„Wenn ich dann noch fit bin“

Bei Familie Isik dreht sich vieles um das runde Leder

Familie Isik (von links): Can-Fabian mit Labrador Mischling Lina, Claudia, Max-Yasin, Senol und Tim-Sinan.
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Bei den Isiks dreht sich vieles um Fußball (v.l.): Can-Fabian mit Labrador Mischling Lina, Claudia, Max-Yasin, Senol und Tim-Sinan. Vater und Söhne träumen davon, gemeinsam in einem Team um Punkte zu spielen.
  • Renee Sensenschmidt
    vonRenee Sensenschmidt
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Altmark – Tim. -Sinan erobert vor der Abwehr den Ball und setzt seinen Bruder Max-Yasin auf der rechten Seite in Szene. Dessen Flanke findet Can-Fabian, der mit einem Hechtkopfball am gegnerischen Torwart scheitert.

Aber im Nachsetzen ist Vater Senol zur Stelle und trifft zum viel umjubelten 1:0-Siegtreffer für Schwalbe Schwiesau. Dieses Szenario könnte im Jahr 2027 Wirklichkeit werden, wenn der heute elfjährige Max-Yasin bei den Herren auflaufen darf und sich der Wunsch des 17-jährigen Can-Fabian erfüllt, einmal mit dem Vater und den Brüdern in einer Mannschaft zu stehen. Und an der Seite wird Mutter und Ehefrau Claudia ihren Männern zujubeln. „Wenn ich dann noch fit bin, warum nicht“, meint Senol Isik, der vor 15 Jahren in Klötze und Schwiesau heimisch geworden ist.

Senol Isik ist im türkischen Düzce am Schwarzen Meer östlich von Istanbul aufgewachsen. Im Nachwuchs des heutigen Drittligisten Düzcespor jagte der heute 45-Jährige dem runden Leder hinterher. Obwohl er gelegentlich auch auf anderen Positionen zum Einsatz kam, ist Senol Stürmer, der das Tore schießen liebt. Der Traum vom Profifußball erfüllte sich jedoch. „Ich war kurz davor bei einem Drittligisten zu unterschreiben“, erinnert sich Senol Isik, der diesen Schritt dann doch nicht wagte. Er arbeite stattdessen als Reiseführer und lernte bei dieser Gelegenheit seine Claudia, die in der Türkei Urlaub machte, kennen und lieben. 2003 wurde der erste Sohn Can-Fabian geboren, zwei Jahre später beendete Senol die Fernbeziehung und zog zu seiner Claudia nach Klötze, wo 2009 auch geheiratet wurde.

„Da Integration und das Erlernen der Sprache beim Sport gelingt, wollte ich natürlich auch in meiner neuen Heimat Fußball spielen“, blick Senol Isik zurück. Und dass der Neu-Klötzer nicht beim örtlichen VfB, sondern ausgerechnet bei Schwalbe Schwiesau landete, lag an Nachbar Klaus Henneick. „Der Klaus hatte bereits alles im Vorfeld geregelt“, erinnert sich Claudia Isik. „Ich wusste von nichts. Ich habe erst später mitbekommen, dass zwischen Klötze und Schwiesau eine besondere Rivalität herrscht“, so Senol Isik, der sich als trickreicher Stürmer einen Namen in der Altmark machte. Mit Schwiesau stieg Isik auch in die Landesklasse auf, nach dem Abstieg spielte er für den MTV Beetzendorf und den VfB Klötze noch drei weitere Jahre in dieser Spielklasse. Seit 2013 ist der Deutsch-Türke nur noch für die Männer und die Alten Herren der Schwalben aktiv. Und das sogar als Spielertrainer, unterstützt von Toni Müller und Mario Seidenberg. Aktuell läuft es für die Schwalben in der Kreisoberliga Altmark West ordentlich. Mit 13 Punkten rangiert Schwiesau auf Platz sieben der Tabelle. Senol Isik, Fan des türkischen Erstligisten Fenerbahce Istanbul, steuerte in sechs Begegnungen acht Treffer zum guten Abschneiden bei.

Bereits als Vierjähriger eiferte Can-Fabian seinem Vater nach und begann mit dem Fußball spielen. Seit zwei Jahren spielt der 17-Jährige bei der A-Jugend des SSV Gardelegen in der Verbandsliga. Auch Can-Fabian, der das Gymnasium in Beetzendorf besucht und später einmal Lehrer werden möchte, trägt Stürmerblut in sich. Sein Vorbild ist Lionel Messi, dem er eigentlich im März in Barcelona zujubeln wollte. Alles war gebucht, dann kam Corona und zerstörte die Reisepläne der Isiks. „Das holen wir nach“, verspricht Mutter Claudia, die eigentlich mit Fußball nicht so viel am Hut hat. „Ich sehe meine Kinder und meinen Mann gerne spielen“, so die Verwaltungsfachangestellte, die sich inzwischen auch in der D-Jugend der Schwiesauer engagiert und zu den helfenden Eltern gehört, ohne die sich im Nachwuchssport nicht viel drehen würde. In der D-Jugend kickt Max-Yasin, der natürlich auch Stürmer ist und Timo Werner als Vorbild hat.

Tim-Sinan Isik hat seine fußballerischen Aktivitäten derzeit auf Eis gelegt, schließt aber nicht aus, eines Tages auf dem Fußballplatz zurückzukehren. Die Leidenschaft für den Fußball pflegt der 13-Jährige aber an der Play Station beim berühmten FIFA-Game. Und so zocken die Isik gegeneinander, wobei Vater Senol es nicht so schön findet, wenn Tim-Sinan seine Gegner mit Toren nach Sololäufen des Torhüters demütigt.

In der kommenden Saison werden dann zwei Isiks für die Schwiesauer auf Torejagd gehen. Can-Fabian wird zwar auch weiter für die Gardelegener A-Jugend aufdribbeln, seine in der Verbandsliga gesammelten Erfahrungen aber zusätzlich bei den Schwalben einbringen. Claudia Isik wird ihren Männer weiter den Rücken freihalten und mithelfen, dass in sieben Jahren sich vielleicht der Traum vom Isik-Quartett gemeinsam auf dem Fußballfeld erfüllen wird.

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