TRIATHLON Gravert nimmt Qualifikation für den Ironman Hawaii in Angriff

„Da hat es wieder gekribbelt“

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Krafttraining ist Teil der Vorbereitung auf den Ironman. Als wir Robert Gravert Ende Februar trafen, war das Hantelstemmen im Fitnessstudio noch möglich.

Stendal – Sein erster Ironman sollte auch sein letzter sein. Nachdem Robert Gravert im vergangenen Sommer die Langdistanz in Hamburg in neun Stunden, 51 Minuten und 38 Sekunden absolviert hatte, wollte er nur noch zum Spaß schwimmen, Rad fahren und laufen.

Lange hat der 32-Jährige nicht durchgehalten. Es kribbelte einfach wieder.

Und so nimmt er in diesem Jahr erneut die Qualifikation für den Ironman auf Hawaii in Angriff. So die Corona-Krise ihm keinen Strich durch die Rechnung macht.

„Das war eine Neujahrsaktion.“ Robert Gravert legt die Langhantel zur Seite und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Kurz durchatmen beim Kraftworkout im Stendaler Rücken- und Gelenkzentrum. Längst steckt der Triathlet in den Vorbereitungen für seinen zweiten Ironman. Die Muskeln zu stärken, ist dabei nur ein geringer, aber wichtiger Teil. Der Starter des Hasselaner Triathlon Clubs ist froh, die Experten als Sponsor an seiner Seite zu wissen. Sie stehen ihm nicht nur beim Training an den Geräten und Hanteln zur Seite, sondern kümmern sich auch um die physiotherapeutische Betreuung. Manuelle Therapie, Massagen, Dehnübungen … Um das Optimale aus seinem Körper herauszuholen, geht Robert Gravert seinen zweiten Ironman so professionell wie möglich an.

Die Voraussetzungen sind in diesem Jahr allerdings anders. Als wir ihn treffen, ist das Corona-Virus noch nicht in Deutschland angekommen. Anders als 2019 setzt der Stendaler auch nicht mit dem Job aus. Die Vorbereitung läuft vor und nach Feierabend. Außerdem ist der Ausdauersportler Ende vergangenen Jahres Vater geworden. „Es ist anstrengender“, hat er festgestellt. Doch er weiß seine Freundin Anika hinter sich. „Sie hat gesagt, wir kriegen das hin“, freut er sich über den familiären Rückhalt. Beim Silvesterlauf am letzten Tag im Jahr 2019 habe er einen Vereinskollegen getroffen, der ihm erzählt hat, selbst zwei Langdistanzen in Angriff nehmen zu wollen. „Dann hat es bei mir doch wieder gekribbelt.“ Es sei eine gemeinsame Entscheidung der jungen, sportverrückten Familie gewesen.

Schon am 2. Januar hat Robert Gravert begonnen, sein Sportprogramm hochzuschrauben. Aus fünf bis höchstens zehn Stunden sind seitdem weit mehr geworden. Das ist auch notwendig, um die brutale Distanz (3,8 Kilometer schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer laufen) durchzuhalten.

Erst die Intensität steigern, dann auch die Umfänge: Den Trainingsplan hat wie im vergangenen Jahr sein Coach Ralph Sturm geschrieben. „Ihm hat auch ein bisschen was gefehlt.“ Robert Gravert, der durch den Sport seine Depressionen bewältigte und sein Übergewicht verlor, hat in den nächsten Wochen viel vor. „Diese Woche habe ich eine Belastungswoche“, erzählt er. Drei davon im Monat seien neben einer Entlastungswoche normal.

500 Kilometer auf dem Rad, 15 im Schwimmbecken und bis zu 90 auf Laufschuhen. Da geht viel Freizeit drauf. Im Schnitt drei Stunden am Tag. Und auch wenn sich der innere Schweinehund manchmal meldet, der ambitionierte Triathlet hört ihm nicht zu. „Ich habe ja ein Ziel.“ Und davon bringt ihn nichts ab. Neben den drei Disziplinen kommt in der Vorbereitung noch Kraft- und Stabilisierungstraining dazu. Nicht zu vergessen des Dehnen. Darüber hinaus setzt Gravert auf autogenes Training. „Um den Kopf gerade zu halten.“ Die Werte stimmen optimistisch. Sein großer Traum: Die Qualifikation für den Ironman Hawaii zu schaffen.

Noch steht der Hasselaner am Anfang, die Umfänge im Training werden noch größer. Der geplante Halbmarathon beim Tangermünder Elbdeichmarathon fällt allerdings wegen der Corona-Epidemie aus. Auch weiß er nicht, ob der Ironman in Hamburg überhaupt stattfinden wird. Er ist für Anfang Juni geplant. Seine Vorbereitung setzt er dennoch fort. Auch wenn an Schwimmen derzeit nicht zu denken ist. Darum intensiviert er sein Lauftraining. Und hofft, weitere Unterstützer zu finden.

„Die Einkaufsliste wird immer größer.“ Über die Grundausstattung verfügt er. Doch ein Leistungsmesser am Rad, der ihm eine Rückmeldung gibt, wie viel Watt er gerade tritt, hilft genauso wie ein neuer Radcomputer. Ein neuer Helm und ein neuer Anzug wären optimal. „Da ist aerodynamisch ganz viel möglich. Da kann man für Geld ziemlich viel Zeit kaufen.“ Und so vielleicht die nötigen Sekunden für Hawaii gewinnen.

Körperlich ist Gravert so fit wie nie, hat noch einmal zehn Kilo abgenommen. Dabei setzt er auf eine kohlenhydratarme und proteinreiche Ernährung. Viel Gemüse, Eier, Fleisch und Fisch bestimmen seinen Lifestyle. Ab und zu gönnt er sich aber auch einmal Kohlenhydrate. Auch das hilft, in der Spur zu bleiben und an Belastungsgrenzen zu gehen. In dieser Woche ist indes Regeneration angesagt. Da denkt der Triathlet des Öfteren an die Folgen, die das Virus für sein großes Vorhaben haben könnte. Er lässt sich seinen Optimismus nicht nehmen.

VON SABINE LINDENAU

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