Mächtig Stress im Präsidium

HSV-Machtkampf: Wilder Zoff um Jansen & Co – es drohen Anzeigen

Sportlich läuft‘s beim HSV in der Zweiten Liga gut, hinter den Kulissen kracht‘s aber kräftig. Sogar die Staatsanwaltschaft könnte schon bald mitmischen.

  • Sportlich läuft es beim HSV*, dafür geht es hinter den Kulissen drunter und drüber.
  • Streit zwischen Präsident Marcell Jansen und Stellvertreter Thomas Schulz im Mittelpunkt.
  • Gerüchte um eine mögliche Rückkehr von Ex-Vorstandschef Bernd Hoffmann.

Hamburg – Es könnte alles so schön einfach sein. Eigentlich. Ist es aber nicht. Der Hamburger SV* steht in der Tabelle der Zweiten Liga zwar oben und kann von der Rückkehr in die Bundesliga träumen. Alles eitel Sonnenschein also. Zumindest sportlich. Abseits des Platzes aber zeichnet sich ab, dass die „Rothosen“ direkt auf ein riesiges Chaos zusteuern. Mal wieder ist man geneigt zu sagen. Hinter den Kulissen jedenfalls hat sich ein irrer Zoff um Präsidium und Aufsichtsrat hochgeschaukelt, bei dem ein Detail sogar die Staatsanwaltschaft Hamburg auf den Plan rufen dürfte.

Fußballverein:Hamburger SV
Gegründet:29. September 1887
Stadion:Volksparkstadion
Kapazität:57.000
Ligazugehörigkeit:2. Fußball-Bundesliga
Cheftrainer:Daniel Thioune

HSV: Passend zum Treffen des Präsidiums gibt es die nächste Eskalation

Doch der Reihe nach. Aber wo will man da überhaupt beginnen? Beim aktuellsten Punkt vielleicht. Am 13. Januar traf das Präsidium des Vereins zusammen, um sich nach Streitigkeiten, die an anderer Stelle in diesem Text ihren Platz finden sollen, zusammen, um sich zu beraten. Doch schon zuvor gab‘s eine neue Eskalation: Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, verschickte ein HSV-Fan eine Mail, die zeitgleich an Medien, Mitglieder und einen nicht geringen Teil der aktiven Fan-Szene verschickt wurde.

Der Inhalt: Der Fan, der die Mail mit dem Namen Kevin Schmitz unterzeichnete, stellte eine Frage in den Raum: „Vertritt Marcell Jansen* noch die Interessen der Mitglieder und des HSV e.V. oder nur das Interesse von Klaus-Michael Kühne?“ So weit, so gut. Und bis dahin auch nichts Verwerfliches. Wenn, ja wenn der HSV-Anhänger in seiner Mail nicht die E-Mail-Adressen aller Beiratsmitglieder des HSV veröffentlicht hätte und dazu aufforderte, diejenigen anzuschreiben und „Fassungslosigkeit und Entsetzen“ zum Ausdruck zu bringen.

Schlechte Miene zum bösen Spiel: HSV-Präsident Marcell Jansen steht im Mittelpunkt von Machtkämpfen beim Zweitligisten. (24hamburg.de-Montage)

HSV: E-Mail-Nachricht eines Fans könnte zum Fall für die Staatsanwaltschaft werden

Die Mail endet damit, dass der Verfasse erklärt, die aktuellen Zwistigkeiten im Vereins seien kein Putsch-Versuch von Thomas Schulz und Moritz Schaefer, den beiden Vizepräsidenten hinter „Präsi“ Marcell Jansen, sondern vielmehr ein Putsch von Jansen, Finanzchef Frank Wettstein und Investor Klaus-Michael Kühne „mithilfe des Beirats gegenüber uns – unserem HSV!“ Aufgrund der Tatsache, dass ihre privaten Mail-Adressen veröffentlich wurden, wollen nun Mitglieder des Beirats Anzeige wegen des mutmaßlichen Verstoßes gegen die Datenschutz-Verordnung erstatten.

Es ist das vorerst letzte Kapitel eines seit Monaten schwelenden Streits hinter den Kulissen des Traditionsclubs aus dem Volksparkstadion*, in dem es um verletzte Eitelkeiten, nicht verstandene Rücktritte, die künftige Besetzung von Posten, Misstrauen und irgendwie auch um die Ausrichtung des HSV im Großen und Ganzen geht. Im Mittelpunkt stehen dabei Präsident Marcell Jansen und sein Stellvertreter Thomas Schulz.

HSV: Präsident Marcell Jansen und sein Stellvertreter Thomas Schulz liegen über Kreuz

Die beiden sollen inzwischen soweit über Kreuz liegen, dass eine vernünftige weitere Zusammenarbeit der beiden als fast unmöglich gilt. Jansen, neben seinem Präsidenten-Amt auch Aufsichtsratsvorsitzender, nimmt Schulz noch immer übel, dass dieser nach der Entlassung von Ex-HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann* aus dem Aufsichtsrat zurücktrat. „Das kann ich bis heute nicht verstehen. Für mich ist es inakzeptabel“, wird Jansen in der Hamburger Morgenpost zitiert.

Der Vorwurf des Ex-Nationalspielers: Schulz habe dem Club durch „seinen personenbezogenen Austritt aus dem Aufsichtsrat und damit auch aus dem Finanzausschuss ohne Rücksicht auf die Verantwortung für die Mitgliedschaft, in der schwierigsten Zeit der Vereinsgeschichte“ geschadet, so Jansen. Ein freiwilliger Rücktritt von Schulz gilt laut der, wie es so schön heißt, gut unterrichteten Kreise als ausgeschlossen. Auch Jansen wird sicher nicht freimütig klein bei geben.

HSV: Auf der Mitgliederversammlung könnte es zu einem echten Showdown kommen

Das wiederum bedeutet, dass es beim HSV möglicherweise auf der für März angedachten Mitgliederversammlung richtig wild zugehen könnte. Im Umfeld des Vereins ist hinter der berühmten vorgehaltenen Hand wohl bereits von Misstrauens- und Abwahlanträgen sowohl gegen Schulz, Jansen als auch das komplette Präsidium die Rede. Dann, so die Mopo, könnten die Mitglieder per einfacher Mehrheit ein neues Präsidium wählen, was eigentlich erst für Anfang 2022 vorgesehen ist.

Sollte Jansen als Präsident abgewählt werden, sei, so hört man, davon auszugehen dass er auch seinen Aufsichtsrats-Sitz frei machen würde. Apropos Aufsichtsrat: Das Präsidium muss Ende Januar auch noch darüber entscheiden, ob es Ex-Bankier Hans-Walter Peters und die Adidas-Kontrolleurin Kathrin Menges für zwei neu zu besetzende Posten in diesem Gremium vorschlagen will. Auch hier hatte es in der Vergangenheit bei der Findung geeigneter Kandidaten Stress im Verein gegeben.

HSV: Arbeitet der ehemalige Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann an einer Rückkehr?

Und dann wäre da noch ein Gerücht, das jüngst die Mopo in den Raum warf: Kehrt am Ende des Mega-Zoffs vielleicht sogar Bernd Hoffmann zurück? Der Ex-Vorstandschef, der pikanterweise auch mit einer Pro-Stimme von Jansen, einst aus dem Amt „entfernt“ wurde, soll im stillen Kämmerlein versuchen, insbesondere im Aufsichtsrat Mehrheiten aufzubauen, um wieder beim HSV einsteigen zu können. Pikant: Jansens „Vize“ Thomas Schulz gilt als Intimus Hoffmanns. Auch Moritz Schaefer arbeitete mit Hoffmann im Präsidium zusammen. Und auch, wenn Hoffmann sich bislang nicht dazu äußern will: Es scheint so, als sei das letzte Kapitel im HSV-Chaos 2021 noch nicht geschrieben... * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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