Auf den Draht kommt es an

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Symbolische Szene: Der nach oben gerichtete Daumen des Schalker Trainers Jens Keller gilt zwar seinen Spielern, hätte aber auch den Schiedsrichtern gezeigt werden können.

Uelzen/Gelsenkirchen. In mehr als 200 Ländern überall auf der Welt ist der Bundesliga-Rückrunden-Auftakt zwischen Schalke 04 und Hannover 96 zu sehen – und für die Zuschauer haben sich die 92 Minuten gelohnt.

Neun Treffer erzielen die deutschen Meister von 1958 und 1954, einer schöner als der andere, am Ende steht es 5:4. Das ist Werbung für den Fußballsport.

Werbung für die Schiedsrichter machen Deniz Aytekin, Christian Dietz, Benjamin Brand und Guido Winkmann: Der 34-jährige FIFA-Unparteiische aus dem fränkischen Oberasbach zeigt gemeinsam mit seinen Assistenten und dem Vierten Offiziellen eine sehr gute Leistung.

Aytekin, der seit 2008 in der ersten Liga und seit zwei Jahren auch international eingesetzt wird, genießt in der nicht einfach zu leitenden Partie eine hohe Akzeptanz bei allen Beteiligten, hat ein sehr gutes Auge für die Zweikämpfe und wird bei mehreren schwierigen Abseitssituationen hervorragend von seinen Assistenten Christian Dietz und Benjamin Brand unterstützt. Speziell bei einer verbreiteten Unart versteht Aytekin überhaupt keinen Spaß: dem Einsatz von Armen und Ellbogen in Luftduellen – Hannovers Sobiech kassiert dafür in der 52. Minute mit Recht den gelben Karton.

Richtige Ansprache im richtigen Moment

Wichtig ist in dieser umkämpften Begegnung der gute Draht zu den Spielern, die richtige Ansprache zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Situation. Zum Beispiel in der 38. Minute nach Djourous Grätsche gegen Farfan auf Rechtsaußenposition an der Seitenlinie. Auch wenn der Hannoveraner den Schalker verfehlt – für dieses rücksichtslose Einsteigen sind der direkte Freistoß für 04 und die Verwarnung für den 96er angebracht. Zusätzlich gibt Deniz Aytekin dem Sünder noch ein paar erläuternde Worte mit auf den Weg. Das ist in dieser Szene richtig und wirkungsvoll: Djourou spielt danach vorsichtiger, die Schalker sehen, dass das Foul an ihrem Spieler sofort geahndet wird – und auch die Hannoveraner merken, dass der Unparteiische einen derartigen Einsatz nicht durchgehen lässt, egal, ob der Gegenspieler voll oder nur leicht getroffen wird.

Wer sich die Situation genauer anschaut, erkennt zudem, dass Deniz Aytekin sehr schnell am Ort des Geschehens ist, um die Gemüter souverän mit klarer Mimik und Gestik zu beruhigen. Auch dieses Auftreten ist in solchen Schlüsselszenen in Spielruhen enorm wichtig, damit nichts eskaliert und keine Unsportlichkeiten passieren – Spielruhen sind die Zeit des Schiedsrichters, in denen er bei einer Spielleitung die Fäden in der Hand behalten muss.

Auf Schalke behalten in der 38. Minute der Schiedsrichter und auch Assistent Benjamin Brand den Überblick. Übrigens: Dass Farfan zwar gefoult, aber nicht übermäßig hart getroffen wird, sieht man an der Reaktion des Schalkers unmittelbar nach der Grätsche – er hat nämlich noch die Kraft, sieben Rollen auf dem Rasen zu drehen. Für den Referee mit ein Indiz, dass es so schlimm nicht sein kann.

Wenn man in die Feinheiten der Spielanalyse geht, könnte man insgesamt kritisch anmerken, ob man wirklich acht gelbe Karten hätte aussprechen müssen oder ob nicht fünf bis sechs ausgereicht hätten. Aber das tut der sehr guten Leistung des Schiedsrichter-Teams keinen Abbruch.

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