Die schönste Szene des 25. Spieltages passiert im allerletzten Spiel während des Klassikers gegen Bayern

Das Fairplay von Mönchengladbach

Jonas Hofmann (links) und Bayerns Thiago im Duell. FIFA-Referee Tobias Stieler aus Hamburg (kleines Bild) ist einer der Hauptdarsteller in der 65. Minute von Mönchengladbach. Fotos: dpa / picture alliance
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Jonas Hofmann (links) und Bayerns Thiago im Duell. 

Mönchengladbach. Fairplay wird im Rugby hochgehalten, im Basketball, im Tennis, im Hockey, im… in etlichen Sportarten. Der Fußball hat hier noch erheblichen Nachholbedarf.

Umso schöner ist es, das dieser ereignisreiche 25. Spieltag der Bundesliga in seinem letzten Spiel am Sonntagabend, dem ansehnlichen Klassiker zwischen Gladbach und den Bayern (0:1), mit einer wunderbaren Fairplay-Szene endet, die Mut macht für die Zukunft. Zudem ist die Situation, in denen FIFA-Referee Tobias Stieler (Hamburg), Bayerns Thiago und, vor allem, Gladbachs Jonas Hofmann die Hauptrollen spielen, eine für Regelfuchs-Liebhaber eine ganze feine Szene. Auf geht’s in die Analyse.

FIFA-Referee Tobias Stieler aus Hamburg ist einer der Hauptdarsteller in der 65. Minute von Mönchengladbach. 

65. Minute, Zweikampf zwischen Gladbachs Jonas Hofmann und Bayerns Thiago-oder-nix in der Nähe des Münchener Strafraums. Hofmann geht zu Boden, Schiedsrichter Stieler, 36-jähriger Jurist, pfeift das Einsteigen des Bayern-Akteurs als mutmaßlich fahrlässig ab und will folgerichtig auf direkten Freistoß für die Fohlen entscheiden – dies alles in aussichtsreicher Position zum womöglichen Ausgleich für den Serienmeister aus den 1970er Jahren.

Was indes in realer Geschwindigkeit kaum zu erkennen ist: Thiago trifft seinen Gegenspieler Hofmann nicht – und regt sich daher unübersehbar auf. Der normale Ablauf wäre nun wie folgt gewesen: Tobias Stieler, seit 2012 Bundesliga-Schiedsrichter und seit 2014 zudem international im Einsatz, bleibt bei seiner Entscheidung, gibt direkten Freistoß – und womöglich noch den gelben Karton für Thiagos Meckereien. Aber der Vorgang läuft nicht normal: Jonas Hofmann und der Unparteiische kommunizieren, Hofmann erklärt dabei, dass er nicht gefoult worden sei, aber auch keine Schwalbe machen wollte (er ist in dem Duell zu Boden gegangen). Der 25. Spieltag hat damit eine Geste des Fairplays, die Schule machen sollte.

Aber Referee Stieler hat doch schon auf direkten Freistoß entschieden? Macht nix. Solange das Spiel noch nicht fortgesetzt ist, hat der Unparteiische die Möglichkeit, eine Entscheidung zu korrigieren. In Gladbach gibt es als Spielfortsetzung daher den Schiedsrichter-Ball, denn: Jeder Pfiff unterbricht das Spiel, aber es lag kein Vergehen vor, also kann es keinen Freistoß geben. Da es aber irgendwie weitergehen muss, sehen die Regeln diese besondere Fortsetzung vor, in welcher der Schiedsrichter das Leder mit der Hand auf den Boden fallen lässt.

Von Marco Haase

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