Scouts: Suche nach den letzten Rosinen im WM-Kuchen

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Giovane Elber traf bei seinem Südafrika-Besuch auch Joachim Löw

Port Elizabeth - Ob Bayern, Bayer oder Bremen - die Bundesligisten haben ihre Beobachter nach Südafrika geschickt. Alle sind auf der Suche nach Entdeckungen und neusten Erkenntnissen.

736 Spieler in 32 Mannschaften, alle mehrfach gesichtet, beurteilt und katalogisiert - und trotzdem war und ist ein Heer von Scouts und Beobachtern bei der Fußball-WM unterwegs. Sie suchen bei ihren Reisen durch die südafrikanischen Stadien gewissermaßen die letzten Rosinen im Kuchen. “Die meisten haben ja schon einen Vertrag in Europa“, sagte Giovane Elber: “Alle sind bekannt - und alle sind teuer.“ Und trotzdem hält der einstige Bundesliga-Stürmer für Bayern München die Augen offen: “Man schaut sich den einen oder anderen Spieler an.“

Die WM ist nicht unbedingt eine Goldgrube für Schnäppchenjäger, doch auch bei einem Weltturnier kann ein Verein Entdeckungen machen, die sich rentieren. “Die WM ist die Bühne, um von der guten Hoffnung zum echten Durchsetzen auf höchstem Niveau zu kommen“, erklärte Ori Cooper. Der Israeli ist Direktor bei der Firma “IMScouting“, die weltweit 60 Späher unter Vertrag hat und auch für einige deutsche Clubs arbeitet.

Das beste Bundesliga-Beispiel sind die bis dahin in Europa weitestgehend unbekannten Ricardo Osorio und Pavel Pardo. Die beiden Mexikaner glänzten bei der WM 2006 in Deutschland und waren ein Jahr später Stammspieler in der Meistermannschaft des VfB Stuttgart.

Mehr oder weniger unbekannte und noch nicht dutzendfach beobachtete Spieler sind bei der WM kaum im Einsatz, sieht man einmal von den Nordkoreanern ab. Die WM bietet allerindings die Möglichkeit, in relativ kurzer Zeit ziemlich viele Spieler zu beobachten.

“Keiner ist aus dem Nichts gekommen“, sagte Chef-Scout Cooper. Einige Profis haben jedoch in Südafrika bewiesen, dass sie sich auf höchstem Niveau durchsetzen und dem Druck standhalten können. Als Beispiele nannte er den mexikanischen Stürmer Pablo Barrera von UNAM Pumas oder den Japaner Keisuke Honda von ZSKA Moskau.

Grundsätzlich schauen die meisten Talentsucher bei der WM natürlich mehr auf afrikanische Teams als auf Deutschland, sagte der IMScouting-Direktor. Aber auch für die Scouts der absoluten Topclubs kann sich die Beobachtung lohnen, wenn sie die WM als letzten Test für das Objekt ihrer Begierde sehen.

Uruguays dreifacher Torschütze Luis Suárez gehört für ihn “in die diese Gruppe von Spielern“. Als Torschützenkönig der niederländischen Liga ist der Ajax-Stürmer natürlich kein Unbekannter. Aber, so sagte Cooper: “Es ist einfacher in der niederländischen Liga Tore zu erzielen. Die Scouts können ihn jetzt auf einem anderen Level spielen sehen.“ Die Beobachter der ganz großen Clubs schauen daher auch deutsche WM-Spiele, denn: “Özil ist auch in dieser Kategorie.“

Trotz all der Beobachter: Wechsel von WM-Spielern gab es bisher kaum. Die heiße Transferzeit, da ist sich Cooper sicher, wird erst nach dem Abpfiff beginnen. Das dürfte wohl auch für Bremens Özil gelten, der nur noch ein Jahr Vertrag bei Werder hat, seinen Marktwert vervielfacht hat und vom FC Barcelona umworben wird. “In der Woche nach der WM werden mindestens 15 Spieler wechseln“, prophezeite Cooper.

dpa

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