Pfiff der Woche: Braunschweig – Hoffenheim: Warum Schiedsrichter Guido Winkmann trotzdem eine Menge Respekt verdient

Manchmal gibt es so gebrauchte Tage…

+
Schiedsrichter Guido Winkmann (Kerken) zeigte Marc Pfitzner nach seinem harten Tritt gegen Sven Schipplock nur die Gelbe Karte. Trotz der schwierigen Partie mit vielen kniffligen Entscheidungen stellte sich der 40-jährige Referee nach dem Schlusspfiff den kritischen Fragen der Medienvertreter – ein Mut, der mit Recht gelobt wird.

Braunschweig. Was denkt man als Schiedsrichter und Assistent nach einer Partie wie der zwischen Eintracht Braunschweig und der TSG 1899 Hoffenheim (1:0)? Nach kniffligen Strafraumszenen, viel Hektik auf und am Spielfeld, falschen Abseitsentscheidungen und einer nicht gegebenen Roten Karte?

Auf jeden Fall ist man froh, dass Schluss ist. Es gibt so gebrauchte Tage. Das gilt für Spieler, aber eben leider auch für Unparteiische.

Dennoch verdient Guido Winkmann, der 40-jährige Polizeibeamte aus Kerken am Niederrhein, der seit fünf Jahren in der Bundesliga aktiv ist, ein großes Kompliment. Der erfahrene Erstliga-Referee, der 2008 auch schon in der K-League in Südkorea eingesetzt wurde, stellt sich nach dem Schlusspfiff den kritischen Fragen der Medien. Dies wird von ZDF-Reporter Günter-Peter Ploog, nicht eben ein ganz großer Freund der Unparteiischen, mit Recht sehr lobend hervorgehoben. Denn bei all berechtigter Kritik akzeptiert die Fußball-Gemeinde im Endeffekt, wenn sich ein Schiedsrichter offen und transparent der Diskussion stellt – sofern sie fair abläuft und ebenso anerkannt wird, dass die übergroße Mehrheit der Entscheidungen von Guido Winkmann und Assistent Frederick Assmuth korrekt waren.

Winkmann stellt sich nach dem Schlusspfiff vor seinen 36-jährigen Assistenten aus Köln, der bereits seit 2009 in der ersten Liga aktiv ist, und übernimmt als Teamchef die Gesamtverantwortung. Assmuth hebt seine Fahne leider einmal zu viel (14. Min.: Es war kein Abseits vor dem eigentlich regulären Braunschweiger Treffer) und einmal zu wenig (29. Min.: Vor dem Strafstoß für die Eintracht liegt eine strafbare Abseitsstellung im Hoffenheimer Strafraum vor).

Und wenn sich das Schiedsrichter-Team den brutalen Tritt von Eintrachts Marc Pfitzner gegen Hoffenheims Sven Schipplock aus der 51. Minute noch einmal in Ruhe in der Rückblende anschaut, wird es ebenfalls der Ansicht sein, dass für solche Fouls die Rote Karte erfunden wurde. Ohne Zeitlupe und beste Perspektive ist der harte, aber sehr schnelle Tritt schwierig zu erkennen – keine Entschuldigung, aber eine Erklärung für die Entscheidung des Referees.

Da Marc Pfitzner Gelb erhält und das Vergehen mit direktem Freistoß geahndet wird, gilt diese Entscheidung als Tatsache und kann nicht mehr revidiert oder nachträglich bestraft werden. Ungerecht für diese Szene, aber für den Fußballsport insgesamt das beste. Ohne Tatsachenentscheidung würden wir am Grünen Tisch noch über die Meisterschaft von 1922 streiten. Videobeweis? Auch keine Lösung. Selten sind die Szenen so klar und eindeutig. Die Folge wären Endlos-Diskussionen auf dem Rasen und daneben. Was man mit einem Videobeweis anrichten kann, kann man beim Feldhockey mit Grausen beobachten: Spielruhen mit Debatten und Hektik – und am Ende oft keine Klarheit.

Guido Winkmann und Frederick Assmuth sind so erfahren, dass sie die Fehler professionell analysieren und in Ruhe in die Weihnachtspause gehen werden. Auf jeden Fall hat das Schiedsrichter-Team mit seinem Mut, sich der Öffentlichkeit zu stellen, trotz der Fehler eine Menge für das Ansehen der Schiedsrichter getan.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare