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Gefühlter Klassenverbleib: Freiburg wie befreit

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Julian Schuster kühlt sich nach heißem Gefecht ab
Julian Schuster kühlt sich nach heißem Gefecht ab © dpa

Freiburg - Nach dem überraschenden Sieg gegen den Noch-Meister VfL Wolfsburg feiert der SC Freiburg den gefühlten Klassenerhalt. Beim Gegner herrscht die pure Ernüchterung.

Die Freiburger Fans sangen und tanzten an diesem herrlichen Frühlingsabend im Badenova-Stadion, und am Spielfeldrand verschwand Robin Dutt in einer Traube jubelnder Spieler und Betreuer. Der 1:0 (1:0)-Sieg gegen den VfL Wolfsburg war für die Anhänger des Sportclubs der gefühlte Klassenverbleib in der Fußball- Bundesliga. “Das war ein Big Point. Jetzt haben wir es selbst in der Hand. Das wollen und werden wir uns nicht mehr nehmen lassen“, versprach Abwehrspieler Felix Bastians vor den beiden letzten Saisonspielen beim 1. FC Köln und gegen Borussia Dortmund.

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Die Stimmung unter den 22 700 Zuschauern erinnerte an die Aufstiegsfeier im vergangenen Jahr. Mit dem Heimsieg gegen den 1. FC Nürnberg vergangene Woche und dem Coup gegen den Meister legten die Breisgauer einen bemerkenswerten Endspurt hin und dürfen wohl für ein weiteres Jahr im Oberhaus planen. “Wir müssen versuchen, in Köln zu gewinnen, um alles klar zu machen“, forderte Cedrick Makiadi, der mit seinem Tor in der 38. Minute gegen seinen Ex-Club der Matchwinner war.

Dutt wollte von einer Entscheidung im Abstiegskampf noch nichts wissen. Mit 31 Punkten haben sich die Freiburger auf Rang 14 aber schon von Nürnberg und dem VfL Bochum (jeweils 28) etwas abgesetzt. “Wir sind froh über die drei Punkte“, sagte der 45-Jährige. “Aber wir haben noch zwei ganz schwere Aufgaben vor uns. Köln ist nur dann ein Endspiel, wenn uns die anderen in die Karten spielen. Und nicht auszudenken, was am letzten Spieltag hier los ist, wenn es für uns und Dortmund noch um was geht.“

Um nichts mehr geht es jetzt für die Wolfsburger, die ihre letzte theoretische Chance auf eine Teilnahme an der Europa League kläglich vergaben. In der ersten Halbzeit sah der entthronte Titelträger kein Land, weil sich der Sportclub das Motto des Stadionmagazins zu Herzen nahm: “Rudel bilden gegen die Wölfe.“ Der Aufsteiger, lobte später auch VfL-Coach Lorenz-Günther Köstner, habe “alles, alles, aber auch alles“ in die Waagschale geworfen. Dutt meinte lächelnd: “Ich habe heute 15 bärenstarke Freiburger gesehen. 14 hatten das Freiburger Trikot an“. Mit dem 15. meinte er den Ex-Sportclub-Profi Sascha Riether, der immer noch die Freiburger Fußballschule unterstützt.

Die SC-Hintermannschaft hatte sogar das gefürchtete Sturmduo Grafite/Edin Dzeko fast immer im Griff. Der Brasilianer ballerte nach einer guten Stunde aus aussichtsreicher Position übers Tor. Dzeko, der in der Bundesliga-Torschützenliste mit 20 Treffern hinter Leverkusens Stefan Kießling (21) zurückgefallen ist, schoss in der 76. Minute das erste Mal aufs Tor.

Die Enttäuschung nach der verpassten Europapokal-Teilnahme hielt sich bei Wolfsburgs Verantwortlichen in Grenzen. “Ich bin ja Berufsoptimist“, meinte Manager Dieter Hoeneß, “aber nach den Ergebnissen vom Samstag war das schon in sehr weite Ferne gerückt.“ Einen Kontakt mit Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder, der bei Real Madrid keine Karten mehr hat, bestritt Hoeneß. Für Köstner, der zum Saisonende seinen Stuhl wieder räumen muss, hat die Mannschaft nach dem Ausscheiden aus der Europa League “eine gute Reaktion gezeigt“. Jetzt ist der Club wieder da angekommen, wo er eigentlich nicht mehr hinwollte: Im grauen Mittelfeld.

dpa

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