HANDBALL – BUNDESLIGA SCM-Trainer blickt auf starke Saison zurück

„Wir hatten viele Höhen“

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Emotional am Spielfeldrand: SCM-Trainer Bennet Wiegert kann auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken, auch wenn sie ohne Titel endete.

Magdeburg – Durchatmen heißt es für die einen, mit der Nationalmannschaft weiter spielen für die anderen. Doch für alle Handballer des SC Magdeburg ist zumindest die Bundesliga-Saison vorbei. Trainer Bennet Wiegert blickt im AZ-Gespräch auf Höhepunkte und Tiefschläge zurück.

Herr Wiegert, die Saison ist vorbei, in den zurückliegenden Wochen hat man die Strapazen gemerkt. Sind Sie froh, dass nun Pause ist?

BENNET WIEGERT: Ich muss sagen, dass ich froh bin. Die Saison war lang, sie war anstrengend. Und ich habe das Gefühl, jetzt ein bisschen Abstand zu brauchen, um zur Ruhe zu kommen und das Feuer für die nächste Saison wieder entfachen zu können. Wir haben für uns einen positiven Abschluss gefunden.

Positiv auf jeden Fall. Sie belegen Rang drei. Reicht das für die Champions-League?

Das wissen wir noch nicht, das ist in der Schwebe. Bis die Champions-League-Reform 2020 eintritt, wird das sehr willkürlich entschieden, sodass wir wenig Einfluss nehmen können. Wir müssen abwarten. Das wäre natürlich eine riesen Belohnung für die Saison. Der Dritte könnte eine Wildcard bekommen. Da letztes Jahr drei französische Mannschaften dabei waren, könnte mir vorstellen, dass auch mal wieder drei deutsche dabei sind. Wir wissen erst einmal, dass wir europäisch spielen, ob Champions-League oder EHF-Cup wird sich zeigen.

Wenn Sie die Saison Revue passieren lassen: Was waren für Sie die schönsten Momente?

Der Start war schon sensationell. Er hat uns den Glauben daran gegeben, noch mehr erreichen zu können. Das hätte auch anders laufen können. Das muss einem klar sein, dass eine Saison auch in eine andere Richtung gehen könnte. Aber das Pokalspiel im Achtelfinale in Flensburg war sicher ein Highlight der Saison, da Flensburg in der ganzen Saison kein Heimspiel verloren hat. Wir waren auch in der Liga nah dran, einen Punkt mitzunehmen. Schon etwas Besonderes war der Sieg in Kiel, was uns 13 Jahre lang nicht gelungen ist. Die beiden Mannschaften da vorn haben nur zehn Punkte abgegeben, vier Flensburg, sechs Kiel. Wir haben ihnen sechs weggenommen, dann ist Platz drei nicht unverdient. Die Bundesliga lügt nicht, die Tabelle sagt das Ergebnis. Da haben wir sehr gut gearbeitet.

Und die schmerzhaftesten Niederlagen?

Als Negativbeispiele würde ich nicht einmal die Heimniederlage gegen Göppingen oder die Niederlage in Erlangen sehen. Das gehört schon mal dazu. Das hätte ich anders gesehen, wenn diese vier Punkte über die Deutsche Meisterschaft entschieden hätten. Aber davon waren wir weit weg. Ganz klar die Pokalniederlage gegen Kiel, egal ob Kiel an dem Wochenende besser war. Das tut schon weh, dem anderen gratulieren zu müssen. Du weißt halt nicht, wann du wieder die Chance hast, im Endspiel zu stehen. Das war die schmerzhafteste Niederlage.

Aber die positiven Eindrücke überwiegen?

Auf jeden Fall. Wir hatten viele Höhen. Wir haben eine Saison gespielt, die schwer zu wiederholen sein wird, das muss man so realistisch sehen. Wir werden versuchen uns zu verbessern. Gleich ob wir es noch mal schaffen, 54 Punkte in der nächsten Saison zu holen, weiß ich nicht.

Zumal es auch gilt, sechs Neuzugänge zu integrieren...

Ich erwarte da nicht die ganz großen Integrationsprobleme. Es sind viele deutschsprachige Neuzugänge. Aber sicher: Sie müssen menschlich als auch sportlich integriert werden.

Viel Zeit zu regenerieren bleibt Ihnen aber nicht, oder?

Das stimmt. Wir treffen uns am 11. Juli zur Saisonvorbereitung. Körperlich ist das nicht das ganz große Problem, mental ist es das Größere. Nach diesen vielen Spielen braucht man schon zwei, drei Wochen, um in den Ruherhythmus reinzukommen. Aber es geht schnell wieder los. 2020 ist Olympia-Jahr, da rückt alles noch mehr nach vorn. Nächstes Jahr sind zwei Großereignisse, die EM im Januar und Olympia: Das ist harter Tobak.

Während Sie mit dem SCM Platz drei feiern konnten, ist mit dem VfL Gummersbach eine Mannschaft abgestiegen, bei der Sie einst selbst gespielt haben. Trifft es Sie sehr?

Ich habe Tränen in den Augen, mir blutet das Herz. Ich habe ja eine Gummersbacher Vergangenheit. Das ist schon ein herber Rückschlag. Ich drücke die Daumen, dass sie das wirtschaftlich und sportlich verkraften.

VON SABINE LINDENAU

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