INTERVIEW Ex-Kapitän Sowislo über die Situation des FCM und sein Projekt

„Wir haben einen Nerv getroffen“

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Marius Sowislo (u.l.) überreichte Blau-Gelb Goldbeck die Urkunde als offizieller FCM-Partnerverein.

Goldbeck/Magdeburg – Gastgeber SV Blau-Gelb Goldbeck durfte sich beim Sparkassen-Cup am vergangenen Sonnabend über namhaften Besuch freuen.

Der Aufstiegskapitän des 1. FC Magdeburg, Marius Sowislo, war im Zuge des FCM-Partnerverein-Projekts in die Altmark gereist, eröffnete das Turnier und überreichte den Blau-Gelben ihre offizielle Partner-Urkunde.

AZ-Redakteur Tobias Haack stellte sich der 37-Jährige für ein Interview zur Verfügung und sprach dabei über eine Erfolgsgeschichte, sein Leben als Fußball-Rentner und die aktuelle Situation des FCM.

Herr Sowislo, Ihr Projekt des Partnervereins-Netzwerks läuft seit etwas mehr als einem Jahr. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus, kann man von einer Erfolgsgeschichte sprechen?

Ja, auf jeden Fall. Wir haben damit einen Nerv in der Region getroffen und jetzt knapp 150 Partnervereine. Diese Marke haben wir geknackt, das war auch ein Ziel von mir, diese magische Zahl zu erreichen. Wir haben tolle Partner dazugewonnen und außerdem das Vertrauen von vielen Leuten.

Für die kleinen Vereine der Region ist der FCM als namhafter Partner eine tolle Sache. Welchen Mehrwert hat das Projekt aber für den 1. FC Magdeburg?

Wir schaffen uns eine Basis, auf die wir zurückgreifen können. Die Region hat uns oft gehalten, auch in schwierigen Zeiten. Mit dem Zweitliga-Aufstieg haben wir dann das Projekt ins Leben gerufen, weil wir etwas zurückgeben wollen. Es gibt auch nichts Schöneres für uns, als zu wissen, dass man Freunde und verlässliche Partner hat. Ich denke, das Fundament ist der Breitensport. Das sind die talentierten Spieler, die vielleicht oben angreifen können oder halt als Fan oder Sponsor ins Stadion kommen.

Man kann es also als Dankeschön verstehen?

Ja, genau. Wir wollen als 1. FC Magdeburg unseren Partnervereinen etwas aus unseren Erfahrungswerten mit an die Hand geben. Deshalb werden die Vereine im Jahr drei bis viermal zu uns geladen, wo dann diverse Themen besprochen werden. Themen, die ich aufsauge, durch meine Besuche vor Ort. Daraus stricken wir einen Workshop, laden Experten ein und besprechen diverse Dinge.

Es können sich nach wie vor noch Vereine anschließen?

Genau. Das Ganze ist kostenlos. Es muss nur ein Aufnahmeantrag eingereicht werden und es ist auch keine großartige Verpflichtung dahinter. Es soll nur eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe entstehen.

Sie haben es gesagt, Sie sind häufig bei den Vereinen vor Ort. Was war bislang Ihr schönstes Erlebnis an der Basis?

Das schönste Erlebnis für mich ist, dass ich wahrnehmen kann, was der 1. FC Magdeburg für eine Strahlkraft in Sachsen-Anhalt und sogar international hat. Ich sehe, wie die Leute zu unserem Verein halten und wie er ihr Leben bestimmt. Wenn mich die Leute in ihr Wohnzimmer lassen und wir ehrliche Gespräche führen, ist das etwas, was unbezahlbar ist.

Sie haben Ihre Laufbahn mit dem Aufstieg in die 2. Liga beendet. Wie ergeht es Ihnen im sportlichen Ruhestand? Füllen Ihre neuen Aufgaben Sie aus oder streben Sie noch etwas anderes an, beispielsweise eine Trainerkarriere?

Ich bin sehr zufrieden. Ich habe mit dem Zweitliga-Aufstieg aufgehört. Das war das Maximale, was ich sportlich erreichen konnte. Außerdem habe ich seit 2014 mit meinem Sportler-Netzwerk eine Selbstständigkeit, über die viele Projekte realisiert werden. Ich bin ganz nah am Sport dran und bereue keine Sekunde. Ich bin sehr zufrieden damit, was ich erleben durfte und, was ich noch erleben darf.

Auch am Drittliga-Team des FCM sind Sie sicherlich noch nah dran. Wie schätzen Sie die laufende Saison ein?

Es ist alles sehr angespannt. Der Verein muss sich erst mal neu sortieren und wieder eine Linie finden. Die Ambitionen bei so einem Verein sind natürlich immer sehr hoch. Jetzt muss man gucken, wieder eine schlagkräftige Truppe mit einem schlagkräftigen Umfeld zu finden und alles daran setzen, dass der Verein wieder erfolgreich wird.

Der jüngste Trainerwechsel wird vielerorts kritisch gesehen. Was ist Ihre Meinung dazu?

Mir steht es nicht zu, die Trainer zu bewerten. Da hat sicherlich jeder seine eigene Meinung. Es ist so, wie es ist. Wir haben einen neuen Trainer, der seine Aufgabe zu erfüllen hat. Die Ambitionen sind hoch und ich möchte einfach nur, dass der Verein erfolgreich ist, weil er für die Region elementar wichtig ist.

Claus-Dieter Wollitz ist der dritte Trainer in etwas mehr als einem Jahr. Findet der Verein jetzt die Konstanz wieder, damit etwas Nachhaltiges entstehen kann?

Das wäre natürlich schön. Fußball ist halt irgendwo doch ein Tagesgeschäft. Es gibt Ziele, die verfolgt werden. Dementsprechend wird analysiert. Es ist das Schönste, wenn man konstant arbeiten kann. Wir dürfen nur nicht den Fehler machen, etwas mit aller Macht erzwingen zu wollen, weil dann geht es meistens eher nach hinten los.

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