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„Vielleicht werde ich getötet“: Prominenter russischer Fußballer stellt sich gegen Putins Angriffskrieg

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Igor Denissow (links) 2012 während eines Freundschaftsspiels gegen Italien.
Igor Denissow (links) 2012 während eines Freundschaftsspiels gegen Italien. © Walter Bieri/dpa

Der ehemalige Kapitän der russischen Nationalmannschaft, Igor Denissow, hat sich öffentlich gegen den Krieg in der Ukraine ausgesprochen und Russlands Präsidenten Wladimir Putin kritisiert.

Moskau – Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Igor Denissow hat sich als einer von wenigen russischen Sportlern gegen den Angriffskrieg in der Ukraine ausgesprochen. Es sei ein Schock und ein Horror gewesen, als er im Februar von der Invasion erfahren habe. Das sagte der 38 Jahre alte Ex-Kapitän des Nationalteams in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit dem Sportblogger Nobel Arustamjan. „Ich bin dagegen, dass Menschen sterben“, sagte der Mittelfeldspieler, der auch viermal russischer Meister war.

Zu Beginn des Krieges habe er sogar eine Videobotschaft an Präsident Wladimir Putin aufgenommen, mit der Bitte, den Krieg zu stoppen. „Ich bin bereit, vor Ihnen auf die Knie zu fallen“, habe er darin gesagt. Doch russische Medien hätten die Botschaft nicht veröffentlichen wollen, sagte Denissow ohne weitere Einzelheiten. Auch seine Freunde hätten ihm abgeraten.

Ukraine-Konflikt: Ex-Fußballer Denissow kritisiert Putin öffentlich

An dem Krieg trage die russische Bevölkerung eine Mitschuld, „denn wir schaffen es nicht, der Regierung unsere Sichtweise nahezubringen“, sagte er. „Vielleicht werde ich für diese Worte eingesperrt oder getötet, aber ich sage es, wie es ist“, so der ehemalige Fußballspieler weiter. „Meine Wahrnehmung des Ganzen hat sich drastisch verändert. Ich habe nicht geschlafen. Ich habe wahrscheinlich vier Tage lang drei Stunden geschlafen. Ich war einfach schockiert“, sagte Denissow.

Er sei ein einfacher Mensch und habe jetzt Angst, könne aber nicht anders, als sich jetzt zu Wort zu melden, fährt der 38-Jährige fort. „Ich verstecke mich nicht, ich gehe nirgendwo hin. Ich habe das nicht nötig.“ Der Mittelfeldspieler war unter Trainer Fabio Capello nach 2012 zeitweise Kapitän des Nationalteams, der Sbornaja. Insgesamt 54 Mal lief Denissow für die russische Nationalmannschaft auf. Zuletzt spielte er bei Lokomotive Moskau und beendete 2019 seine Karriere. (dpa/fmü)

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