E-Soccer – Medienrummel um Konsolensport nimmt nicht ab / Philipp Grempler: „Ich hoffe, dass das Schubladendenken aufhört“

Wenn Massenbegeisterung auf Vorurteile trifft

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Die beiden Bismarker Philipp Grempler (links) und Mirko Völkel waren mit vollem Eifer bei der Sache.

pno Bismark. Die Altmark erlebte am Sonnabend in der Bismarker Mehrzweckhalle eine Premiere. Um 10 Uhr wurde die Veranstaltung durch die Organisatoren Mirko Völkel (TuS Schwarz-Weiß Bismark) und Thomas Schulze (Vorsitzender Jugendausschuss Fußballverband Sachsen-Anhalt) eröffnet.

Bereits Minuten vor der Eröffnung versammelte sich die E-Sports-Gemeinde in der Aula und wartete darauf, in das „Game of Goals“, dem ersten E-Soccer Turnier in der Region, einzugreifen. Dort wurde das bekannte Sportspiel FIFA 18 in Zweier-Teams als Turniermodus an Konsolen ausgespielt.

Moment mal. E-Sports-Gemeinde. E-Soccer. Wie bitte? Nicht jeder kann etwas damit anfangen. Beim E-Sports, dass seit der jüngsten Vergangenheit einem Medienrummel ausgesetzt ist, handelt es sich um „elektronischen Sport“. Wie soll das möglich sein? Ganz einfach. Beim E-Sports messen sich die Teilnehmer in einem Wettkampf an der Spielkonsole. An diesem Punkt gehen die Meinungen weit auseinander. Rundum gesagt: Die Massenbegeisterung der E-Sportler trifft auf viele Vorurteile.

Mirko Völkel und Philipp Grempler vom TuS Schwarz-Weiß Bismark sowie Thomas Schulze sind sich darüber im Klaren und liefern Gegenargumente, die sich Kritiker zumindest einmal anhören sollten. „Jeder, der mal im Verein Fußball gespielt hat, kennt FIFA. Und fast jeder spielte es als Kind“, erklärte Völkel am Rande der Veranstaltung und ergänzte zum Medienrummel um das Thema E-Sports: „Das ist wie eine Mückenplage und entwickelt sich seit zwei Jahren akut.“ Die Gründe liegen für den Bismarker auf der Hand. „Die Kinder bekommen fast nur noch elektronisches Spielzeug geschenkt“, erklärte Völkel.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Schließlich entwickelt sich die Technik rasant weiter und selbst die Jüngsten nehmen an der digitalen Kommunikation teil, oder schauen sich auf dem Schulhof die neuesten Videos auf ihren Smartphones an. Philipp Grempler, Teampartner von Völkel, hat Verständnis für die kritischen Anmerkungen. „Wir hatten im Vorfeld mit vielen Vorurteilen zu kämpfen“, sagt der TuS-Spieler, der die Skeptiker zu überzeugen versucht und hofft, dass das „Schubladendenken“ aufhöre, „indem man Leute zu E-Sports-Veranstaltungen einlädt und sie sich davon ein umfangreiches Bild machen können.“

Thomas Schulze, der neben seiner Trainertätigkeit beim TuS Wahrburg auch dem Jugendausschuss des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt angehört, liefert die neuesten Zahlen, die es konkret auf den Punkt bringen, warum E-Sports so weit verbreitet ist. „Demnach spielen in Deutschland 6,5 Millionen von den 12- bis 19-Jährigen E-Sports“, verrät Schulze und fährt fort: „In der Kölner Lanxess-Arena findet ein Turnier mit 16.000 Zuschauern statt. Das sind natürlich Dimensionen, die auch zeigen, wohin sich die Szene entwickelt.“

Für E-Sports-Gegner sind diese Zahlen natürlich ein gefundenes Fressen. Schulze sieht das Projekt nicht nur als wachsende Branche, sondern vor allem auch in der Verantwortung. „Wir glauben, wenn man die Spieler einem Fußballverein angliedert, dass sie auch eher rausgehen und sich bewegen.“ Geplant ist bei kommenden Regionalturnieren die Zweier-Teams wie folgt aussehen zu lassen: Ein Spieler ist Mitglied des Fußballverbandes, verfügt über einen Spielerpass und ist demnach in einem Fußballverein aktiv. Der Partner muss dagegen keinem Verein angehören.

Die Idee hat nach Schulzes Aussagen den Hintergrund, „dass auch der Partner mal auf den Fußballplatz geht, weil wir festgestellt haben, dass viele E-Sportler überhaupt nicht mehr rauskommen“, schilderte Schulze. Frei nach dem Motto: Von der Couch auf den Fußballplatz, um sich sportlich zu betätigen.

E-Sportlern wird zudem vorgeworfen, sie seien häufig unsportlich und verfügen über keinerlei sozialer Kontakt. Hier schreitet Thomas Schulze ein. „Wir haben hier zwei Profis aus der Szene dabei. Beide sehr schlank und rank. Man würde niemals denken, dass sie nur mit Chips und Bier vor der Konsole sitzen.“

Philipp Grempler schlägt in die gleiche Kerbe und sieht sich mit dem ausgetragenen E-Soccer-Turnier bestätigt. „Die Veranstaltung hier liefert das Gegenargument. Wenn man sich die Leute anschaut, ist das eine sehr gesellige Runde. Wir sind alle für dasselbe hier“, machte Grempler klar und deckte anschließend auf: „Man wird kein E-Sportler, weil man einmal vor der Konsole sitzt. Man trainiert dafür genauso wie Fußballer dafür trainieren, um Spiele zu gewinnen.“

Von den Verantwortlichen geht zumindest der Versuch aus, ihren Standpunkt verständlich zu machen. Ob Außenstehende dem eine Chance geben, ist ihnen weiterhin selbst überlassen.

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