1. FC Lok Stendal: Präsident Prof. Dr. Ulrich Nellessen im AZ-Interview über Neuzugänge, Zukunftspläne und die zweite Mannschaft

„Es wird nicht leichter, neue Spieler zu verpflichten

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Prof. Dr. Ulrich Nellessen stellte sich den Fragen der AZ.

Stendal. Es ist Ruhe eingekehrt auf den Fußballplätzen. Auch beim altmärkischen Aushängeschild, Verbandsligist 1. FC Lok Stendal.

Kurz vor dem Jahreswechsel blickte Lok-Präsident Prof. Dr. Ulrich Nellessen gestern im AZ-Interview mit Christian Buchholz auf die vergangenen Monate zurück und gab einen Ausblick auf die nun anstehenden Aufgaben.

Altmark-Zeitung: Der 1. FC Lok Stendal hat die Hinrunde mit 17 Punkten auf dem neunten Rang beendet. Was ist Ihnen rückblickend im Gedächtnis geblieben?

Prof. Dr. Ulrich Nellessen: Ein guter Anfang und ein gutes Ende. Dazwischen war die Bilanz durchwachsen. Viele Niederlagen waren allerdings unserem viel zu kleinen Kader geschuldet, das steht fest.

AZ: Wie sehen Sie die sportliche Entwicklung der Mannschaft?

Nellessen: Man darf nie vergessen, dass wir regelmäßig mit vier A-Junioren gespielt haben. Dadurch gibt es natürlich immer noch großes Potential für eine weitere Entwicklung. Das Niveau in der Verbandsliga ist aber nicht so schlecht, wie manche Leute glauben. Ich denke, dass die Jungs sich aber immer rein gehangen und gekämpft haben.

AZ: Ihr Trainer Volkan Uluc spricht von großen Baustellen im Verein. Die Trainingsbeteiligung ist mäßig, die Personaldecke äußerst dünn. Ändert sich das im neuen Jahr?

Nellessen: Der kleine Kader ist sicherlich unser größtes Problem, das stimmt. Es wird allerdings keinesfalls leichter, junge und talentierte Spieler für unseren Verein zu verpflichten. Das hat mehrere Gründe. Zum einen scheut die heutige Spielergeneration einen erhöhten Trainingsaufwand. Zum anderen sind die Folgen des demographischen Wandels in der Altmark immer deutlicher zu spüren. Jeder Verein tut alles, um seine Spieler zu halten und um selbst zu überleben. Ich möchte allerdings auch keinen schnellen Erfolg zusammenkaufen, sondern lieber auf lange Sicht Erfolg haben.

AZ: Wo sollen potentielle Neuzugänge herkommen? Ihr Trainer hat bereits deutlich gemacht, dass sich Lok keine weiteren Spieler aus dem Berliner Raum leisten kann.

Nellessen: Ich möchte gern, dass bei uns altmärkische Jungs spielen. Eine verbandsligataugliche Truppe aus der Altmark aufzubauen, ist allerdings ein kaum zu bewältigendes Kunststück. Dazu braucht es auch Erfahrung, die unsere Berliner Routiniers mitbringen. Einige ehemalige Stendaler Spieler haben bereits Interesse bekundet, zurückzukehren. Bis auf zwei, drei Ausnahmen stehen ihnen die Türen beim 1. FC Lok auch offen. Neue Spieler kommen außerdem aus unserer eigenen Jugend. Das klappt äußerst gut, wie sich gezeigt hat. Vor allem auch, weil alle Jugendtrainer mit Volkan Uluc an einem Strang ziehen. Ich kann nicht nachvollziehen, dass viele junge Talente aus anderen Vereinen nicht das Risiko eingehen wollen, es bei uns zu versuchen. Dabei sollte es doch Anreiz genug sein, sich unter Anleitung eines Profi-Trainers weiterzuentwickeln.

AZ: Wie viele neue Spieler braucht Lok noch für die Rückrunde?

Nellessen: Mindestens zwei.

AZ: Zu Saisonbeginn hat der Verein die zweite Mannschaft aus der Kreisoberliga zurückgezogen. Wie geht es nun weiter? Gibt es bereits einen Trainer und Spieler, mit denen ein Neuaufbau betrieben werden kann?

Nellessen: Einen Trainer gibt es, aber da wir schon Probleme haben, genügend Spieler für die erste Männermannschaft zu bekommen, sehe ich einen möglichen Neuaufbau eher skeptisch. Wir brauchen Spieler im Reserve-Team, die absolut bereit sind, der ersten Mannschaft zu helfen. Denn was nützt eine gute zweite Mannschaft, wenn die erste absteigt? Derzeit liegt unsere Priorität auf der A-Jugend. Wenn die erfolgreich ist, hilft uns das viel mehr.

AZ: Trainer Volkan Uluc hat gesagt, er bleibt bis zum Saisonende. Was passiert danach?

Nellessen: Ich glaube, dass er sich in Stendal wohlfühlt und deshalb bleibt. Das hängt aber sicher auch von der weiteren Entwicklung der Mannschaft ab. Im Frühjahr werden wir uns rechtzeitig zu Gesprächen zusammensetzen.

AZ: Wo steht Lok Stendal am Saisonende und wo in fünf Jahren?

Nellessen: Wenn wir zwei bis drei Spieler dazubekommen, stehen wir besser da als jetzt. Auf lange Sicht gesehen, ist die Oberliga natürlich das Ziel. Das ist aber abhängig von den Sponsoren und der Gesamtsituation in der Altmark.

AZ: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!

Das Interview führte Christian Buchholz

Die große Lok-Bilanz zur Hinrunde

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