Das hochspannende Südderby zwischen Stuttgart und Bayern zeigte einmal mehr, warum der Fußballsport so attraktiv ist

Heikle Szenen, verwirrter Reporter, coole Referees

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War regeltechnisch nicht ganz auf der Höhe: Sky-Kommentator Marcel Reif.

Stuttgart/München. Knifflige Szenen für den Sportwissenschaftler von Hertha 03 Zehlendorf in Berlin: Im spannenden, umkämpften und phasenweise hektischen Südderby am Mittwochabend zwischen dem VfB Stuttgart und Bayern München (1:2) hat FIFA-Referee Manuel Gräfe alle Hände voll zu tun.

Er benötigt neben seiner Routine aus zehn Jahren Bundesliga und sieben in der FIFA all seine Autorität und immerhin acht Gelbe Karten, damit die Partie nicht überkocht.

Blieb auch in den hektischen Szenen cool: Schiedsrichter Manuel Gräfe.

Gleich in der 12. Minute will Sky-Kommentator Marcel Reif ein strafstoßwürdiges Handspiel von Bayern-Verteidiger Rafinha im Münchener Strafraum gesehen haben. Stuttgarts Timo Werner köpft zwar den linken Arm des Brasilianers an, aber von Absicht kann hier überhaupt nicht die Rede sein. Rafinha hält den Arm normal, eine aktive und absichtliche Bewegung Richtung Leder gibt es nicht. Unabsichtlich also, das Spiel läuft weiter – richtig entschieden.

Klärte die Sky-Sportredaktion auf: DFL-Referee-Experte Hellmut Krug.

Gut, dass der ehemalige FIFA-Schiedsrichter und DFL-Regelexperte Hellmut Krug Kontakt zur Sky-Redaktion aufnimmt und über das unabsichtliche Handspiel aufklärt. Und gut, dass später in der ARD-Sportschau der gewohnt faire und kenntnisreiche Kommentator Tom Bartels die Situation korrekt erläutert.

Entschied vor dem 1:0 im Zweifel für den Stürmer: Assistent Guido Kleve.

Unmittelbar vor dem 1:0 des VfB in der 29. Minute durch Vedad Ibisevic steht Passgeber und Mitspieler Mohammed Abdellaoue beim Doppelpass mit dem späteren Torschützen möglicherweise knapp im strafbaren Abseits. Schwierig zu sehen für FIFA-Assistent Guido Kleve aus Nordhorn, da sich in diesem Moment an der Strafraumgrenze gleich vier Stuttgarter haarscharf im Abseits oder gerade noch nicht tummeln.

Kommentator Marcel Reif verliert in dieser Szene trotz Rückblende und Standbild vollends den Überblick, wähnt Ibisevic im Abseits, obwohl der Stuttgarter nun weit und breit nicht gegen die Regel Nummer 11 verstößt. Soweit zur Aussagekraft von Zeitlupen – und die Verwirrung des Reporters belegt, wie eng die Situation ist.

Es riecht zwar nach strafbarem Abseits – allerdings ist anhand der vorliegenden Bilder nicht endgültig zu beweisen, ob im entscheidenden Moment des Zuspiels auf Abdellaoue Bayern-Verteidiger David Alaba nicht doch noch die strafbare Abseitssituation aufhebt.

War regeltechnisch total auf der Höhe: ARD-Kommentator Tom Bartels.

Schade, dass dem übertragenden Sender Sky dieser wichtige Augenblick entgeht und die Verantwortlichen für die gnadenlosen Slow Motions die Bilder zu früh stoppen. Und auch in der ARD-Sportschau sieht das kurze Standbild deutlicher aus, als die Szene in Wirklichkeit ist. Insofern: Kein Vorwurf an Guido Kleve – im Zweifel für den Stürmer, der Fußball lebt von Toren.

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