Verflixte linke Seite: Jetzt versucht's Schmelzer

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Marcel Schmelzer ist der nächste, der sich auf der linken Problemseite versuchen darf. Der Dortmunder überzeugte bisher in den bisher 27 Ligaspielen.

Düsseldorf - Die Achillessehne der deutschen Nationalmannschaft ist die linke Verteidigerposition. Seit Philipp Lahm auf rechts spielt, hat sich kein gleichwertiger Ersatz gefunden. Das hat aber Tradition.

Es ist die Problemzone Nummer eins in Deutschlands wichtigster Fußballmannschaft - jetzt darf sich Dortmunds Aufsteiger Marcel Schmelzer zum zweiten Mal hinten links versuchen. “Ich spiele einfach drauf los“, beschrieb der ehemalige Magdeburger, wie er auch seine Aufgabe im Testspiel des deutschen Nationalteams am Dienstag gegen Australien angehen will.

Mit dieser Maxime ist Schmelzer bereits beim BVB in die Stammelf gestürmt und mit all seinen jungen Kollegen auf dem besten Weg zur deutschen Meisterschaft. “Bei mir ist alles sehr schnell gegangen in letzter Zeit, so dass ich gar nicht zum Nachdenken gekommen bin“, erklärte Schmelzer am Montag. Wie sensibel die Besetzung der linken Position in der Abwehrkette ist, verdeutlichte eine Reaktion von Routinier Arne Friedrich. Ob er auch schon einmal auf dieser Position gespielt habe und ob das vielleicht etwas für ihn sei, wurde der 31-jährige WM-Spieler gefragt. “Neee“, sagte Friedrich, was so ähnlich klang wie bloß nicht. Friedrich verwies bei der Pressekonferenz des DFB auf Schmelzer: “Das macht der Marcel schon.“

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Seit Jahren probieren es deutsche Fußballer auf der linken Außenbahn: Dennis Aogo, Schmelzer selbst, Heiko Westermann, Marcell Jansen und Marcel Schäfer hießen die Probanden allein in den acht Länderspielen nach der WM. Einmal wurde auch Philipp Lahm zurückversetzt von rechts nach links außen. In Südafrika hatten sich Aogo, Jérome Boateng, Holger Badstuber und aushilfsweise auch Jansen dort versucht. Doch es blieb immer die verflixte linke Nummer.

Warum nur? “Es gibt sehr wenige Fußballer mit starkem linken Fuß, die dann auch noch offensiv spielen“, glaubt Schmelzer, der sich aktuell mit dem Hamburger Aogo ein Duell um den vakanten Stammplatz liefert. “Diese beiden Spieler besitzen Vorteile“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. “Mit Dennis habe ich schon in der U 21 gespielt. Jeder wird sein Bestes tun, um zu spielen. Trotzdem gibt es keine Differenzen“, beschrieb Schmelzer die Konkurrenzsituation.

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Das Problem mit dem linken Außenverteidiger hat Löw geerbt. Auch seine Vorgänger plagten sich mit der Besetzung der Position, wo die Weltmeister Paul Breitner und Andreas Brehme einst Maßstäbe setzten. Jürgen Klinsmann stellte erfolglos Thomas Hitzlsperger dort hin - sogar Bastian Schweinsteiger und Bernd Schneider mussten aushelfen. Rudi Völler beorderte in seiner Amtszeit unter anderen Christoph Metzelder, Tobias Rau und Michael Hartmann nach links hinten. Auch Torsten Frings spielte dort den Feuerwehrmann.

Keine Diskussionen gab es jüngst eigentlich nur, als Lahm die linke Seite einnahm und dort zum Weltklassespieler aufstieg. Inzwischen fühlt sich der Münchner selbst auf der rechten Seite besser aufgehoben - viele Experten sehen das anders. “Man hat keine zwei Philipp Lahms. Wir sind zufrieden, wie er derzeit seine Position ausfüllt“, sagte dazu am Montag Löw-Assistent Hansi Flick. So geht die Suche nach dem idealen Typ für links munter weiter.

dpa

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