Vor Werders Gastspiel gegen Holstein Kiel

Vom Retter zum Rivalen: Fin Bartels hofft auf einen Sieg gegen Ex-Club Werder - und kann sich Werner an der Weser vorstellen

Von 2014 bis 2020 spielte Fin Bartels bei Werder Bremen. Am Samstag kommt es mit seinem neuen Verein Holstein Kiel zum Wiedersehen.
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Von 2014 bis 2020 spielte Fin Bartels bei Werder Bremen. Am Samstag kommt es mit seinem neuen Verein Holstein Kiel zum Wiedersehen.

Kiel – Das Vier-Sterne-Hotel Birke, gelegen im Herzen von Kiel, präsentiert sich auf seiner Internetseite als Ort der Entspannung. Moderne, lichtdurchflutete Zimmer, loderndes Feuer im offenen Kamin, lächelnde Paare im Spa-Bereich – all das ist dort auf Bildern zu sehen. Fotografisches Feel-Good, wenn man so möchte. Und dennoch: Für Fin Bartels wurde das Hotel Birke am 22. Mai dieses Jahres für einen kurzen Moment zu einem Ort des Schreckens. „Natürlich habe ich mitgelitten, da es immer noch eine tiefe Verbundenheit zu Stadt und Verein gibt“, erinnert sich der 34-Jährige, der den Bundesliga-Abstieg seines Ex-Clubs Werder Bremen im Hotel vor dem Fernseher erlebte.

Mit Holstein Kiel war er in einem Quarantäne-Trainingslager gerade dabei, sich auf das große Saisonfinale vorzubereiten, in dem die Störche den Aufstieg ins Oberhaus letztlich verpassen sollten, sodass es nun zu einem Wiedersehen zwischen Fin Bartels und Werder Bremen kommt, mit dessen Begleiterscheinungen im Sommer wohl nicht mal die kühnsten Fantasten gerechnet hätten.

Werder Bremen ist für mich ein besonderer Verein und das Aufeinandertreffen dadurch natürlich ein sehr besonderes Spiel für mich“, sagt Fin Bartels gegenüber der DeichStube. Von 2014 bis 2020 hatte der Offensivspieler in Bremen unter Vertrag gestanden, hatte in 134 Pflichtspielen 24 Tore erzielt und dazu 22 aufgelegt, von denen wiederum eines seinen Platz in der Vereinsgeschichte sicher hat. Nach Bartels' Zuspiel traf Ludwig Augustinsson am 6. Juli 2020 zum zwischenzeitlichen 2:1 im Relegationsrückspiel beim 1. FC Heidenheim, was Werder letztlich vor dem Abstieg bewahrte. Mehr Erlösung lässt sich in einem Kurzpass kaum unterbringen. Es sollte trotzdem Bartels' letzte bedeutsame Aktion für Werder gewesen sein. Der Vertrag des Angreifers wurde nach der Saison nicht verlängert, Bartels kehrte in seine Geburtsstadt Kiel zurück, um dort ein bärenstarkes Jahr unter dem Mann zu spielen, den Werder jetzt liebend gerne hätte: Ole Werner.

Fin Bartels würde Werder Bremen und Ole Werner nur das Beste Wünschen

Kiels Ex-Trainer, der im September zurückgetreten ist, gilt in Bremen als Topfavorit auf den urplötzlich frei gewordenen Trainerposten. „Ole ist ein total umgänglicher, ruhiger und fokussierter Trainer und Mensch. Er hat eine klare Idee, Fußball spielen zu lassen“, sagt Fin Bartels – und hält fest: „Werder ist ein Super-Verein, Ole ein Super-Trainer. Da würde ich beiden nur das Beste wünschen.“ Entscheidende Ergänzung: „Aber erst ab Sonntag.“ Während des direkten Duells mit Werder Bremen möchten die Kieler „ihren“ Ole am Samstagabend (Anstoß: 20.30 Uhr) offenbar nicht zum Gegner haben. Noch soll der 33-Jährige trotz Rücktritts bei Holstein unter Vertrag stehen. Wie zu hören ist, arbeiten beide Vereine an einer Lösung.

Dass es überhaupt dazu kommen konnte, dass Werder Bremen nach der Entlassung von Florian Kohfeldt im Frühjahr schon wieder nach einem neuen Trainer suchen muss, möchte Bartels nicht kommentieren. Zur Impfpass-Affäre rund um den zurückgetretenen Bremer Coach Markus Anfang gibt es von ihm auf Nachfrage keine Einschätzung.

Lieber spricht er über vergangene Tage in Bremen („Ich habe viele schöne Erinnerungen an die Zeit“), über seinen guten Freund Philipp Bargfrede, der inzwischen für Werders U23 spielt („Zu ihm habe ich regelmäßig Kontakt“) und über sein großes Ziel für Samstag. Es lautet: Endlich einmal Werder Bremen schlagen!

Fin Bertels: Holstein Kiel muss gegen Werder Bremen unbedingt gewinnen um aus dem Tabellenkeller zu kommen

In bisher drei Anläufen in seiner Karriere – einmal mit Hansa Rostock (1:2) sowie zweimal mit dem FC St. Pauli (0:3 und 1:3) – ist Fin Bartels das bisher nicht gelungen. Warum also jetzt bei Versuch Nummer vier? „Weil wir zu Hause unbedingt gewinnen müssen und dafür alles tun werden. Wir brauchen dringend Punkte, um uns aus dem Tabellenkeller zu arbeiten“, betont Bartels, der während der jüngsten Kieler 1:2-Niederlage in Heidenheim seinen zweiten Saisontreffer erzielte und nun gerne nachlegen würde. Nackenprobleme, die ihm noch zu Wochenbeginn zu schaffen machten, sind überwunden. Holstein-Trainer Marcel Rapp rechnet fest mit einem Einsatz seines Routiniers. „Den Fin kriegen wir schon hin“, sagt er.

Mit aktuell 14 Punkten auf dem Konto bietet sich dem Tabellen-16. die Chance, durch einen Sieg gegen Werder Bremen (Platz neun, 20 Punkte), den Anschluss ans Mittelfeld wiederherzustellen. Danach, so sieht es Fin Bartels, darf Ole Werner gerne in Bremen anheuern und durchstarten. Womöglich ist es von den Werder-Verantwortlichen sogar schlau, den Wunschtrainer nicht vor der Partie zu verpflichten – zumindest wenn man es mit dem Aberglauben hält.

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Warum? Am 21. März 1981 trafen Werder Bremen und Holstein Kiel zuletzt in einem Ligaspiel aufeinander. Damals hieß es in der 2. Bundesliga Nord 1:1. Nur wenige Tage nach der Partie verkündete Werder dann das Ende seiner damaligen Trainersuche, die nach einem Autounfall von Kuno Klötzer nötig geworden war. Ein gewisser Otto Rehhagel kehrte nach Bremen zurück, blieb in der Folge 14 Jahre lang, feierte einen Aufstieg, zwei Meisterschaften, zwei Pokalsiege und den Gewinn des Europapokals der Pokalsieger. Nur, um das nicht unerwähnt zu lassen. (dco)

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