LEICHTATHLETIK – Thomas Barthel verpasst sein Ziel bei der U23-DM deutlich

Wenn der Kopf nicht mitspielt

Rückschlag: Thomas Barthel scheiterte bei der DM bereits im Halbfinale.
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Rückschlag: Thomas Barthel scheiterte bei der DM bereits im Halbfinale.

Wetzlar/Stendal – Das Jahr 2019, so hatte es Sprinter Thomas Barthel noch im Winter prophezeit, würde das bislang wichtigste seiner noch jungen Karriere werden.

Es gelte, bei den großen Wettkämpfen Topleistungen abzuliefern, um sich in Position für die Olympischen Spiele in Tokio im kommenden Sommer zu bringen. Elementar sind dazu Highlights wie die Deutsche U23-Meisterschaft, die am vergangenen Wochenende im hessischen Wetzlar ausgetragen wurde. Der für den SC Magdeburg startende Stendaler Barthel hatte sich eine neue Saisonbestleistung zum Ziel gesetzt und wollte so sein Ticket für die U23-EM in Schweden lösen. Doch der 20-Jährige scheiterte. Und das nicht etwa knapp, sondern derart deutlich, dass er im Nachgang nachdenkliche und vor allem selbstkritische Töne anschlug.

Im Vorfeld der Deutschen Meisterschaft strotzte der Altmärker noch vor Selbstvertrauen. Mit starken 10,41 Sekunden aus seinem jüngsten Wettkampf in Jena im Rücken schien sich Barthel pünktlich zur richtungsweisenden DM in Wetzlar seiner Topform zu nähern. Zur EM-Norm fehlte lediglich eine hundertstel Sekunde. Der letzte Schritt sollte in Nordhessen getätigt werden. Den Finaleinzug und eine weitere Annäherung an sein Saisonziel (10,25 Sekunden) hatte sich der SCM-Athlet auf die Fahnen geschrieben. Im ersten Vorlauf deutete auch noch einiges auf ein gutes Wochenende hin: 10,43 Sekunden, Platz zwei in seinem Lauf, den Sprung ins Halbfinale schaffte Thomas Barthel mühelos.

Was folgte, war ein regelrechter Einbruch. Mit desillusionierenden 10,73 Sekunden verpasste der Stendaler sein Ziel schmerzhaft deutlich. Ein Ausrutscher zur Unzeit könnte man meinen, wäre Barthel eine ähnlich schwache Zeit nicht schon vor Kurzem bei einem Meeting in Weinheim unterlaufen (10,71). „Zu kurz, zu träge, im Kopf voller hemmender Gedanken“, analysierte der Altmärker nun auf seinem Instagram-Account und sprach von „einem richtigen Bremsschirm“, der sich nach einem verpatzten Start geöffnet habe. Barthel verkrampfte und lief der Musik hinterher. Ein Kopfproblem, das der Sprinter in der enormen Konkurrenzsituation seiner Altersklasse begründet sieht. Den Olympiatraum hegt Thomas Barthel naturgemäß nicht allein und mittlerweile haben ihn andere Athleten, die er in jüngeren Altersklassen noch distanzieren konnte, ein- oder gar überholt. Ein Zustand, der an einem nachdenklichen und sich ständig reflektierenden Sportler wie Thomas Barthel nagt. Und das hat Folgen: Wenn es darauf ankommt, versagen dem 20-Jährigen die Nerven. Die EM in Schweden hat er verpasst.

„Für die nächste Saison müssen im Training Drucksituationen geschaffen, darunter trainiert und Leistungen gebracht werden“, ist der Stendaler gewillt, seine Schwächen abzustellen. Einfach wird dies nicht, denn neben dem Leistungssport absolviert Barthel auch noch eine Ausbildung in Vollzeit. Ein Nachteil gegenüber der Konkurrenz. Und dennoch bleibt er positiv: „Ich ramme jetzt nicht meinen Kopf in die nächste Weitsprunggrube.“

VON TOBIAS HAACK

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