Bayern gegen Dortmund: Wie eine einzige Szene dem Referee ein Spiel verhageln kann

Augen auf bei der Berufswahl

Peter Gagelmann (links, mit Bayerns Rafinha), seit 15 Jahren Referee in der ersten Liga. Eine einzige Szene, ein Bruchteil einer Sekunde in der 56. Minute – und niemand redet mehr über die eigentlich sehr gute Leistung des Unparteiischen-Teams.
+
Peter Gagelmann (links, mit Bayerns Rafinha), seit 15 Jahren Referee in der ersten Liga. Eine einzige Szene, ein Bruchteil einer Sekunde in der 56. Minute – und niemand redet mehr über die eigentlich sehr gute Leistung des Unparteiischen-Teams.

München. Tja, Augen auf bei der Berufswahl. Ein Stürmer kann 30 Mal daneben schießen – wenn er einmal trifft, ist er der Held.

Ein Schiedsrichter kann 100 Mal richtig entscheiden – wenn er einmal nicht richtig liegt, wird seine Leistung von jenen, die weniger mit Fußball-Sachverstand, aber dafür mehr mit der Vereinsbrille argumentieren, auf diese eine Szene reduziert. Referee-Urgestein Peter Gagelmann (Bremen) ergeht es so nach dem Pokal-Halbfinale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund (1:3 nach Elfmeterschießen).

Peter Gagelmann beim Schiedsrichter-Lehrabend in Uelzen

Da liegt das Schiedsrichter-Team beim knappen Ausgleich für Dortmund richtig, der Ball war mit vollem Durchmesser hinter der Linie. Da passt es voll und ganz, im 16,50-Meter-Raum weiterlaufen lassen und keinen Strafstoß für Bayern zu geben, nachdem Mitchell Weiser in einem kniffligen Duell zu Boden geht. Da sitzen die Gelben Karten und der Platzverweis mit Gelb-Rot für Dortmunds Kevin Kampl. Da behalten Peter Gagelmann, Sven Jablonski, Thomas Gorniak und Daniel Siebert als Vierter Offizieller die Partie trotz umkämpfter Phasen im Griff und sorgen positiv für den fairen Charakter. Aber diese eine Szene in der 56. Minute verhagelt Vieles.

Marcel Schmelzers rechter Arm geht beim Zweikampf mit Thomas Müller kurz zum Ball. Diese aktive Bewegung macht das Handspiel zu einem absichtlichen. Strafstoß wäre die korrekte Entscheidung gewesen. Zudem der gelbe Karton für Schmelzer. Wer etwas von der Sache versteht, weiß, dass dieses Handspiel ohne Zeitlupe schwer zu bewerten ist. Das Stadion schreit immer, wenn im Strafraum die Hand nur in der Nähe ist. Aber ist es Absicht? Gibt es diese Bewegung zum Ball? Von der Tribüne, der Trainerbank oder vom heimischen Sofa aus sieht das niemand.

Assistent Sven Jablonski ist die Sicht durch Schmelzers Körper versperrt. Peter Gagelmann könnte diese Situation nur dann bewerten, wenn er zufällig ein völlig falsches Stellungsspiel einnimmt. Keine Entschuldigung für die Situation, aber die fachliche Erklärung. Es ist einfach, ganz schnell nach dem Einblenden der besten Kameraperspektive zu (ver)urteilen. Menschen mit Fußball-Sachverstand tun dies nicht.

Fotos von der Partie

Bayern in Not - Quälende Ausrutscher und Robben-Aus

Schiedsrichter Peter Gagelmann (l) ermahnt Trainer Pep Guardiola. Foto: Andreas Gebert
Arjen Robben (l) humpelt zur Auswechslung mit Mario Götze. Foto: Andreas Gebert
Robert Lewandowski liegt nach einem Zusammenstoß mit dem BVB-Torwart Langerak auf dem Boden. Foto: Peter Kneffel
Trainer Pep Guardiola (l) tröstet Philipp Lahm nach der Niederlage im Elfmeterschießen gegen Borussia Dortmund. Foto: Peter Kneffel
Bayern in Not - Quälende Ausrutscher und Robben-Aus

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare