FCM-Trainer Jens Härtel bleibt nach Derbysieg und auf Platz vier am Boden

Zurückhaltende Euphorie

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Mit den Fans feiert es sich am besten – so war es in Halle auch wieder: Die Magdeburger Spieler lassen sich von den Anhängern bejubeln und klatschen mit.

Magdeburg. In die pure Freude und den emotionalen Gesten in einem euphorischen Umfeld passte die nüchterne Betrachtungweise des Ist-Zustandes eigentlich gar nicht hinein. Jens Härtel, Trainer des 1. FC Magdeburg, war, wie man ihn kennt, zurückhaltend in seiner Analyse.

Die 2. Liga schwirrt in so manchen Köpfen herum, auch in denen von so manchem Sportjournalisten. Bei Härtel scheinbar nicht. „Wir lassen uns nichts einreden“, erklärte der Trainer des Tabellenvierten der 3. Liga, man müsse „die Kirche im Dorf lassen“. Nur noch einen Rang müssten die Magdeburger klettern, um tatsächlich etwas mit der zweithöchsten Spielklasse im deutschen Fußball zu tun zu haben.

Die Aussichten, den Relegationsplatz zu erreichen, sind Stand jetzt nicht schlecht. Nach dem 2:1-Derbysieg am Sonntag in Halle kratzt die Härtel-Mannschaft an Rang drei. Nur noch mit einem Punkt liegt Ost-Konkurrent Erzgebirge Aue vorne, auch Sonnenhof Großaspach, neben dem FCM die zweite Überraschungsmannschaft der 3. Liga, als Zweiter nur drei Zähler. Nach dem stimmungsgeladenen Derbyerfolg herrscht trotzdem kein Ausnahmezustand in Magdeburg. Zumindest nicht, was den Club betrifft. Gefeiert von seiner blau-weißen Wand, den träumenden Fans, will sich Härtel dennoch nicht von seinem Plan abbringen lassen. Das Credo könnte lauten: Wir machen unser Ding.

Oder wie es der Coach sagt: „Wir gucken von Spiel zu Spiel.“ Alte Fußball-Floskel, an der sich der FCM bedient. Denn das erste Ziel, so grotesk es in dieser Situation klingt, ist der Nichtabstieg. 13 Punkte Vorsprung haben die Magdeburger 16 Spieltage vor dem Ende der Saison auf den ersten Abstiegsplatz. Rechnerisch ist demnach nach oben alles möglich – aber eben auch nach unten in der engen dritten Spielklasse. Für die zwei Derbysiege gegen Halle gibt es freilich keinen Bonus. Dass der FCM in Sebastian Ernst vielleicht einen wichtigen Mann dazubekommen hat, kann nicht schaden. Gegen den HFC entpuppte sich der Neuzugang als torgefährlicher Mittelfeldspieler. Doch auch das lässt Härtel übermäßig frohlocken. Ernst bekam sein Lob, doch ein Mann wird nicht die Zukunft entscheiden. Der Sieg in Halle lasse sich „nicht an einem Spieler ausmachen“. Auch, wenn der besagte mit seinen beiden Toren das Spiel entschied. Es zählt das Kollektiv. Wie weit das Magdeburg bringen wird, bleibt die spannende Frage.

Von Benjamin Post

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