Wolfsburg, Darmstadt, Köln: Warum die Spielstrafen „direkter Freistoß“ und „Strafstoß“ so eng miteinander verwandt sind

Ein Spieltag voller Strafraum-Situationen

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Klare Sache beim 3:0-Heimsieg der Geißböcke: In der 40. Minute foult HSV-Abwehrspieler Ashton Götz den Kölner Yuya Osako (links). Schiedsrichter Benjamin Brand deutet nach dem Halten und Beinstellen des Hamburgers mit Recht auf die Strafstoßmarke.

Wolfsburg/Darmstadt/Köln. Einige komplexe Strafraumszenen haben die Schiedsrichter am 9. Spieltag zu bewerten. In einige Situationen tauchen wir an dieser Stelle tiefer ein – und kümmern uns um die Frage, ob es regeltechnisch eigentlich eine Rolle spielt, wo das Foulspiel stattfindet: ob im Strafraum oder außerhalb.

Darmstadt, 27. Minute: Leon Guwara trifft Leipzigs Naby Keita im Strafraum mit dem Bein am Rücken und Kopf. Schiedsrichter Stark hätte dafür auf Strafstoß entscheiden müssen.

Dazu der Blick ins Regelwerk, denn dieser erleichtert die Rechtsfindung und beugt Vorurteilen vor. Wichtigste Norm ist die Regel 12, die seit dieser Saison den neuen Titel „Fouls und unsportliches Betragen“ trägt. Und die Regeln 13 („Freistöße“) 14 („Strafstoß“) nehmen wir auch noch gleich dazu. Dort wird zunächst aufgezählt, welche Einsätze verboten sind – Stoßen, Schlagen, Treten, Beinstellen, Spucken, Halten, Tackling, diese und weitere Vergehen sind die klassischen Fouls, die man bei laufendem Spiel gegen den Gegner begehen kann. Ein ganz wichtiger Punkt: Die Spielfortsetzung nach einem solchen Foul, die so genannte „Spielstrafe“. Außerhalb des Strafraumes gibt es den direkten Freistoß – und innerhalb den Strafstoß.

Ricardo Rodriguez und der Leverkusener Chicharito (links) im Zweikampf; in der 44. Minute lieferten sie sich ein strafstoßwürdiges Duell, das Schiedsrichter Tobias Stieler nicht ahndete.

Das Regelwerk stellt dabei in den Regeln 12, 13 und 14 klar: Es gibt keinen Unterschied bei der Bewertung, ob das Foul innerhalb des Strafraumes oder außerhalb, zum Beispiel im Mittelkreis, stattfindet. Was außerhalb der 16,50-Meter-Zone passiert, wird mit dem direkten Freistoß geahndet – wird innerhalb gefoult, muss es den Strafstoß geben. Das Vergehen muss nicht etwa intensiver sein, um im Strafraum abgepfiffen zu werden. Ein Beispiel aus der Praxis ereignet sich in der 27. Minute in Darmstadt. 98-Verteidiger Leon Guwara greift mit ziemlich hoch gehaltenen linken Bein Leipzigs Naby Keita an und schlägt den Ball aus dem Strafraum; dabei kommt es zum Kontakt: Guwaras Fuß trifft Keita am Rücken und Kopf. Aus dem regeltechnisch so genannten „gefährlichen Spiel“ (auch das in der Regel 12 näher beschrieben), das einen indirekten Freistoß zur Folge hätte, wird das Foul. Und da Guwara seinen Gegner im Strafraum attackiert, hätte das Schiedsrichter-Team um Wolfgang Stark (Ergolding) auf Strafstoß entscheiden müssen.

Zu einer weiteren Szene nach Wolfsburg, 44. Minute. VfL-Abwehrspieler Ricardo Rodriguez trifft Leverkusens Chicharito mit seinem Fuß am Oberkörper. Dieser Kontakt macht aus diesem Einsatz ein verbotenes Spiel und damit strafstoßwürdiges Foul. Allerdings ist dieser Tritt für FIFA-Referee Tobias Stieler aus Hamburg und sein Team schwer zu erkennen, selbst mit Zeitlupe muss man mehrfach hingucken.

Völlig korrekt der Strafstoß für den 1. FC Köln beim 3:0 der Geißböcke gegen den Bundesliga-Dino aus Hamburg: In der 40. Minute foult HSV-Abwehrspieler Ashton Götz den Kölner Yuya Osako. Schiedsrichter Benjamin Brand aus Unterspiesheim im Landkreis Schweinfurt in Unterfranken, seit 2015 in der ersten Liga dabei, deutet in einer für den 27 Jahre jungen Unparteiischen nicht einfach zu leitenden Partie nach dem Halten und Beinstellen des Hamburgers mit Recht auf die Strafstoßmarke.

Noch ein Hinweis für die wahren Regelfüchse: Denkbar und genauso verboten sind Attacken gegen Mitspieler, Betreuer und Zuschauer. Und auch Auswechselspieler oder ausgewechselte Akteure können Spielstrafen verursachen. Aber zu diesen und weiteren Spezialfällen mehr, wenn sie denn mal passieren. Empfehlenswert ist dafür der Blick in die Regeln 3 (Spieler) und 5 (Schiedsrichter). Das gerade neu aufgelegte Regelwerk ist übrigens auf der Homepage des DFB abzurufen (www.dfb.de) – schauen Sie doch mal rein. 

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