Nach Krawallen

Copa-Libertadores-Finale nach Madrid verlegt

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Königliche Spielstätte: Das Santiago Bernabeu in Madrid. Foto: Andreas Gebert

Erstmals in der knapp 60-jährigen Geschichte der Copa Libertadores wird ein Finale in Europa entschieden. Das Rückspiel zwischen River Plate und Boca Juniors findet in Madrid statt. Wegen Krawallen konnte das Match der argentinischen Rivalen nicht daheim ausgetragen werden.

Madrid (dpa) - Der argentinische Fußball-Schlager kommt nach Europa: Das wegen Krawallen in Buenos Aires zunächst um 24 Stunden vertagte und schließlich abgesagte Final-Rückspiel der Copa Libertadores zwischen den Erzrivalen Boca Juniors und River Plate findet nun in Spanien statt.

Der Sieger des südamerikanischen Pendants der Champions League wird am 9. Dezember im Madrider Santiago Bernabéu ermittelt, wie der Regionalverband CONMEBOL mitteilte. Der Gewinner muss dann sofort in die Vereinigten Arabischen Emirate weiterfliegen, wo schon drei Tage später die Club-WM beginnt.

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In Spanien löste die ungewöhnliche Entscheidung viel Freude aus, in Argentinien gab es dagegen Frust, Kritik und Proteste. "Sie haben uns die Copa geklaut", titelte die vielgelesene argentinische Sportzeitung "Olé". River Plate beklagte den Verlust des Heimvorteils nach dem 2:2 im Hinspiel bei Boca Juniors. "Wenn wir Argentinier dieser Tage den G20-Gipfel organisieren können, wieso werden wir dann nicht ein Fußballspiel ausrichten können?", fragte River-Präsident Rodolfo D'Onofrio. Der Gegner wollte unterdessen den Titel am grünen Tisch zugesprochen bekommen.

In Spanien, wo man wie nirgendwo sonst in Europa Brisanz und Geschichte des argentinischen Superclásico kennt und wo 250.000 Argentinier wohnen, herrschte derweil Freude vor. "Das ist das Spiel des Jahrhunderts, das Spiel aller Jahrhunderte", jubelte der Moderator der morgendlichen Nachrichtensendung des TV-Senders RTVE, Xabier Fortes. Die Madrider Sportzeitung "AS" kommentierte: "Ein großartiges Spiel in einem großartigen Stadion." Wenn alles gut laufe, würden zudem die Chancen Spaniens, die WM 2030 wie beabsichtigt zusammen mit Portugal und Marokko auszurichten, viel größer werden, hieß es. Sogar Ministerpräsident Pedro Sánchez schaltete sich via Twitter ein und versicherte, die Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit aller seien bereits im Gange.

Am vorigen Samstag hatten River-Fans den Teambus von Boca auf dem Weg ins Monumental-Stadion mit Steinen und anderen Gegenständen beworfen. Dabei wurden mehrere Spieler verletzt, darunter Boca-Kapitän Pablo Pérez, der eine Augenverletzung davontrug. Anschließend gab es Zusammenstöße zwischen der Polizei und Hunderten von River-Anhängern. Das Spiel war wegen der Krawalle zunächst auf den Sonntag verschoben worden, wurde dann aber wenige Stunden vor Anpfiff aufgrund von Sicherheitsbedenken abgesagt. Nach den Krawallen trat der Sicherheitsminister der Stadt Buenos Aires zurück. In der Hauptstadt Argentiniens findet am Freitag und Samstag der G20-Gipfel statt.

Wegen der Vorfälle um und im Stadion, dem Austragungsort des WM-Finales 1978, wurde River Plate vom CONMEBOL bestraft. Der Club müsse die ersten zwei Partien im nächsten Jahr vor leeren Rängen spielen, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Entscheidung des Disziplinargerichts des Verbands. Zudem soll der Verein eine Strafe in Höhe von 400.000 US-Dollar zahlen.

Gleichzeitig lehnte das Tribunal den Antrag von Boca Juniors ab, den Titel ohne Rückspiel zugesprochen zu bekommen. Das Hinspiel zwischen beiden Clubs war 2:2 ausgegangen. Beide Vereine haben gegen die sie betreffenden Entscheidungen des Verbands Berufung eingelegt.

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Mitteilung Conmebol

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