

Regensburg besitzt eine solide Elf, die ihre Stärke in erster Linie im effizienten Spiel hat. Sie haben es bisher recht gut gemacht. In dieser Form hätte ich dies nicht erwartet.

Die Aufstellung von Werder Bremen gegen Hansa Rostock – so dürfte die Startelf aussehen!

Wie bewerten Sie, mal abgesehen von den Resultaten, die sportliche Entwicklung bei Hansa?

Die Mannschaft ist grundsätzlich bislang so aufgetreten, wie wir es erhofft und erwartet haben. Ich setzte aber auch darauf, dass wir uns im Laufe der Spielzeit noch weiterentwickeln können. In einigen Bereichen ist noch Luft nach oben vorhanden.

Wie lautet das Saisonziel?

Für uns kann es nur um den Klassenverbleib gehen. Die letzten Jahre haben gezeigt, wie schwer es die Aufsteiger haben. Siehe die Beispiele Würzburg und Braunschweig, die nach einem einjährigen Gastspiel gleich wieder runter mussten. Aufsteiger in die 2. Liga haben in den ersten beiden Jahren enorm damit zu kämpfen, die Klasse zu erhalten. Es existiert noch ein großer Unterschied zwischen den Neulingen und beispielsweise etablierten Zweitligisten wie Paderborn oder Heidenheim. Also lautet unsere Devise: Drinbleiben in den ersten beiden Jahren, um danach eine gewisse Stabilität zu erreichen, die auf Sicht Rostock zu einem dauerhaften Standort in dieser Spielklasse wachsen lässt.

Auch wichtig für die Region an der Ostsee, für das Land Mecklenburg-Vorpommern?

Sehr bedeutsam, nachdem wir neun Jahre lang in der 3. Liga festsaßen. Es ist eine neue Euphorie entfacht worden, die anhalten soll. Wir wollen darauf aufbauen und unsere treuen Fans und Partner nicht enttäuschen.

Wie sehen Sie die Lage beim Nord-Rivalen Werder Bremen?

Es ist für die Bremer nach dem Abstieg nicht einfach. Ich bekomme natürlich mit, unter welch schwierigen Bedingungen mein Kollege Frank Baumann arbeiten muss. Der Club steht finanziell unter Druck. Es gab die Verkäufe von namhaften Akteuren, um den verlangten Transferüberschuss zu generieren. Nun besteht die Aufgabe darin, unter den geschilderten Vorzeichen eine neue Mannschaft aufzubauen, eine Truppe, die in der Lage ist, den Wiederaufstieg anzupeilen.

Für Martin Pickenhagen ist Marvin Ducksch ein herausragender Einkauf von Werder Bremen

Viele Abgänge, lange Zeit nur wenige Zugänge. In dieser Woche ist mit Marvin Ducksch noch ein Stürmer gekommen. Was halten Sie von diesem Transfer?

Für Werder Bremen natürlich ein herausragender Einkauf. Wir konnten zuletzt diesen bekannten Torjäger im Spiel gegen uns aus nächster Nähe beobachten. Auch in dieser Partie hat Ducksch seine Qualitäten nachgewiesen. Er ist ein sehr guter Spieler mit einer hervorragenden Torquote.

Können Sie bestätigen, dass in diesem Sommer der Transfermarkt besonders ist, erst recht spät angelaufen ist?

Ich kann nur für Hansa sprechen. Wir beackern als Drittligaaufsteiger einen anderen Sektor auf dem Transfermarkt als ein Erstligaabsteiger wie Bremen. Bei uns lief die Personalpolitik, wie wir es uns vorgestellt hatten. Frühzeitig haben wir die Verträge der Spieler aus der Aufstiegsmannschaft verlängert, zudem auch recht zeitig die meisten Neuverpflichtungen tätigen können, die ein Neuling nun mal braucht. Die Jungen machen einen guten Eindruck, haben sich bestens integriert. Doch es ist ein langer Weg, ein noch andauernder Prozess, in dem sie dies bestätigen müssen. Was in Bremen passiert, will ich aus der Ferne nicht beurteilen. Festhalten möchte ich indes, dass ein Verein wie Bremen trotz der angesprochenen Finanzlage immer noch ganz andere wirtschaftliche Spielräume hat als wir.

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