High-Tech schützt Beine von Ribéry, Cannavaro & Co.

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Der italienische Fußballnationalspieler Fabio Cannavaro (l) präsentiert neben vom ehemaligen Ferrari-Mann Enrico Campari aus Parma seine Schienbeinschützer

Pretoria - Individuell gestaltete Schienbeinschoner sind jetzt der letzte Schrei bei der Fußball-WM. Ein findiger Italiener stattet die Fußballer in Südafrika mit bunt bemalten High-Tech-Schoner aus, die wahre Kunstwerke sind.

Lionel Messi hat sie, Franck Ribéry und einige DFB-Kicker tragen sie und sogar Formel 1-Rekordweltmeister Michael Schumacher bekam vom ehemaligen Ferrari-Mann Enrico Campari welche geschenkt. Eigentlich sollen die Schienbeinschoner nur die wertvollen Beine der Fußballstars schützen, bei der WM in Südafrika aber sind sie wahre Kunstwerke geworden. Die von einem Ferrari-Tüftler entwickelten Schienbeinprotektoren werden immer teurer, bunter und individueller. Die bis zu 3000 Euro teuren Schoner zieren Leoparden, Herzchen, Spitznamen, Nationalflaggen, Comics und sogar Bibelsprüche.

Diese Schützer trägt Fabio Cannavaro

Argentiniens Stürmerstar Messi benutzt sie in den Farben der Nationalflagge mit einem “Leo“-Schriftzug, Italiens Kapitän Fabio Cannavaro in azurblau mit den Namen seiner drei Kinder. Seine “historischen Schützer“, denen er schon beim Gewinn der WM-Finals 2006 in Berlin vertraute, sind sogar im italienischen Fußballmuseum in Coverciano zu bewundern. Auch die deutschen Nationalspieler Marcell Jansen, Jerome Boateng, Dennis Aogo und Piotr Trochowski haben nach Angaben des italienischen Herstellers die besonderen Schienbeinschoner. Kameruns Ausnahmestürmer Eto'o ließ seine sogar mit einem Glaubensbekenntnis schmücken: “Gott ist meine Zuflucht“ steht auf seinen in den Nationalfarben Kameruns gehaltenen Schützern.

Der italienische Fußballnationalspieler Fabio Cannavaro (l) präsentiert neben vom ehemaligen Ferrari-Mann Enrico Campari aus Parma seine Schienbeinschützer

Die edlen Kunstwerke stammen aus der Werkstatt von Enrico Campari. Der 43-jährige Italiener hat sich auf Maßanfertigungen für die besten Kicker der Welt spezialisiert. “Meine Produkte sollen die Ferraris unter den Schienbeinschonern sein“, sagt der passionierte Formel 1- Fan der Nachrichtenagentur dpa. “Von 1989 bis 1993 habe ich bei Ferrari gearbeitet“, erzählt der Tüftler, der Italiens Edelrennwagenschmiede heute als selbstständiger Unternehmer beliefert.

Bei der “Scuderia“ habe er gelernt, mit modernen Kunststoffen umzugehen und sie zum Schutz der Fußballerbeine einzusetzen. “Selbstverständlich habe ich Michael Schumacher sofort ein paar Schienbeinschoner geschenkt, als er 1996 zu Ferrari kam“, verriet Campari. Der Formel 1-Rekordweltmeister ist leidenschaftlicher Fußballer.

Neben der gesamten italienischen Nationalmannschaft stattet der findige Signore aus Parma 76 weitere Top-Fußballer aus 21 WM-Teams aus. Darunter Messis Teamkollegen Diego Milito, den Slowaken Marek Hamsik, Gilberto Silva aus Brasilien, die Engländer Steven Gerrard, Frank Lampard und Bayern Münchens französischen Mittelfeldstar Franck Ribéry.

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Die meisten DFB-Spieler tragen Schienbein-Schoner von der Stange. Camparis Schützer dagegen sind die Haute Couture - “schön, funktional und von kompromisslos höchster Qualität“, wie Campari betont. Neben Karbon und Kevlar verarbeite er in seiner kleinen Manufaktur zusammen mittlerweile sogar Zylon. Dies sei eine extrem leichte, aber teure Kunstfaser, die in der Formel 1 zum Schutz der Benzintanks in den Boliden eingesetzt werde, erklärt Campari.

Italiens Mittelfeldspieler Gennaro Gattuso greift auf diese Schützer aus Zylon zurück, die stolze 3000 Euro pro Paar kosten. Camparis günstigste Schützer, die es auch im Handel gibt, liegen bei 150 Euro, kämen den Weltklasskickern aber niemals auf die Schienbeine. Den Profis werden die Schoner passgenau ans Bein maßgeschneidert. Und das kostet.

Das individuelle Design ist nur noch Zugabe und trägt der Eitelkeit der Kicker Rechnung. Manchmal muss Campari sicher selbst über die Wünsche seiner reichen Kundschaft schmunzeln. Der Japaner Keji Tamada wollte einen Comic auf seine Schützer. Italiens Mittelfeldspieler Daniele De Rossi ließ sich “Captain Future“ darauf schreiben und Teamkollege Giampaolo Pazzini seinen Spitznamen “Pazzo“ - “Verrückter“.

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