Pfiff der Woche: Warum Schiedsrichter Knut Kircher in der 8. Minute von Bremen auf den ominösen Punkt deutet

Die Legenden rund um den Strafstoß

„Cool bleiben“ – Schiedsrichter Knut Kircher beruhigt nach seinem Strafstoßpfiff die Nerven der etwas angespannten Werderaner Robin Dutt, Raphael Wolf und Sebastian Prödl.
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„Cool bleiben“ – Schiedsrichter Knut Kircher beruhigt nach seinem Strafstoßpfiff die Nerven der etwas angespannten Werderaner Robin Dutt, Raphael Wolf und Sebastian Prödl.

Bremen. Es gibt im Fußballsport Legenden. Zum Beispiel jene, dass es laut Regelwerk einen Unterschied gibt, ob ein Foulspiel innerhalb oder außerhalb des Strafraumes begangen wird.

Das ist falsch, die Regeln sind hier eindeutig: Alle Vergehen, die außerhalb des 16,50-Meter-Raumes einen direkten Freistoß zur Folge haben, führen innerhalb des Strafraumes zu einem Strafstoß, wenn ein Spieler der verteidigenden Mannschaft der Sünder ist. Insofern liegt Schiedsrichter Knut Kircher nach der Attacke von Prödl an Philipp beim 1:1 von Werder Bremen gegen den SC Freiburg richtig: Außerhalb wäre das Foul in der 8. Minute ein direkter Freistoß gewesen, innerhalb ist die Konsequenz die unmissverständliche Deutung des Referees auf die Strafstoßmarke.

Die entsprechende und überall auf der Welt in jeder Spielklasse geltende Norm steht in der wichtigen Fußball-Regel Nummer 12 („Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen“), die klar formuliert ist und keinerlei Auslegung oder Spielraum zulässt. Daher sind Aussagen wie „Das reicht nicht für einen Strafstoß“ mit Vorsicht zu genießen, denn sie unterlaufen den Geist des Regelwerks. Der Fußballsport will Tore sehen, keine Spezialisten im Toreverhindern. Genau deswegen werden Fouls ganz dicht vor dem Tor so hart bestraft – mit einem Strafstoß, der in den meisten Fällen zum Treffer führt.

Trotz der eindeutig definierten Normen im Regelwerk kommt es trotzdem an jedem Wochenende nach bestimmten Situationen im Strafraum zu Diskussionen, und das hat folgende vier Gründe. Erstens: Manche Zweikämpfe sind nicht „Schwarz“ oder „Weiß“, das heißt ein klares Foul oder nicht. Im Fußball gibt es diese Szenen, die im Graubereich liegen.

Zweitens: Der Schiedsrichter hat lediglich die Wahrnehmung des Bruchteils einer Sekunde, in welcher der Zweikampf abläuft. Dabei spielt die möglichst günstige Positionierung und Blickrichtung auf das Duell eine große Rolle. Die Wahrnehmung nach der achten Slow Motion hat der Unparteiische nicht – und eine solche „TV-Realität“ hat mit der Wirklichkeit auf dem Platz auch wenig zu tun.

Drittens: Bei einer so spielprägenden Entscheidung wie dem Strafstoß wird jeder Schiedsrichter, wie bei der Frage „Tor oder nicht Tor“, genau überlegen, ob er pfeift oder nicht. Und viertens: Natürlich passieren auch Wahrnehmungsfehler. Auch das gehört zum Fußball dazu.

Lobenswert ist es, dass Knut Kircher, der 45-jährige Maschinenbauingenieur aus Rottenburg bei Tübingen nach dem Schlusspfiff die 8. Minute von Bremen aus seiner Sicht mit verständlichen Worten den anfragenden Medienvertretern erläutert. Das schafft Akzeptanz für den erfahrenen Referee, der seit mittlerweile zwölf Jahren in der Bundesliga im Einsatz ist und acht Jahre lang zudem FIFA-Schiedsrichter war.

Auf dem Feld behält Knut Kircher trotz der nicht einfachen Anfangsphase der Partie, in der er zwischendurch auch mal die beiden etwas aufgeregteren Trainer Robin Dutt (Werder) und Christian Streich beruhigen muss, alles im Griff und kommt aufgrund seiner nachvollziehbaren Linie und sehr positiven Außenwirkung mit gerade mal einer späten Gelben Karte aus.

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