Freitagsspiel

Großes Vorbild Union - Mainz soll wieder "Stress machen"

Nach der Niederlage klatscht der Mainzer Interimstrainer Jan-Moritz Lichte (M) mit den Spielern ab. Foto: Andreas Gora/dpa
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Nach der Niederlage klatscht der Mainzer Interimstrainer Jan-Moritz Lichte (M) mit den Spielern ab. Foto: Andreas Gora/dpa

Mainz 05 hat höhere Ansprüche als Union Berlin. Ein bemerkenswerter Fußball-Abend im Osten der Hauptstadt verdeutlicht aber, dass die Realität eine andere ist. Während die Eisernen berauscht durch ihren Promi-Zugang den höchsten Liga-Sieg feiern, ist Mainz total am Boden.

Berlin (dpa) - Einen Typen wie Max Kruse könnte Jan-Moritz Lichte jetzt richtig gut gebrauchen. Ziemlich ratlos blickte der Mainzer Interimscoach nach der 0:4-Demontage bei Union Berlin drein.

Keine drei Dinge vermochte der 40-Jährige aufzuzählen, auf die es für sein Null-Punkte-Team nun in der Länderspielpause der Fußball-Bundesliga besonders ankommt. Es sind einfach viel mehr Baustellen, die er beackern muss, sofern er nach diesem kapitalen Fehlstart überhaupt länger Chefcoach bleiben darf. An der "Körperlichkeit" müsse man arbeiten, sagte er. Und: Seine Spieler müssten dem Gegner wieder "Stress machen" können. So wie eben Kruse bei Union.

Was der neue Anführer der Eisernen nach seinem Premierentor beim Startdebüt und dem höchsten Bundesliga-Sieg der Berliner zu sagen hatte, musste Lichte bitter aufstoßen. "Ich glaube, man hat schon gesehen, dass ich ein bisschen weiter bin als letzte Woche. Aber, dass das nicht 100 Prozent das ist, was ich spielen kann, ist auch klar", sagte der 32-Jährige. Für Mainz reichte am Vorabend des Einheitstages in Köpenick auch weniger als die volle Leistungskraft.

"Abhaken ist kein gutes Wort, aber wir müssen es so machen, einfach sehr, sehr viel arbeiten, uns einfach verbessern, um gegen Mannschaften wie gegen Union Berlin zu gewinnen. Wir müssen einfach besser sein als die", formulierte 05-Torwart Robin Zentner den eigenen Anspruch.

Im Stadion an der Alten Försterei wirkte das recht vermessen. Lichte selbst hat die Realitäten erkannt und erkor die Eisernen was Leistungsbereitschaft und Teamgedanke angeht zum Vorbild für seine ziemlich seelenlose Mannschaft. Last-Minute-Einkäufe schloss der Nachfolger des nach dem Führungschaos der letzten Wochen beurlaubten Achim Beierlorzer nicht aus. "Wenn wir die Chance sehen, uns verbessern zu können, unter unseren Bedingungen, werden wir das machen", sagte Lichte.

Die Unioner müssen über hektische Aktivitäten im Transfer-Endspurt nicht nachdenken. Was mit dem Kruse-Coup im August begann, hat mit der Leihe von Torwart Loris Karius und Stürmer Joel Pohjanpalo ein bemerkenswertes Ende gefunden. Elf Neue haben die Berliner insgesamt geholt und Trainer Urs Fischer hat plötzlich ein Überangebot an Startelf-Kandidaten. Ein Kampf um die Stammplätze könnte Union, das längst nicht mehr ausschließlich auf kämpferische Tugenden setzen muss, weiter Auftrieb geben.

Karius musste noch Andreas Luthe den Platz überlassen. Pohjanpalo kam nach einer Stunde für Kruse und brauchte für sein Premierentor keine Minute. Außer dem Duo trafen noch Marcus Ingvartsen und Marvin Friedrich. Die insgesamt sechs Saisontore wurden von sechs verschiedenen Spielern erzielt. Mit vier Punkten liegt Union total im Soll und recht wahrscheinlich in der Länderspielpause vor Lokalrivale Hertha BSC. Doch Kruse will persönlich mehr. "Das weiß ich auch selber, dass ich mich noch verbessern kann", sagte er. Für Mainz-Trainer Lichte dürften diese Worte noch eine Weile nachhallen.

© dpa-infocom, dpa:201003-99-807284/4

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