Brunauer Tino Schulze lebt seinen Traum / Stammspieler bei Germania Halberstadt / Erste Trainer erinnern sich

Mit Zielstrebigkeit zum Profifußball

Tino Schulze (l.) hat sich durch gute Leistungen in der Viererkette des VfB Germania Halberstadt als linker Verteidiger einen Stammplatz erspielt. Foto: Ruland

Brunau. Fußballprofi - diesen Traum haben unzählige Jungen landauf, landab. Einer, der diesen Traum lebt, ist Tino Schulze aus Brunau, der derzeit beim Regionalligisten VfB Germania Halberstadt unter Vertrag steht und dort als linker Verteidiger zum Stammpersonal gehört.

„Die 3. Liga war immer mein Ziel, vielleicht gelingt mir ja auch noch mehr“, so der 21-Jährige, dessen Entwicklung in der Altmark von einigen Personen intensiv verfolgt wird.

Das sind in erster Linie die Trainer Bernd Schulz, Gerhard ter Burg und Dieter Förster, die den gebürtigen Salzwedeler in seinen ersten Jahren geführt, gefördert und gefordert haben. Der Fußballplatz in Brunau, in Sichtweite des Elternhauses, war bereits für den sechsjährigen Tino ein wichtiger Anlaufpunkt, um dort mit den Freunden zu kicken. Da es damals beim SV Brunau keine F-Jugend gab, schlossen sich Nils Potas, Julian Müller, Philipp Dankert und Tino Schulze dem VfL Kalbe an. „Wir haben eine Fahrgemeinschaft gebildet, um die Jungs zum Training nach Kalbe und zu den Punktspielen zu bringen“, erinnert sich Mutter Viola an die fußballerischen Anfangsjahre ihres Sohnes, der aber nicht wie sein Vater Thomas Schulze als Stürmer auf Torjagd ging, sondern solche als Abwehrspieler zu verhindern versucht. „Ich war und bin Verteidiger, auf der linken Abwehrposition fühle ich mich wohl“, so Tino Schulze, dessen sportliche Vorbilder der Spanier Sergio Ramos und der Österreicher David Alaba sind.

„Am Anfang hat er den Ball nicht aus dem Strafraum bekommen. Was haben wir Abschläge und weite Schüsse geübt. Später hat er dann sogar von der Mittellinie getroffen“, erinnert sich Gerhard ter Burg an die ersten Schritte Tinos auf dem Fußballplatz. Beim VfL Kalbe wurde Tino Schulze zu einer festen Größe, er durchlief die F-, E- und D-Jugend und fiel aufgrund seiner guten sportlichen Leistungen bald auch den Spähern vom DFB-Stützpunkt aus Klötze auf. „Tino war einer unserer Besten, was er bei den Überprüfungen mit guten Leistungen auch immer unter Beweis gestellt hat. Beim 1. FC Magdeburg wollten sie ihn aber trotzdem nicht haben, was für mich damals wie heute unverständlich war und ist“, erinnert sich der damalige Stützpunktverantwortliche Dieter Förster.

„Der Besuch einer Sportschule ist für die sportliche Entwicklung von großem Vorteil“, weiß auch Tino Schulze, dessen nächster Entwicklungsschritt durch das „Nein“ aus Magdeburg gestoppt schien. Doch der Brunauer wechselte in der C-Jugend zum 1. FC Lok Stendal und spielte unter Trainer Carsten Zander in der Verbandsliga. In einem Punktspiel mit dem Halleschen FC ist Tino den gegnerischen Trainern derart positiv aufgefallen, dass sie ihn sofort haben wollten. Und so erfolgte im zweiten C-Jugendjahr der Wechsel zum HFC und an die Sportschule nach Halle. „Wer gibt schon gern sein Kind weg. Doch wir haben ihm gesagt, Junge, versuch es, zurück kommen kannst du immer“, blickt Viola Schulze zurück. Und Tino meisterte die Trennung von Familie und Freunden, auch weil er im Internat der Saalestadt schnell neue Freundschaften schließen konnte. „Familie und Freunde sind mir sehr wichtig. Sie helfen einem weiter zu kommen, geben Kraft und sind da, wenn es mal nicht so gut läuft.“ Daher ist es für den Brunauer sehr wichtig, ständigen Kontakt zu seinen Kumpels in der Altmark zu halten, mit ihnen zu telefonieren und sie daheim zu besuchen. „Brunau ist mein Dorf, hier bin ich zu Hause. Und ich möchte natürlich auch, dass es meinen Freunden gut geht“, so Schulze, der in Halberstadt die sportlichen Resultate seiner ehemaligen Vereine und Mitspieler weiter intensiv verfolgt. „Eine sehr junge Mannschaft, die hoffentlich bald wieder gewinnt“, drückt Tino Schulze deshalb auch dem SV Brunau in der Kreisoberliga die Daumen.

In Halle spielte der Altmärker unter Trainer Hagen Schmidt in der B-Jugend in der Regionalliga und in der A-Jugend sogar in der Bundesliga. Im ersten Männerjahr ging es dann zum 1. FC Lok Leipzig, mit dem Tino den Aufstieg in die Regionalliga schaffte. Sein Trainer in der Messestadt war Willi Kronhardt, der für Tino zum „zweiten Vater“ wurde. Meistertrainer Kronhardt wechselte danach nach Halberstadt und nahm seinen Linksverteidiger gleich mit. „Ich habe Tinos Qualitäten gleich erkannt. Er hat in kurzer Zeit durch zielstrebige Arbeit große Fortschritte gemacht und hat bei mir erst ein Spiel verpasst. Ich bin froh, dass er mit nach Halberstadt gekommen ist und ich sein Talent hier weiter fördern kann. Das in ihn gesetzte Vertrauen hat Tino durch zumeist gute Leistungen bisher immer zurückgezahlt“, lobt der ehemalige Zweitligaspieler, der 1997 mit Energie Cottbus im DFB-Pokal-Endspiel (0:2 gegen den VfB Stuttgart) stand.

27 Einsätze bestritt Schulze für die Germania in der Saison 2012/13 und kassierte dabei nur fünf gelbe Karten, was für eine faire Spielweise des 21-Jährigen spricht. Die Saison endete für Halbestadt mit einer 1:3-Niederlage nach Verlängerung im Landes-Pokalfinale beim 1. FC Magdeburg. „Diese Niederlage war bitter. Wir hätten gern gewonnen, um dann im DFB-Pokal zu spielen. Ich hoffe, dass wir es in dieser Saison wieder bis ins Finale schaffen und es dann auch gewinnen“, so die Wunschvorstellung, die Tino mit seinen Mannschaftskameraden teilt. Aktuell nimmt die Germania in der Regionalliga Nordost nach sechs Spieltagen mit zehn Punkten den sechsten Platz ein. Zuletzt gab es einen 1:0-Heimsieg gegen seinen Ex-Verein Lok Leipzig. „Wenn wir den sechsten Platz halten können und vor Magdeburg bleiben, wäre das super“, hat Tino Schulze neben dem Gewinn des Landespokals recht konkrete Saisonziele.

In der Viererkette des VfB ist der Altmärker, dessen Lieblingsverein in der Bundesliga Hertha BSC ist, derzeit gesetzt. Damit das auch so bleibt, gibt der 1,79 m große Akteur im Training und im Spiel immer alles, denn mit den höheren Spielklassen wächst natürlich auch der Konkurrenzdruck innerhalb einer Mannschaft. „In meinen rechten Fuß muss noch mehr Technik rein. Zudem muss ich körperlich noch robuster werden“, kennt Tino Schulze seine Schwächen, die er auf dem Weg zum Profifußballer abstellen will. Momentan ist Tino Schulze noch in der Ausbildung zum Kaufmann für Büro-Kommunikation, so dass er sich selbst als „Halbprofi“ sieht. „Ich hoffe, ich kann die Lehre demnächst erfolgreich beenden. Danach werde ich noch mehr Zeit in meine fußballerische Entwicklung investieren.“

Sein Talent blieb nicht unbemerkt. Im Sommer absolvierte Tino, dessen derzeitiger Marktwert bei transfermarkt.de mit 75000 Euro angegeben ist, ein Probetraining beim MSV Duisburg. „Dort wurde ein Linksverteidiger gesucht und so erhielt ich über meinen Berater eine Einladung zum Training. Als ich in Duisburg war, hatte aber bereits jemand für diese Position unterschrieben. Schade für mich, aber ich weiß, dass ich unter Beobachtung stehe und ich mich mit guten Leistungen weiter empfehlen kann.“ Beim VfB Germania Halberstadt ist der Altmärker derzeit aber sehr gut aufgehoben. Tino genießt das Vertrauen des Trainers und erhält viele Einsatzzeiten, die für seine weitere Entwicklung nur förderlich sein können.

Der Weg zum Fußballprofi ist lang, steinig, hart und voller Entbehrungen. Und manchmal braucht man auch eine Portion Glück, so wie der Magdeburger Marcel Schmelzer, der durch die Verletzung von BVB-Publikumsliebling Dede in den Kader von Jürgen Klopp rutschte, seine Chance entschlossen nutzte, in Dortmund zum Stammspieler und unter Joachim Löw dann auch zum Nationalspieler wurde. Die Spiele der Bundesliga und Nationalmannschaft verfolgt Tino Schulze deshalb genau. „Von diesen Akteuren kann ich so viel lernen. Die Spielweise von David Alaba gefällt mir dabei besonders.“

Und wenn im Juni 2014 die Fußball-WM in Brasilien beginnt, dann wird Tino Schulze zum Fan. „Wir sind gut aufgestellt und verfügen über eine gute Mannschaft. Ihr fehlt nur noch ein großer Titel.“

Daheim in Brunau drücken sie indes Tino Schulze weiter die Daumen, dass er verletzungsfrei bleibt und seine zielstrebige Entwicklung in Richtung Profifußball fortsetzt. „Wichtig ist, dass er auf dem Teppich bleibt“, so die stolze Mutter. „Keine Sorge, meine Kumpels und mein Trainer würden mich sofort wieder runter holen“, hat Tino Schulze nicht vor, seine Bodenständigkeit zu verlieren. Und sollte es der Brunauer in die Bundesliga schaffen, dann wird auch Gerhard ter Burg an der Kasse Schlange stehen. „Wenn ich für einen meiner ehemaligen Schützlinge Eintrittsgeld bezahlen muss, habe ich alles richtig gemacht“, so der aus Holland stammende Kalbenser, der sich dann mit Sicherheit wieder an das intensive Schusstraining mit Tino in der F-Jugend erinnern wird.

Von Renee Sensenschmidt

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