Heftige Kritik

 „Arroganz von Löw war hanebüchen“: Ex-1860-Trainer freut sich über frühes WM-Aus

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Mesut Özil und Joachim Löw. 

Ein ehemaliger Trainer vom TSV 1860 München hat sich bei einem TV-Talk in Rage geredet und Joachim Löw sowie die Spieler heftig kritisiert. 

Hamburg - Ewald Lienen ist ein Freund der offenen Worte. Gnadenlos rechnet er mit der den deutschen WM-Fußballern ab und nennt sie arrogant. Er habe sogar auf das frühe Aus gehofft. 

Lienen hat nun mit einigem Abstand mit den Verantwortlichen des deutschen Fußballs für das Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft in Russland gnadenlos abgerechnet. „Die Arroganz, die Jogi Löw und die Nationalspieler an den Tag gelegt haben, war hanebüchen. Ich bin froh, dass sie früh ausgeschieden sind, weil das Gesamtkunstwerk erbärmlich war“, sagte der ehemalige Bundesliga-Profi und heutige Technische Direktor des Zweitligisten FC St. Pauli am Donnerstag bei einem Talk des TV-Senders Sky in Hamburg.

Einmal in Rage, echauffierte sich der 64-Jährige weiter. „Ich habe das frühe Aus nicht nur erwartet, ich habe es erhofft. Schon nach der Gruppenauslosung ist das DFB-Team in absolute Arroganz verfallen“.

Ewald Lienen im Jahr 2016.

Dass eine kleine Fußball-Nation wie der spätere Vizeweltmeister Kroatien statt der Deutschen bis ins Endspiel gegen Frankreich kommen konnte, macht das einstige Offensiv-Ass fassungslos. „Wir in Deutschland haben so viele gute Spieler wie die Kroaten Einwohner“, erklärte der ehemalige St.-Pauli-Coach seinen kritischen Standpunkt.

Ewald Lienen: „Es geht nur noch darum, mit 30 Jahren Bundesliga-Trainer zu werden“

Die Fehlentwicklung beginne bereits im Nachwuchs. Dort seien seit Jahren falsche Schwerpunkte gesetzt worden. „Es geht nur noch darum, mit 30 Jahren Bundesliga-Trainer zu werden“, monierte Lienen die falsche Orientierung der heutigen Nachwuchstrainer-Generation. Der erfahrene Fußballlehrer sieht die heutigen Ausbilder auf der falschen Bahn. „Gute Nachwuchstrainer sind die, die die Mannschaften zehn bis 15 Jahre trainieren. Jugendtrainer ist ein Sozialjob.“ Heute hätten Talente am Endes des Ausbildungstages keinen Bock mehr, da sie nur hin- und hergerannt seien: „Das ist der Tod unserer Ausbildung.“

Ewald Lienen trainierte unter anderem den TSV 1860 München. Vom 13. Mai 2009 bis zum 17. Juni 2010 war er Trainer bei den Münchner Löwen. In Deutschland war er ebenso für Borussia Mönchengladbach, Hannover 96, MSV Duisburg, Hansa Rostock, 1. FC Köln, Arminia Bielefeld und FC St. Pauli an der Seitenlinie tätig. Er war außerdem in Spanien (auch als Co-Trainer von Jupp Heynckes bei CD Teneriffa), Griechenland und Rumänien als Übungsleiter unterwegs.  

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Unterstützt wurde Lienen von St. Paulis Geschäftsführer Uwe Stöver: „Nach dem WM-Titelgewinn 2014 haben wir die Symptome gezeigt, die wir immer nach Erfolgen zeigen.“ Er riet, sich am Fußball-Mutterland England ein Beispiel zu nehmen, das „brutal aufgeholt“ habe. Die Engländer seien im Nachwuchsbereich inzwischen „absolut führend“.

HSV-Sportvorstand Ralf Becker wollte das WM-Aus nicht so kritisch beurteilen. Er verwies auf die souveräne WM-Qualifikation. „Man sollte jetzt nicht den ganzen deutschen Fußball in die Tonne hauen“, meinte Becker. Das erstmalige Vorrunden-Aus einer deutschen Nationalmannschaft wollte er dann aber doch nicht schönreden. „Es war eine Scheiß-WM, aus der man die richtigen Schlüsse ziehen muss.“

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Löw-Berater zu Özil:

Nun äußerte sich Löws-Berater Arslan in der Bild über Özils Twitter-Gewitter: „Auch wenn Mesut ein zurückhaltender Mensch ist - glauben Sie wirklich, dass ein Weltstar wie er, der sich von seinem Vater losgesagt hat, alles diktieren lässt?“ Er sei sich „zu 100 Prozent sicher“, dass Özil diese Erklärung auch wollte. Für Arslan ist die Abrechnung eine „Explosion der Gefühle“.

Am 24. August 2018 veröffentlichte der "Spiegel" einen Bericht mit zahlreichen Enthüllungen - unter anderem einer Grüppchenbildung im DFB-Team und Zinedine Zidane als möglichem Löw-Nachfolger.

dpa mit ank

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