INTERVIEW: Mario Kallnik zieht beim 1. FCM Bilanz und schaut voraus

Ziel: Aufstieg in drei Jahren

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Bereiten den Neuaufbau vor: FCM-Sportchef Maik Franz (l.) und Geschäftsführer Mario Kallnik streben den Wiederaufstieg in drei Jahren an.

Magdeburg – Die Saison ist vorbei. Die Verantwortlichen des 1. FC Magdeburg haben schon analysiert, woran der Klassenerhalt gescheitert ist. Im Interview verrät Geschäftsführer Mario Kallnik, warum es nicht gereicht hat und wie es weitergehen soll.

Zwischen der Aufstiegs-Euphorie und der Abstiegsernüchterung liegt nur ein knappes Jahr. Wie haben Sie den letzten Spieltag wahrgenommen?

Mario Kallnik: Gestern war es nur wichtig, dass wir uns anständig aus der 2. Liga verabschieden. Über weite Strecken ist es auch gelungen. Vor einer Woche war es noch etwas schlimmer. Aber es ist ja auch nicht so, dass wir gänzlich überrascht worden sind. Wir haben ja von Anfang an immer am hinteren Ende der Tabelle gestanden.

Aber Hoffnung hatten Sie noch bis zum Spiel bei Union Berlin ...

Klar. Wir haben uns den Aufenthalt in der 2. Liga auch länger gewünscht als nur für ein Jahr. Aber es nützt ja nichts, da in Träumereien zu verschwinden. Wir müssen uns der Realität stellen. Am Ende ist es schon gerecht so, wie es ausgegangen ist.

Woran hat es gelegen, dass es nicht gereicht hat mit dem Klassenerhalt?

Das können wir schon ganz klar fassen. Das erste Thema ist das des Aufsteigers. Da bringst du gewisse Attribute mit wie Leidenschaft, Euphorie, Forschheit, Entschlossenheit, aber eben auch Unerfahrenheit. Wir müssen ehrlich bilanzieren, dass wir die ganzen positiven Attribute haben vermissen lassen. Den Mut, den Drang nach vorn. Das größere Problem war aber die interne Kommunikation zu den Spielern, die mit dem Weggang von Marius Sowislo im letzten Jahr nicht durch das Trainerteam kompensiert werden konnte. Die dritte Sache sind die Transferprozesse. Wir hatten die beste Transferquote der letzten drei Jahre mit 54 Prozent. Allerdings, und das ist das Gravierende: Von 13 Transfers haben sieben funktioniert. Das sind Marius Bülter, Tobias Müller, Rico Preißinger, Aleksandar Ignjovski, Jan Kirchhoff, Giorgi Loria und Timo Perthel. Alle anderen nicht. Gerade bei Offensivtransfers hat nur Marius Bülter gepasst. Manfred Osei Kwadwo, Mergim Berisha und Steven Lewerenz haben nicht das gebracht, was wir uns erhofft hatten. Gerade für die Offensive war das problematisch. Die Hauptlast kam aber definitiv aus der ersten Halbserie zustande.

Da haben Sie mit dem Trainerwechsel ja schon die erste Reißleine gezogen ...

Richtig, weil wir gesehen haben, dass Leidenschaft und Euphorie fehlten. Im November hatten wir eine zerstrittene Mannschaft mit neun Punkten aus 13 Spielen. Michael Oenning hatte den Auftrag, Offensivfußball, Mut und Entschlossenheit reinzubringen. Das hat er vom ersten Tag an gemacht. Schon im ersten Spiel in Fürth hat man das gesehen. Nach der Winterpause kam die Serie mit elf Punkten aus fünf Spielen. Im Duisburg-Spiel ist aber Christian Beck ausgefallen. Das war auch ein Knackpunkt. Zumal mit Türpitz, Loria oder Kirchhoff weitere Leistungsträger ausgefallen sind. Wir haben es dann nicht mehr geschafft, in den Folgespielen eine Konstanz auf den Platz zu bringen.

Welche Schlüsse ziehen Sie? Wie werden Sie sich für die 3. Liga aufstellen?

Den ersten Schluss haben wir schon im November gezogen mit dem veränderten Transferprozess. Das gemeinsame System mit Jens Härtel war lange erfolgreich. Am Ende haben wir aber immer für das System die Spieler geholt. Der Stürmer musste gut verteidigen können. Diese Spielphilosophie war überholt. Schauen Sie sich Paderborn an. Die haben auch so viele Tore kassiert wie wir, aber mehr geschossen. Und die sind jetzt aufgestiegen. Wir suchen unsere Stürmer jetzt danach aus, wie sie nach vorn sind. Die zweite wichtige Maßnahme ist, dass jetzt eine Mannschaft aufgebaut wird, die wieder erfolgshungrig ist, die Mut hat, die die Leidenschaft mitbringt, auch etwas erreichen zu wollen. Wir werden einen Neuaufbau machen. Ich habe es als Spieler und Verantwortlicher schon dreimal hinter mir, jetzt ist es das vierte Mal, einen Neuaufbau zu starten, sodass wir unserem Ziel nachkommen.

Und das Ziel heißt direkter Wiederaufstieg?

Nein, auf keinen Fall. Wir sind uns im Verein einig, innerhalb von drei Jahren wieder in der 2. Liga sein zu wollen. Wir sehen uns überhaupt nicht als Favorit in der nächsten Saison, sondern kommen relativ ungeordnet runter. Elf Spieler mit einem guten Potenzial sind jetzt unter Vertrag. Aber wir müssen neu aufbauen. Neuer Trainer, neue Spieler: Das braucht Zeit, bis das reift. Das geht nicht in einem Jahr.

Sie sprechen sie gerade an, die Spieler. Wie sieht es mit Philip Türpitz aus?

Wir setzen uns in dieser Woche noch mit Philip zusammen. Er hat uns letzte Woche überraschenderweise signalisiert, dass er sich doch noch vorstellen könnte zu bleiben. Er ist ein wichtiger Spieler, gerade in der Dritten Liga. Philip kann schon eine wichtige Rolle in der Mannschaft einnehmen. Aber es muss auch wirtschaftlich vernünftig sein. Wir werden uns strecken, aber kein Harakiri betreiben.

Wie sieht es aus mit Spielern wie Tarek Chahed, Steffen Schäfer und Nico Hammann aus? Bleiben oder gehen sie?

Das sind so Personalien mit Fragezeichen. Da wollen wir gern die Meinung des neuen Trainers einholen.

Wann wird der neue Trainer denn ankommen?

Wir gehen davon aus, dass wir es in dieser Woche noch verkünden werden.

VON SABINE LINDENAU

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