RB - Bayern (4:5): Warum sich Tobias Stieler im „neuen Klassiker“ voll und ganz auf seinen Assistenten verlässt

Sascha Thielerts Adleraugen

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Erfolgreich deeskalierender Konfliktmanager: FIFA-Referee Tobias Stieler, hier im Dialog mit Leipzigs Dayot Upamecano und Arturo Vidal (rechts), behält die Wahnsinns-Partie in der Red Bull Arena im Griff. RB-Kicker Naby Keita liegt nach einem Foul ohne Schuh am Boden.

Leipzig. Die 16. Minute vom Wahnsinns-Spiel in Leipzig ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, welch wichtigen Job die Assistenten in einer Partie haben, speziell bei versteckten Vergehen.

Bayerns Philipp Lahm flankt von rechts in den RB-Strafraum, Bernados Arm geht in Richtung Leder. Schiedsrichter Tobias Stieler kann aus seiner Position keinen Regelverstoß erkennen und will weiterlaufen lassen. Aber da kommen die Adleraugen von Sascha Thielert ins Spiel.

Der 36-jährige Assistent aus dem niedersächsischen Buchholz hat die Erfahrung von mehr als 170 Bundesligabegegnungen an der Linie, unter anderem beim heutigen Sky-Experten Peter Gagelmann – hinzu kommen noch einmal rund 100 Partien in der zweiten Liga als Schiedsrichter und als Assistent. Dem Mann kann man also glauben, wenn er eine Wahrnehmung hat. Und Sascha Thielert ist sich sicher: Bernado berührt die Kugel, wenn auch nur kurz, aber absichtlich mit dem Oberarm. Zudem gibt es eine aktive Bewegung zum Ball – strafbar. 

Bei solch gravierenden Entscheidungen sollen die Assistenten nur dann eingreifen, wenn sie absolut überzeugt sind. Sascha Thielert ist es: Er hebt die Fahne, signalisiert das absichtliche Handspiel und bewegt sich gleichzeitig in Richtung Eckfahne. Das ist die korrekte Zeichengebung für einen Strafstoß. FIFA-Referee Tobias Stieler (35) aus Hamburg, seit 2012 in der Bundesliga und seit 2014 auch international unterwegs, hat keine Zweifel: Wenn mir mein Freund Sascha so etwas anzeigt, dann muss es richtig sein. Insofern ist auch keine weitere Kommunikation mehr nötig. Tobias Stieler pfeift und deutet auf die Strafstoßmarke. 

Auch im weiteren Verlauf des Prestige-Duells, das sich zu einer Art Jahrhundert-Spiel mit neun Toren entwickelt, behalten Tobias Stieler, seine Assistenten Sascha Thielert, Dr. Matthias Jöllenbeck (Müllheim im Hochschwarzwald) sowie der Vierte Offizielle, Sven Jablonski (Bremen), alles im Griff und liegen bei den wichtigen Entscheidungen richtig – etwa beim weiteren Strafstoß in der 28. Minute (diesmal für RB, nachdem Bayerns Xabi Alonso Leipzigs Emil Forsberg ein Bein gestellt hat). Das Unparteiischen-Team spürt von der ersten Sekunde an: Das ist hier und heute kein Freundschaftsspiel zwischen dem Rekordaufsteiger und dem Rekordmeister – es geht hier um die Fußballkrone in Deutschland. Endspielstimmung in der ausverkauften Arena, in welcher der Referee sechs berechtigte Verwarnungen ausspricht, davon fünf in der zweiten Halbzeit. Zudem kommuniziert Tobias Stieler häufig mit den Akteuren, im ersten Durchgang zum Beispiel nachhaltig mit dem erhitzten Franck Ribery – der Schiedsrichter als wandelnder Vermittlungsausschuss und erfolgreicher Konfliktmanager. 

Nach dem Schlusspfiff sprechen die Zuschauer in Leipzig nur von einem der besten und spannendsten Partien der gesamten Saison. Der Schiedsrichter und seine Assistenten sind kein Thema – und das ist für die Referees immer ein gutes Zeichen.

Von Marco Haase

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