DFB-Pokal-Halbfinale: Bayern - Dortmund / Der Mauerabstand ist keine Verhandlungssache

Wie Robben den Referee antesten will

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Schiedsrichter Manuel Gräfe setzt klare Grenzen und fackelt nicht lange mit der Gelben Karte gegen Bayerns Arjen Robben (links Xavi Alonso), als der Niederländer in der 31. Minute den Mauerabstand noch einmal selbst abmisst.

München/Dortmund. Als Schiedsrichter Hartmut Strampe die Partie zwischen Borussia Dortmund und Bayern München abpfeift, hat der FIFA-Referee vom TSV Groß Hesebeck/Röbbel die vermutlich am schwersten zu leitende Begegnung seiner Karriere zu Ende gebracht: 

Zwölf Gelbe Karten, einmal Gelb-Rot, zweimal glatt Rot. Das war vor fast genau 16 Jahren, am 7. April 2001, während der damaligen Bundesliga-Saison. Im DFB-Pokal-Halbfinale am Mittwochabend hat der Unparteiische, Manuel Gräfe aus Berlin, weniger Probleme. 

Vor 16 Jahren: FIFA-Schiedsrichter Hartmut Strampe (TSV Groß Hesebeck/Röbbel) leitet sein schwerstes Spiel. Dortmund (Fredi Bobic) und Bayern liefern sich ein hitziges Duell voller Unsportlichkeiten.

Eine Schlüsselszene beim 3:2-Erfolg der Schwarz-Gelben in der Münchener Arena passiert in der 31. Minute vor einem direkten Freistoß für Borussia Dortmund in Strafraumnähe. Die Bayern versuchen, mit dem FIFA-Schiedsrichter von Hertha Zehlendorf über den vorgeschriebenen Mauerabstand (9,15 Meter) zu verhandeln. Das ist regeltechnisch hochriskant, denn der nicht eingehaltene Abstand gehört zu den Unsportlichkeiten. Das bedeutet, es muss dafür die Gelbe Karte gezeigt werden – eine solche persönliche Strafe heißt im Fachjargon „Pflichtverwarnung“, bei welcher der Unparteiische keinen Ermessensspielraum hat. Der Karton muss kommen – egal, wann die Unsportlichkeit geschieht. 

Während Manuel Gräfe das bayerische Mauermecker-Gebaren noch nicht als unsportlich empfindet, überspannt Arjen Robben den Bogen. Für alle Spieler und 75 000 Zuschauer gut sichtbar schreitet der Niederländer noch einmal den Mauerabstand ab und misst selbst nach. Wenn der Unparteiische in solchen Situationen nicht einschreitet, ist seine Autorität verloren. Er verliert die Akzeptanz auf dem Feld, und auch seine Außenwirkung leidet massiv. In Szenen wie diesen muss der Referee eine deutliche Grenze setzen. 

Das geschieht auch prompt: Manuel Gräfe, seit 13 Jahren im Fußball-Oberhaus dabei, fackelt nicht lange, sondern zeigt Robben ohne Zögern den gelben Karton. Zudem bedeutet der 43-jährige Sportwissenschaftler dem Top-Stürmer mit der entsprechenden Gestik und Ansprache, dass ein solches Verhalten hier und heute nicht toleriert wird. 

Die Gestik und Zeichengebung ist in einem solchen Fall wichtig, denn eine solche Verwarnung muss nicht nur dem betroffenen „Sünder“ die rote Linie aufzeigen, sondern auch allen übrigen Akteuren auf dem Platz, die erkennen: Oha, ich verhalte mich heute besser sportlich – doppelt wichtig in einer so brisanten und schwierig zu leitenden Partie, wie sie zwischen Bayern und Dortmund, dem deutschen „Clásico“, immer ist. 

Am Ende kommt Manuel Gräfe, dessen gute Leistung mit Recht auch vom traditionell gut informierten und regeltechnisch sicheren ARD-Reporter Tom Bartels hervorgehoben wird, mit fünf Gelben Karten aus und behält gemeinsam mit seinen Assistenten Guido Kleve (Nordhorn) und Markus Sinn (Filderstadt) sowie dem Vierten Offiziellen, Bundesliga-Kollege Guido Winkmann (Kerken) die Partie im Griff. Hartmut Strampe, der das Duell zwischen Bayern und Dortmund, wie Manuel Gräfe, fünfmal leitete, wird es am Bildschirm mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen haben.

Von Marco Haase

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