Warum beim Krimi HSV - Wolfsburg das Schiedsrichter-Team unter besonderer Beobachtung steht

Ein Quartett mit stahlharten Nerven

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Wolfsburgs Philipp Wollscheid (l) und Hamburgs Kyriakos Papadopoulos kämpfen um den Ball. Am Ende jubelte der Hamburger.

Hamburg. Der letzte Spieltag in der Meisterschaft zählt für die Schiedsrichter regelmäßig zu den schwierigsten: Es geht für die Vereine um Titel, Auf- und Abstieg, Relegation, Europapokal-Teilnahme, Prämien und vieles mehr.

Insofern ist der enorme Druck, der aufgrund zahlreicher Kameras in einer durch und durch von Medien geprägten und zugespitzten Fußball-Realität bei jedem Spieltag ohnehin auf den Unparteiischen lastet, noch einmal um ein Vielfaches höher. 

So auch in dieser letzten Bundesliga-Runde, in der sich die Blick vor allem nach Hamburg richten und hier auf den Berliner FIFA-Referee Manuel Gräfe. 

Die Schiedsrichter wissen: Ein tatsächlich oder auch nur vermeintlich falscher Pfiff kann von manchen Vereinsvertretern für den Abstieg, die verpasste Europapokalteilnahme, den verpassten Titel instrumentalisiert werden. Regelhaft wird an diesem letzten Bundesliga-Spieltag vergessen, dass eine Mannschaft ihre Ziele an den 33 Möglichkeiten zuvor verpasst hat – und die nicht selten übermäßige Kritik wird in einer Mediengesellschaft wie der Unsrigen ohne fachliche Vorprüfung nur zu gern in Sekunden und Minuten über die verschiedensten Online-Kanäle verbreitet. Wichtig ist die Story. 

Der Berliner FIFA-Referee Manuel Gräfe stand unter großem Druck - und hielt diesem Stand.

Daher, mit Blick auf den Druck, kann die Leistung von Manuel Gräfe, seit 2004 im Fußball-Oberhaus und seit 2007 auch international im Einsatz, im Relegations-Nord-Krimi des Hamburger SV gegen den VfL Wolfsburg (2:1) gar nicht hoch genug bewertet werden. Aufgewärmt wurde nämlich zuvor das Duell zwischen dem Hamburger SV und dem Karlsruher SC vor zwei Jahren, das auch Thema im „Pfiff der Woche“ war („Das Schicksal von Keepern und Referees“, Pfiff der Woche vom 2. Juni 2015). Manuel Gräfe leitete damals im Karlsruher Wildpark und pfiff kurz vor Schluss den ominösen direkten Freistoß. 

Als wenn all dies nicht schon ausreichte: Die ehemaligen FIFA-Unparteiischen Markus Merk (Otterbach bei Kaiserslautern) und Bernd Heynemann (Magdeburg) erweisen ihrem Kollegen Manuel Gräfe keinen großen Gefallen und kritisieren öffentlich die Schiedsrichter-Ansetzung des DFB. 

Auch wenn man darüber diskutieren kann, wen man in die Hansestadt schicken sollte – Merk und Heynemann müssten wissen, dass jeder O-Ton gerade aus den eigenen Reihen begierig von den Medien aufgegriffen wird, die Atmosphäre zusätzlich aufheizt und die Umstände für Manuel Gräfe noch schwieriger gestaltet. 

Sehr viel differenzierter äußert sich der ehemalige Erstliga-Referee und Sky-Experte Peter Gagelmann (Bremen) und hebt die große Erfahrung von Manuel Gräfe speziell in schwierigen Spielen hervor – am Ende sollte er Recht behalten. 

In Hamburg behält der 43-jährige Sportwissenschaftler Manuel Gräfe (Spitzname in der Szene: „Der Graf“) vom Berliner Club Hertha 03 Zehlendorf gemeinsam mit seinen Assistenten Dominik Schaal (Tübingen) und Markus Sinn (Filderstadt) sowie dem Vierten Offiziellen René Rohde (Rostock) eine umkämpfte, schwer zu leitende Begegnung Partie (gut 35 Fouls, sieben Gelbe Karten) insgesamt gut im Griff.

Zweitliga-Referee René Rohde, der es diesmal im Volkspark mit den nervösen Bänken zu tun hat, war im Übrigen bereits am 1. Juni 2015 bei der Relegation im Wildpark dabei. Reine Nervensache. 

Zur Spielleitung: Dass man generell in der einen oder anderen Szene nicht zu großzügig, sondern gerade in einer solch brisanten Partie, taktisch klüger, etwas enger amtieren und bei fahrlässigem Einsteigen etwas weniger mit Vorteil arbeiten sollte – geschenkt, wenn das große Ganze stimmt. 

Die Leistung des Schiedsrichter-Teams wird von allen Beteiligten anerkannt und ob der durch zahlreiche Medien erhitzten Vorgeschichte hochgelobt. Ein Quartett mit stahlharten Nerven, das nicht weiter auffiel, hochkonzentriert und fokussiert auf das Wesentliche: Auf ein faires Fußballspiel – egal, wer spielt, egal, worum es geht, egal, was alles vorher erzählt, geschrieben und gepostet wurde. 

Daher thematisierten die Wolfsburger auch das harte Einsteigen von Hamburgs Kyriakos Papadopoulos gegen VfL-Akteur Maximilian Arnold nicht, der trotz der Grätsche des HSV-Verteidigers im Strafraum fast noch zum Ausgleich kommt – das alles bereits in der Nachspielzeit. Der Unparteiische kann aus seiner Position kein Foul erkennen, auch die Zeitlupen sind nicht völlig eindeutig. 

Insgesamt können die Schiedsrichter an diesem 34. und letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga zufrieden sein – sie stehen nicht im Mittelpunkt, so soll es idealerweise sein.

Von Marco Haase

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