Pfiff der Woche extra: Die Medienanalyse des 24. Spieltages ist erneut spannend und entlarvend

„Körperverletzung! Von Guerrero!“

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Da gab es keine zwei Meinungen: Der Platzverweis von Schiedsrichter Peter Sippel gegen Guerrero war Dunkelrot.

Hamburg/Uelzen. Die Medienanalyse des 24. Spieltages der Fußball-Bundesliga, insbesondere der Partie HSV gegen VfB Stuttgart, ist erneut spannend und entlarvend: Welcher Reporter hat auch ohne Zeitlupe den Durchblick?

Wer benötigt bei kniffligen Szenen die Wiederholung? Wer braucht selbst bei klaren Sachverhalten noch die dritte Slow-Motion, um sicher zu sein? Und welcher Sportjournalist gibt diesen unfairen technischen Vorteil offen zu, wie beispielsweise Liga-Total-Kommentator Hansi Küpper in der vergangenen Woche?.

Klar, ZDF-Sportstudio und ARD-Sportschau haben nach dem Abpfiff viel Zeit für Rückblenden, um dann selbstbewusst über den Äther zu senden, dass das brutale Einsteigen von Guerrero nix anderes als Rot zur Folge haben durfte.

Ähnlich wertet es Sky in seinen Zusammenfassungen. Der passende O-Ton in der guten alten Sportschau: „Für solche Szenen ist die rote Karte erfunden worden.“ Pointiert auch Reporter Dirk Jacobs im Sportstudio: „54. Spielminute – der Tiefpunkt des heutigen Hamburger Auftritts.“

Keine andere Meinung gibt‘s beim Sonntags-Stammtisch von Sport1 mit Moderator Jörg Wontorra, wo Dortmunds Meistertrainer Jürgen Klopp offen und ehrlich bekannte, dass er – wie viele andere auch – gar nicht gedacht hätte, hier Paolo Guerreos allererste rote Karte gesehen zu haben – in Kenntnis des Temperaments des Peruaners und eines unrühmlichen Flaschenwurfs, der hier nicht weiter thematisiert werden soll. Aber wir wollen mal annehmen, dass die Damen und Herren in ARD, ZDF, Sky und Sport1 sicherlich auch ohne Zeitlupe sofort für Rot plädiert hätten.

Anders, und das eindeutig, Edgar Mielke während seiner Liga-Total-Live-Reportage: „Guerrero setzt nach – Ulreich ist da.“ Und in dem Moment passiert das glasklare brutale Treten, das nun wirklich jeder Einäugige ohne Zeitlupe erkennt. Aber der Reporter meint nur, etwas überrascht: „Und jetzt wird’s hektisch, jetzt bin ich mal gespannt – jetzt gibt’s Rot!“ Warum? Das weiß jeder Zuschauer schon nach den Live-Bildern. Mielke, der nichts gesehen zu haben scheint, kündigt indes für die Fernsehzuschauer an: „Und auch da bekommen wir natürlich, das sind Sie bei uns bei Liga-Total ja so gewohnt, gleich die Auflösung.“ Die braucht bei dieser Szene allerdings niemand sonst.

Mit folgendem Satz outet sich Mielke endgültig: „Dahinten, an der Eckfahne, gegen den Torwart so hinzugehen – in der Theorie schon mal grenzwertig.“ Nee, nee, hier ist nix grenzwertig, hier gibt’s keine „Theorie“, was auch immer das sein soll – das Foul von Guerrero ist Rot, und ohne Zeitlupe zu sehen.

Es dauert bis zur ersten, verlangsamten Rückblende, bis Mielke aus sich herauskommt und unüberhörbar verkündet: „Das ist dunkelstes Rot! Dunkler, als die Hose, die er anhat!“ Das zumindest ist richtig. Und plötzlich leugnet Reporter Mielke gar die eben bemühte Zeitlupe und greift dem Sportrichter vor: „Und auch ohne Zeitlupe könnten da mal schnell acht Wochen bei rauskommen.“

Nach der zweiten, ebenfalls verlangsamten Zeitlupe, wird Edgar Mielke in seiner Live-Reportage noch emotionaler und wagt einen Schlenker ins Strafrecht: „Hier: Körperverletzung! Von Paolo Guerrero!“ Ob der Reporter Paolo Guerrero angezeigt hat, bleibt offen.

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