FUSSBALL Aussetzung des Spielbetriebes stößt auf Verständnis

„Winterpause“ als Lösungsweg

Der Spieltrieb befindet sich in der Winterpause: die Fußballvereine aus der Altmark haben mit dem Beschluss gerechnet und haben Verständnis dafür. Foto: archiv/nowak

Altmark – Bis auf wenige Ausnahmen (u. a. 3. Liga, Regionalliga) wird in diesem Jahr der Fußball in Sachsen-Anhalt nicht mehr rollen.

Am Donnerstag hat der Vorstand des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt (FSA) beschlossen, den Spielbetrieb bis zum Jahresende auszusetzen und in die Winterpause zu gehen. (AZ berichtete). Grundlage dieses Beschlusses ist § 3 der Spielordnung des FSA. In diesem ist festgelegt, dass während des Spieljahres mindestens eine vierwöchige Pflichtspielpause eingelegt werden muss. Die Altmark-Zeitung hat bei den Vereinen und Verbänden der Region erste Reaktionen eingeholt.

Fachverbände

„Die Entscheidung war abzusehen, Lockerungen sind nicht zu erwarten“, meinte Axel Garz, Spielausschuss-Vorsitzender des KFV Altmark West, der hofft, dass das Wetter im Januar und Februar Fußballspiele zulässt. Denn wenn ab Januar wieder gespielt werden darf, bietet sich die Zeit bis zum Rückrundenstart im März an, um die meisten Nachholspiele aus ausgefallenen Pokalpartien über die Bühne zu bringen. „Wir müssen schauen, was für alle das Beste ist“, kündigt Axel Garz Videokonferenzen mit den Vereinen an. Denn die Vereine müssen auch gewillt sein, ihre Plätze in den Wintermonaten bespielen zu lassen. „Die Plätze hatten dann genug Ruhe“, so der Spielwart.

Michael Müller, Präsident des Kreisfachverbandes Fußball Altmark-Ost, war bei der Videoschaltung am Donnerstag mit dem FSA dabei. „Wir sind jetzt nicht verwundert, dass die Sache so gekommen ist, wie sie gekommen ist. Wir hatten damit auch geliebäugelt“, erklärte er gestern auf AZ-Nachfrage. Bei der verkündeten Entscheidung habe Einigkeit geherrscht, niemand sei anderer Ansicht gewesen, so Müller, der wie die Allgemeinheit die Entwicklung der Gesamtsituation abwarten muss. Vieles spricht für Komplikationen und Hektik, vor allem wenn es um die Nachholpartien geht. Eine Herausforderung, wie Müller weiß. „Da muss man die Balance halten, dass jeder die gleiche Anzahl von Spielen hat.“

Vereine

Für Marko Rossnick, den Sportlichen Leiter des FSV Saxonia Tangermünde, sei die Entscheidung „grundsätzlich das Vernünftigste. Für den Fußball ist es schade.“ Bereits gestern war Rossnick mit der Stadt Tangermünde im Austausch, was die Zugänglichkeit der Sportstätten betrifft. Er ahnt: „Das werden alles kurzfristige Entscheidungen sein.“ Die Saxonen und auch die anderen Mannschaften benötigen Rossnicks Meinung nach eine Anlaufzeit von mindestens zwei Wochen, wenn es um die Trainings- und Spielvorbereitung geht. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Vereine am 16./17. Januar wieder anfangen können, Fußball zu spielen. So müsse „allerspätestens nach Neujahr“ mit dem Training begonnen werden, ergänzte Rossnick.

„Man hat es geahnt, dass es dieses Jahr nichts mehr wird mit Fußballspielen“, kann Burghardt Schulze die Entscheidung des FSA nachvollziehen. Was den Abteilungsleiter Fußball des SV Eintracht Salzwedel jedoch ärgert, ist das Trainingsverbot insbesondere für die Kinder, die am Vormittag in der Schule noch alle zusammen sind. Schulze ist gespannt, wie es im Januar weitergeht. „Corona und das Wetter müssen es zulassen. Und auch die Vereine, die bei jedem Regenschauer bereits ihre Plätze sperren lassen.“ Für seine Mannschaften wünscht sich Burghardt Schulze vor dem ersten Spiel eine Vorlaufzeit. „Mindestens zwei Wochen Vorbereitung sollten sein.“

Mannschaften

„Wir müssen die Entscheidung so hinnehmen, wir können es nicht ändern“, meinte Norbert Scheinert, auf dessen SSV Gardelegen ein hammerhartes Frühjahr in der Verbandsliga zukommt, haben doch die Westaltmärker erst neun der insgesamt 36 Saisonbegegnungen absolviert. „Ich weiß nicht, wie das gehen soll. Wir können doch nicht nur noch englische Woche spielen.“ Mit individuellen Laufeinheiten und zwei Online-Trainingseinheiten mit Co-Trainer Andreas Kulina halten sich die Gardelegener derzeit fit. Norbert Scheinert würde gerne draußen trainieren, stärkt doch die Bewegung an der frischen Luft auch das Immunsystem. Daher kann er das Trainingsverbot im Freien nicht nachvollziehen.

Für Tim Neffe, Trainer des ostaltmärkischen Landesklassisten Möringer SV, ist diese Entscheidung ebenfalls sinnvoll. „Jetzt krampfhaft innerhalb von zwei Wochen den Spielbetrieb hochzufahren zu wollen mit englischen Wochen, wäre nicht zielführend gewesen.“ Zudem hat er den Winter im Hinterkopf, rechnet persönlich eher mit Anfang oder Mitte Februar damit, dass es weitergehen könnte. Derzeit halten sich seine Spieler, wie in vielen anderen Vereinen auch, mit individuellen Trainingsplänen fit. Auch Neffe wünscht sich eine gewisse Vorlaufzeit, um sich auf den Re-Start vorzubereiten. „Alles andere wäre schwer umsetzbar. Man darf die Sportler nicht vergessen, da kommen ganz andere Belastungen auf einen zu.“ Bis es so weit ist, könne man nur das Beste hoffen, so Neffe abschließend.

VON PATRICK NOWAK UND RENEE SENSENSCHMIDT

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