Warum der Klönschnack zwischen Deniz Aytekin und Eduard Beitinger regeltechnisch notwendig ist

Abseits? Oder nicht Abseits?

Wichtige Beratung in einer entscheidenden Situation: Schiedsrichter Deniz Aytekin und Assistent Eduard Beitinger (links) gleichen in der 28. Minute von Hamburg ihre Wahrnehmungen ab. Foto: imago
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Wichtige Beratung in einer entscheidenden Situation: Schiedsrichter Deniz Aytekin und Assistent Eduard Beitinger (links) gleichen in der 28. Minute von Hamburg ihre Wahrnehmungen ab. 

Hamburg. Wer den 2:1-Sieg des Hamburger SV gegen die Borussia aus Mönchengladbach beobachtet hat, müsste nun alles Wesentliche über die Fußball-Regel Nummer 11 (Abseits) wissen:

In der 28., 35. und 64. Minute werden drei Treffer des Bundesliga-Dinos wegen strafbarer Abseitspositionen von Schiedsrichter Deniz Aytekin nicht anerkannt. Neben dem 38-jährigen FIFA-Referee aus dem fränkischen Oberasbach (bei Fürth), der am Mittwoch in der Champions League noch der Leiter des Wahnsinnsspiels zwischen dem FC Barcelona und Paris St. Germain (6:1) war, steht Assistent Eduard Beitinger, Café-Inhaber in Regensburg, im Zentrum des öffentlichen Interesses. Grund: Der vermeintliche Ausgleichstreffer der Hamburger in der 28. Minute.

Was ist passiert: Albin Ekdal passt im Strafraum auf den Kollegen Bobby Wood, der das Leder in den Gladbacher Maschen versenkt. Ganz Hamburg jubelt.

Aber irgendetwas stimmt da nicht. Genau: Vorlagengeber Ekdal steht – unmittelbar bevor er selbst den Ball von Lewis Holtby erhält – deutlich im Abseits, und zwar regeltechnisch dann im strafbaren Abseits, da der HSV-Mittelfeldakteur aktiv ins Spiel eingreift: Er nimmt die Kugel an und gibt ab zu Wood. Strafbarer geht es kaum. Doch Eduard Beitinger draußen an der Linie lässt die Fahne unten. Warum?

Der 33-jährige erfahrene Assistent mit mehr als 170 Einsätzen in den Ligen 1, 2 und 3 sowie im DFB-Pokal hat aus seiner Sicht aus dem Strafraum-Gewühl heraus nicht wahrnehmen können, wer Ekdal im Moment der Abseitsposition den Ball zugespielt hat. Ist es ein Mitspieler? Oder ist es ein Fehlpass vom Gegner? Die Folgen sind genauso unterschiedlich wie gravierend: Im ersten Fall die Fahne hoch (wegen der zu bestrafenden Abseitsstellung); im zweiten denkbaren Fall, also dem Zuspiel von einem Gegenspieler, hätte Eduard Beitinger allerdings die Fahne unten lassen müssen.

In solchen für das Schiedsrichter-Team schwer zu bewertenden Szenen sollen Referee und Assistent vor der Entscheidung kommunizieren – ohne Fahnenzeichen und genauso, wie es Deniz Aytekin und Eduard Beitinger am Sonntagabend handhaben: Kontaktaufnahme via Headset, dann die kurze fachliche Beratung der Situation. Assistent Beitinger hat gesehen, dass Ekdal zwar im Abseits stand – kann aber nicht beurteilen, ob strafbar oder nicht. Schiedsrichter Aytekin wiederum hatte den guten Blick in den Strafraum und erkannte, dass Ekdal das Leder vom Mitspieler erhalten hatte. Aus diesem Abgleich folgt die richtige Entscheidung: Das Abseits ist strafbar, der Treffer darf nicht gelten.

Adleraugen hat Assistent Eduard Beitinger zudem in der 35. Minute (Holtby im strafbaren Abseits). Auf der anderen Seite guckt in der 64. Minute Kollege Christian Dietz (München) genau und richtig hin und erkennt Flankengeber Aaron Hunt im ahndungswürdigen Abseits. Spielfortsetzung: jeweils kein Tor für den HSV, indirekter Freistoß für Gladbach. So will es das Regelwerk. Für den Dino hat es mit zwei korrekten Treffern statt fünf trotzdem gereicht.

Eduard Beitinger wird in seinem Regensburger Café sicherlich mindestens zwei, drei Kaffeelängen brauchen, um die komplexe Szene regeltechnisch zu erläutern. 

Von Marco Haase

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