„Schulle“ mit Karriereende

Ex-Werder-Profi Christian Schulz macht Schluss: 17 Jahre danach dankt der letzte Bremer Double-Sieger ab

Christian Schulz gewann mit Werder Bremen 2004 das Double. 17 Jahre später beendet der 38-Jährige seine Karriere als Fußballer.
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Christian Schulz gewann mit Werder Bremen 2004 das Double. 17 Jahre später beendet der 38-Jährige seine Karriere als Fußballer.

Bremen – Am Samstag ist es 17 Jahre her, dass Christian Schulz den größten Tag in seiner langen Karriere erlebte. Es war der 8. Mai 2004, und Werder Bremen gewann durch ein 3:1 bei Bayern München die vierte Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Mit dabei: Christian Schulz, damals gerade mal 21 Jahre alt, als Profi noch völlig grün hinter den Ohren und deshalb nicht in der Lage, das Erreichte in seiner ganzen Dimension zu begreifen.

„Ich war noch ein bisschen naiv und dachte, so ‚was wie eine Meisterschaft kommt häufiger vor“, lacht Christian Schulz heute. In den Jahren danach hat er lernen müssen, dass der Titelgewinn und der wenig später folgende Triumph im DFB-Pokal mit Werder Bremen die frühe Krönung seiner Laufbahn waren. Einer Laufbahn, die in diesen Tagen ziemlich unbemerkt als Spieler von Hannover 96 II zu Ende geht.

Schulz macht Schluss – als letzter Spieler, der einen aktiven Anteil am Bremer Double hatte. Ailton, Micoud, Klasnic, Ismael, Baumann, Ernst, Davala und wie sie alle hießen, spielen schon lange nicht mehr. Christian Schulz war damals nach Nelson Valdez der Zweitjüngste im Team und hat anschließend die Karriere ausgekostet. Dass diese Saison aber zum Endpunkt werden würde, steht schon seit Monaten fest.

Werder Bremen: Double-Sieger Christian Schulz beendet seine Karriere - und wählt Hannover als Heimt

Mit nunmehr 38 Jahren ist für den gebürtigen Bassumer, der beim örtlichen TSV das Fußballspielen gelernt hat, die Zeit gekommen, die Funktion zu wechseln. Vom Spieler zum Trainer – so ist es geplant. Zwar hat der viermalige Nationalspieler noch keinen Vertrag mit 96 in der Tasche, aber dass er im Nachwuchsbereich des aktuellen Zweitligisten im Trainerstab unterkommen wird, ist nicht wirklich die Frage. „Beide Seiten wollen. Da findet sich schon eine Lösung“, sagt Schulz im Gespräch mit der DeichStube. Seinen Junioren-Eliteschein hat er schon in der Tasche, die Trainer-A-Lizenz hätte er auch gerne erworben, die Corona-Pandemie verhinderte das aber. Es wurde schlicht kein Lehrgang angeboten.

Dass Christian Schulz Hannover als Heimat wählt und nicht etwa Bremen, hat einen einfachen Grund: Während die Zeit bei Werder die Zeit der sportlichen Erfolge war, wurden die Jahre bei 96 zu den Jahren der privaten Meilensteine. „Meine beiden Kinder sind hier geboren, wir haben hier ein Haus, fühlen uns wohl“, erklärt Schulz, der in seinem Profi-Leben für nur drei Vereine spielte. Als Zwölfjähriger war er zum SV Werder Bremen gekommen, blieb zwölf Jahre, zog dann weiter in die niedersächsische Landeshauptstadt. Von 2007 bis 2016 verteidigte „Schulle“ im Profi-Team der 96er, und nach einem zweijährigen Abstecher zu Sturm Graz (inklusive Gewinn der österreichischen Pokals) kehrte er zurück, wurde als erfahrener Führungsspieler der U23 zugeordnet.

Christian Schulz erinnert sich gerne ans Double mit Werder Bremen: „Vor allem die Tore gegen Bayern“

Vor drei Jahren war das, und jetzt steht das Karriereende an. Einfach so. Im Lockdown. Die Regionalliga Nord hat ihre Saison längst abgebrochen, seit Wochen wird nur trainiert, und Schulz sagt, dass er sich manchmal schon gefragt hat, warum er an sechs Tagen in der Woche auf dem Platz steht, warum er das alles noch mitmacht so kurz vor dem Ende. Selbst in den Testspielen, die die U23 in diesen Tagen noch bestreitet, mischt er mit. Ein für Samstag angedachtes Match gegen Werder Bremens U23 kam zwar nicht zustande, es bleiben aber Partien gegen andere Regionalliga-Teams. Das macht wohl nur einer, für den Fußball mehr Liebe als Pflicht ist.

Ende Mai endet aber auch dieses Programm, dann werden die Schuhe an den Nagel gehängt und wird der Schlussstrich unter die Karriere gezogen. 17 Jahre nach dem Double. Bilder von damals hat Christian Schulz natürlich immer noch im Kopf – „vor allem die Tore gegen die Bayern, weil man die ja immer noch gezeigt bekommt“, lacht er. Aber auch die Ankunft damals am Flughafen, die Ehrenrunde im Flieger über der Stadt, das Gefühl, die Bayern besiegt zu haben, nachdem diese zuvor viele Giftpfeile verschossen hatten – „das war schon eine geile Situation. Und das sind Momente, die bleiben.“ (csa) Auch interessant: Kaderplaner Tim Steidten - glücklich bei Bayer Leverkusen, aber im Herzen bei Werder Bremen! Und: Florian Kohfeldt auf dem Trainer-Karussell - Werder-Coach angeblich Thema bei Bayer Leverkusen!

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