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Zwischenzeugnis für die Neuzugänge des 1. FC Lok Stendal

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Von: Tobias Haack

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Rosario Schulze ärgert sich über eine vergebene Chance.
Spielen tut er gut, treffen noch zu selten: Angreifer Rosario Schulze. © Haack

Der 1. FC Lok Stendal hat im Sommer einen Umbruch vollzogen. Zahlreiche Neuzugänge fanden den Weg ans „Hölzchen“. Die AZ zieht eine erste Bilanz.

Als der 1. FC Lok Stendal vor Kurzem zur Weihnachtsfeier in seinen Klubraum am „Hölzchen“ geladen hatte, war die Stimmung ausgelassen. Erstmals seit mehreren sehr harten Jahren in der Oberliga konnten Spieler, Trainer und Verantwortliche mal wieder auf eine erfolgreiche Halbserie anstoßen. Natürlich fand diese nur noch eine Etage tiefer, in der Verbandsliga, statt, doch auch hier muss man es erstmal auf die aktuell 37 Zähler bringen.

Erst recht nach einem Umbruch, wie ihn der Traditionsverein im vergangenen Sommer vollziehen musste. Dass nun eine Top-Drei-Platzierung in Sachsen-Anhalts Oberhaus ein realistisches Ziel der Stendaler für die kommende Rückserie ist, liegt auch an einigen geglückten Transfers vor der Saison. Wer besonders eingeschlagen hat und wo noch etwas Luft nach oben ist, zeigt das AZ-Zwischenzeugnis der Neuzugänge.

Volltreffer

Philip Poser

Die Torwartposition war eine echte Achillesferse des 1. FC Lok Stendal, ehe sich Philip Poser nur wenige Tage vor dem Saisonstart gegen Saxonia Tangermünde den Eisenbahnern anschloss. Die Fußstapfen, die der 28-jährige Freiburger ausfüllen musste, waren nicht sonderlich groß. Vorgänger Mateusz Zlotogorski hatte in der Oberliga-Abstiegssaison eine grauenvolle Rückrunde gespielt. Es war klar, dass sich Lok zwischen den Pfosten neu würde aufstellen müssen. Mit einem Glücksgriff wie Poser war allerdings nicht zu rechnen. Der 1,96 Meter-Hüne strahlt etwas aus, ist auf der Linie stark und kann dazu auch noch sehr gut Fußball spielen. Mitunter tut er dies zu riskant, doch Trainer Jörn Schulz möchte genau das sehen, um den Gegner zu locken und im Mittelfeld Räume öffnen zu können. Was ebenfalls positiv auffällt, ist Posers zweisprachige Kommunikation mit seinen Vorderleuten. In Stendal weiß inzwischen nicht nur Sportdirektor Lars Streißenberger, dass man mit Philip Poser einen der besten Keeper der Verbandsliga an Land gezogen hat.

Denys Vyrych

Durch die Wirren des schlimmen Krieges im eigenen Land ist das ukrainische Talent Denys Vyrych eher zufällig beim 1. FC Lok Stendal gelandet. Was der 18-Jährige in der Altmark aber bislang gezeigt hat, ist aller Ehren wert. Vor allem in der Frühphase der Saison war der Außenspieler für die Verteidiger der Verbandsliga kaum zu stellen. Mit zehn Toren und zwei Vorlagen ist Vyrych die effizienteste Offensivwaffe des 1. FC Lok – und das mit 18 Jahren! Gegen Ende der Hinserie wirkte der Ukrainer etwas müde, vielleicht ein wenig überspielt oder auch einfach nur ein bisschen besser entschlüsselt von der Konkurrenz. Die Leichtigkeit ist ein wenig weg, doch das schmälert die fantastische Saison des Neuzugangs nur minimal.

Gut dabei

Alexander Schleicher

Klein, wendig, giftig im Zweikampf. Rechtsverteidiger Alexander Schleicher erinnert in seiner Spielweise an den früheren Stendaler Aufstiegsheld Martin Gebauer. Nicht ohne Grund schallt es aus der „Whyzenkurve“ mittlerweile „Baui, Baui“, wenn Schleicher zum Sprint auf seiner Seite ansetzt. Der 20-Jährige ist in jedem Spiel ein absoluter Aktivposten. Hinten hält ihn selten etwas, er sucht den Weg nach vorne. Was dem Neuzugang aus Oranienburg abgeht, ist die Effektivität. Viele seiner Läufe verpuffen. In puncto Flankenqualität und Torgefahr hat er noch Verbesserungspotenzial, auf der rechten Seite möchte ihn in Stendal dennoch keiner mehr missen. Vielleicht ja gerade wegen seiner Parallelen zu Martin Gebauer.

Rosario Schulze

An Stoßstürmer Rosario Schulze scheiden sich ein wenig die Geister. In der Mannschaft und im Trainerteam ist der ehemalige Tangermünder aufgrund seiner fußballerischen Qualitäten unumstritten. Wer dem 25-jährigen Deutsch-Italiener den Ball überlässt, weiß, dass er in der Regel etwas damit anzufangen weiß. So ist Schulze im Stendaler Offensivspiel ein wichtiger Ankerpunkt und nicht mehr wegzudenken. Zudem weiß er seine Mitspieler in Szene zu setzen, was sieben Torvorlagen untermauern. Ein perfekter spielende Stürmer, der allerdings ein Manko hat, weshalb ihn manche Fans kritisch sehen: Er trifft zu selten. Erst vier eigene Tore konnte der Neuzugang bislang bejubeln. Zu wenig für eine echte Nummer Neun, aber ist das der spielfreudige Rosario Schulze überhaupt?

Florian Stark

Auch Stark kam vom Nachbarn Saxonia Tangermünde, wo er sogar Kapitän der Aufstiegsmannschaft war. An seine Form der vergangenen Jahre kommt der 24-jährige Innenverteidiger an neuer Wirkungsstätte noch nicht heran. Dass er auch in der Verbandsliga auf 15+x Tore kommen würde, hat freilich niemand erwartet. Ein wenig mehr Souveränität mit und gegen den Ball wurde sich aber schon erhofft. Als linker Innenverteidiger war Stark bei Lok schon für den einen oder anderen Wackler gut. Kein Wunder, ist sein starker Fuß ja eigentlich der rechte. Gleichwohl hat es Stark geschafft, sich auch beim 1. FC Lok Stendal seinen Stammplatz zu erarbeiten. Womöglich kommt der Rest mit der steigenden Spielpraxis von allein.

So lala

Illia Ilchenko

Ilchenko, zusammen mit Vyrych und dem schon wieder abgewanderten Artem Dolbniev in Stendal gestrandet, hat sich auf der rechten Seite des 1. FC Lok festgespielt. Der junge Ukrainer ist in jedem Spiel gesetzt, doch warum genau erschließt sich bislang noch nicht. 17 Spiele, null Tore, null Vorlagen führt die Online-Plattform transfermarkt.de bislang für den 18-Jährigen auf. Ilchenko wirkt begabt, allerdings körperlich noch etwas zu schmächtig, um einem Spiel seinen Stempel aufdrücken zu können. Im Gedächtnis blieb von ihm bisher nur eine Szene: Eine vergebene Großchance beim 0:1 gegen die U23 des 1. FC Magdeburg. Seine Entwicklung in der Rückrunde wird spannend werden.

Kyrylo Matvyeyev

Kyrylo Matvyeyev, der nächste Ukrainer im Stendaler Bunde, stieß erst im Laufe der Vorrunde zum Kader, wurde aber sogleich mit Lobeshymnen überschüttet. „Wenn der einen Freistoß aus zentraler Position bekommt, ist das wie ein Elfmeter. Im Training ist jeder drin“, wurde schon nach weniger Einheiten aus Mannschaftskreisen berichtet. In seinen bislang elf absolvierten Spielen im rot-schwarzen Dress bringt es der 26-Jährige tatsächlich schon auf zwei direkte Freistoßtore. Ansonsten ist der Neuzugang im zentralen Mittelfeld aber niemand, der heraussticht. Matvyeyev absolviert fleißig seine Arbeit, die ganz großen Akzente setzt er aber (noch) nicht. Mitunter wirkt er sogar zu ballverliebt. Sollten Dominik Lehmpfuhl und Steven Schubert wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte sein, könnte der Stammplatz für Matvyeyev auf wackligen Beinen stehen.

Enttäuschend

Elias Säyniö

Zu Saisonbeginn noch gesetzt, spielt der 22-jährige Finne keine wirkliche Rolle mehr. Auf dem Platz sahen die Stendaler Fans den Innenverteidiger zuletzt nur noch in der zweiten Mannschaft. Im Kader von Jörn Schulz reiht er sich hinter Johannes Mahrhold und Florian Stark bestenfalls als Nummer drei in der Abwehr-Hierachie ein. Mit seinem Wechsel von Wismut Gera in die Altmark wird Säyniö andere Hoffnungen verknüpft haben. Das erste Halbjahr jedoch verlief enttäuschend.

Keine Bewertung

Anton Melnyk

Der Ukrainer hat im Tor keine Chance, an Philip Poser vorbei, und damit zu Spielzeit zu kommen. Anton Melnyk bleibt nur die zweite Mannschaft in der Landesklasse, wo er fleißig Einsätze sammelt. In der Verbandsliga ist dies nicht möglich.

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