Fußballer schildern Eindrücke

„Wie in einem Horrorfilm“: Ex-Bundesliga-Profi über Zustand in Italien - „Ein bisschen auf die leichte Schulter genommen“

Robin Gosens spielt in der Serie A. Die Zustände in Italien machen dem Profi von Atalanta Bergamo schwer zu schaffen. Auch Igli Tate berichtet schreckliches.

  • Das Coronavirus hat den Spitzensport inzwischen fest im Griff.
  • Der italienische Fußball ist besonders betroffen.
  • Der deutsche Shooting-Star Robin Gosens spielt bei Bergamo - und ist erschüttert von der Lage in Italien.

Update vom 30. März: Igli Tare, Sportdirektor von Lazio Rom und ehemaliger Bundesliga-Stürmer, bezeichnete die Lage durch die Coronavirus-Pandemie in Italien als „extrem schlimm“. Tare, seit 2009 Sportdirektor in der italienischen Hauptstadt, sagte im Interview bei Sport1: „Ich komme mir vor wie in einem Horrorfilm.“ 

Am Anfang habe man alles „noch ein bisschen auf die leichte Schulter genommen“, so der Alabaner: „Mittlerweile sprechen wir nicht mehr über eine Situation, sondern über einen Krieg. Wenn man seit Wochen die LKWs des Militär vorbeifahren sieht, wie die Särge mit den Toten abtransportiert werden, ist man nur noch geschockt und sprachlos. Und die Zahlen, die täglich hinzukommen, sind erschreckend. Es ist eine Katastrophe für das ganze Land.“ Italien ist in Europa das Land mit den meisten Corona-Fällen.

Coronavirus: Robin Gosens erschüttert von dramatischen Zuständen in Italien

Robin Gosens beim Champions-League-Geisterspiel in Valencia.

Update vom 22. März: Robin Gosens hat sich erschüttert von der dramatischen Lage in Italien wegen des Coronavirus gezeigt. "Die Bilder sprechen für sich. Es ist an Traurigkeit nicht zu überbieten, was bei uns gerade passiert", sagte der 25-Jährige in einer Videoschalte im Aktuellen Sportstudio des ZDF.

Der Profi von Atalanta Bergamo befindet sich mit seiner Freundin in Quarantäne und würde gerne helfen. Doch das sei „leider nicht möglich. "Wir müssen auf die Mediziner, auf die Experten vertrauen, die einen Wahnsinnsjob machen“, sagte Gosens.

Die heftigen Zustände sollten eine Warnung für den Rest der Welt sein. "Ich hoffe, ich bete, dass wir ein schreckliches Vorbild für alle anderen Länder sein dürfen", sagte der Außenbahnspieler, der zugab, die Lage am Anfang unterschätzt zu haben. In Spanien starb nun Real Madrids Ex-Präsident Lorenzo Sanz an den Folgen des Coronavirus.

Coronavirus: Deutsche Serie-A-Stars berichten aus Italien - „Land in einer Schock-Starre“

Update vom 16. März: Der deutsche Profi Jeremy Toljan hat die derzeitige Situation aufgrund der Corona-Krise in Italien als „bedrohlich“ eingeschätzt. „Das Land ist in einer Schock-Starre. Ich sehe es bei meinen Teamgefährten, die sich nicht einmal trauen, ihre älteren Familienangehörigen zu besuchen“, sagte der 25-Jährige, der für US Sassuolo Calcio in der Serie A kickt, im Sky-Interview.

Im Moment sei ihm aufgrund der Ausgangssperre in Italien das Training im Freien verboten. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Der Verein wartet, was die Liga entscheidet“, sagte Toljan, der in der Bundesliga für die TSG Hoffenheim und Borussia Dortmund spielte. 

Vieles laufe derzeit auf Geisterspiele hinaus, um die Saison doch noch irgendwie über die Runden zu bringen. „Aber was passiert, wenn ein Spieler in der laufenden Saison einen anderen ansteckt und wieder alle Spiele abgesagt werden müssen?“, fragt sich Toljan und begrüßt eine Verschiebung der EM. Nach dem zweiten Corona-Fall in der Bundesliga wird nun ein ganzer Verein unter Quarantäne gestellt.

Update vom 15. März: Ausnahmezustand in Italien: Das Coronavirus zwingt die Menschen, in ihren Häusern zu bleiben. Der normale Alltag ist vollkommen ausgesetzt, auch an Fußball ist nicht zu denken. Immerhin: Die Menschen verbreiten gute Laune, wie dieses Video beweist*.

Robin Gosens ist ganz nah dran am Geschehen. Er spielt und lebt in Bergamo. Wobei das mit dem Spielen und Trainieren ja aktuell so eine Sache ist. Seit Donnerstag darf der 25-jährige aus Nordrhein-Westfalen sein Haus nicht mehr verlassen. 

Robin Gosens: Leben in der Geisterstadt - Bergamo wegen Coronavirus im Stillstand

Nur noch für Einkäufe „mit Schutzmasken und Handschuhen“ dürfe er im Zuge der drastischen Maßnahmen in der schwer betroffenen Region in Norditalien vor die Tür gehen. „Bergamo ist eigentlich eine belebte Stadt. Wenn man das Haus verlässt, sieht man gar keinen. Wir leben aktuell in einer Geisterstadt. Es ist sehr, sehr krass“, sagte Gosens, der am Samstag im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF zugeschaltet war.

Er wisse momentan nicht, wie es weitergehe. „Wenn wir am 3. April wieder anfangen sollten, haben wir fünf Nachholspiele plus die Champions League.“ Wie geht es mit sämtlichen Fußball-Wettbewerben weiter*? Auch die EM 2020 im Sommer ist stark gefährdet, nun soll es aber einen Master-Plan geben*.

Mit Blick auf Deutschland ist Gosens zuversichtlich, dass das Schlimmste verhindert werden kann. „In Italien wurde lange Zeit die Lage unterschätzt. Deutschland ist ein bisschen eher dran“, sagte Gosens

Am Samstag meldete die Katastrophenschutzbehörde in Italien bereits 21.157 Infizierte. Insgesamt seien im Zuge der Pandemie inzwischen 1441 Menschen gestorben.

Währenddessen hat sich Uli Hoeneß im Sport1-Doppelpass gemeldet* - bei einem Thema wurde er extrem deutlich.

Coronavirus lähmt den Fußball: Gosens lebt und spielt in „roter Zone“ - Große Probleme im Alltag

Erstmeldung vom 10. März: Bergamo - Das Coronavirus breitet sich weiter aus, vor allem in Italien ist die Lage extrem ernst. Inzwischen wurde das Land zu einer Sperrzone erklärt, das Fußball-Geschehen in der Serie A muss mehrere Wochen pausieren.

Für „unseren Mann in Italien“ bedeutet das eine unfreiwillige Zwangspause. Robin Gosens spielt bei Atalanta Bergamo, sein Stern ging in den vergangenen Monaten endgültig auf. Klar, dass einem da schnell Interesse aus der Bundesliga* nachgesagt wird. Auch der FC Bayern München* wurde schon als kommender Verein des Linksverteidigers gehandelt.

Coronavirus: Robin Gosens berichtet von Entwicklungen in Italien

Von Seiten seines Vereins gab es für Gosens und seine Mitspieler klare Anweisungen: „Da sich nun der Ernst der Lage noch mal verschärft hat und auch vom Klub uns gesagt wurde: 'Jungs, seid vorsichtig, macht nur das Nötigste', haben meine Freundin und ich beschlossen, keine unnötigen Risiken einzugehen“, sagte der 25 Jahre alte Profi der FAZ. „Wir werden jetzt die nächsten Tage und Wochen den Kaffee und das Essen bei uns zu Hause einnehmen.“

Sicherheit geht vor bei Gosens, es gibt aber auch andere Denkweisen. Der Sohn eines niederländischen Vaters und einer deutschen Mutter habe eine „Trotzreaktion“ bei einigen Italienern beobachten können. Sie gehen angesichts der Warnungen „erst recht raus und trinken ihren Kaffee in der Sonne, weil sie sich nicht gerne was vorschreiben lassen“, so Gosens

„Es sieht aktuell nicht aus, als sei der schlimmste Moment überstanden. Es heißt, es werde noch schlimmer. Wir in Bergamo sind auch zur roten Zone deklariert worden.“ Italien ist das in Europa am stärksten vom Virus betroffene Land. In Deutschland gibt es nun leider ebenfalls die ersten Toten zu beklagen.

Robin Gosens: Coronavirus ruft Trotzreaktion bei Italienern hervor - Er geht aber keine unnötigen Risiken ein

Zu den Maßnahmen seines Clubs sagte der deutsche Verteidiger: „Wir werden täglich auf Fieber kontrolliert, sobald wir das Trainingsgelände betreten und es wieder verlassen. Das ist einfach eine Sicherheitsmaßnahme. Das ist aber auch das Einzige.“

Währenddessen wurde bekannt, dass in Bayern alle Großveranstaltungen mit Personen über 1000 Menschen abgesagt werden sollen. Das bedeutet, dass dem FCB ein Geisterspiel in der Champions League droht. Champions League ist das Stichwort: Gosens trifft am Dienstagabend mit Bergamo auf Valencia - allerdings sind bei der Partie in Spanien keine Zuschauer zugelassen. 

Coronavirus: Geisterspiele häufen sich - Auswirkungen auf Champions League und Europa League

Auch beim Kracher zwischen Paris und Dortmund am Mittwoch (hier im Live-Ticker) werden keine Fans im Stadion sein. Ganz anders ist es in Leipzig: Am Dienstag erwartet RB die Spurs aus London - in einem vollen Stadion. Wir sind im Live-Ticker dabei. 

Auch auf die Europa League hat das Coronavirus schon die ersten Auswirkungen. Wie entwickelt sich die Situation? Und wer kommt für die Tickets der Fans bei Geisterspielen auf? Die Lage ist weiter ungewiss. Unterdessen erklären Experten, warum in Corona-Zeiten jeder Klopapier kauft. Unterdessen geht es auf dem Transfermarkt heiß her. Real Madrid baggert an einem BVB-Star.

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akl/dpa

Rubriklistenbild: © dpa / Mauro Scrobogna

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