HANDBALL SCM-Trainer nach Abbruch nur mit Platzierung zufrieden

Weit entfernt vom Happy-End

Bennet Wiegert in seinem Element: Der Trainer des SC Magdeburg gibt am Spielfeldrand alles, um seine Schützlinge zu motivieren. Das Corona-Virus hat dafür gesorgt, dass die Saison in der Handball-Bundesliga für beendet erklärt wurde.
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Bennet Wiegert in seinem Element: Der Trainer des SC Magdeburg gibt am Spielfeldrand alles, um seine Schützlinge zu motivieren. Das Corona-Virus hat dafür gesorgt, dass die Saison in der Handball-Bundesliga für beendet erklärt wurde.

Magdeburg – Es hätte noch weiter nach vorn gehen können. Oder auch nicht. Ein Titel wäre noch drin gewesen. Im EHF-Pokal. Doch die Tage der Konjunktive sind gezählt. In ungewissen Corona-Zeiten hat Handball-Bundesligist SC Magdeburg nun die Gewissheit: Die Saison ist vorbei.

Die Sieben von Trainer Bennet Wiegert schließt diese als Drittplatzierter ab. Und hat sich somit für die neue European Handball League qualifiziert. Wirklich zufrieden ist der Coach aber nicht.

„Es war keine Riesen-Überraschung. Ich konnte mich schon darauf einstellen. Aber das verarbeitet zu haben, soweit bin ich noch nicht.“ Von hundert ging es für Wiegert auf null. Kurzarbeit. Kein beruflicher Kontakt zu seinen Schützlingen. Wenn er mit ihnen telefoniert, dann privat. So weiß er auch, dass sie sich zumindest fit halten. Auch wenn der Handball allen fehlt. Statt seinem geliebten Job nachgehen zu können, ist der SCM-Coach nun Vollzeit-Daddy, da seine Frau im Gesundheitswesen arbeitet. „Das ist total ungewohnt für mich, ich hatte nie so viel Zeit. Und das ist auch nicht wie Urlaub“, gesteht er ein.

Keiner weiß, wann die neue Saison beginnt. Doch immerhin kann Wiegert die abgebrochene nun Revue passieren lassen. „Ich glaube, dass wir auch am Ende der Saison mit dieser Platzierung hätten leben können in der Handball-Bundesliga.“ Hinter dem erklärten Meister THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt Dritter geworden zu sein, macht den Trainer stolz auf seine Mannschaft, die ja ab Ende 2019 vier wichtige Spieler-Ausfälle kompensieren musste. Nachdem Marko Bezjak komplett ausfiel, Albin Lagergren, Zeljko Musa und Christian O’Sullivan über weite Phasen, musste der SCM zwei neue Spieler verpflichten.

Doch Gisli Kristjansson verletzte sich schon in seiner ersten Partie. Kay Smits fand sich gut ein. Trotz aller Probleme auf dem Podest zu landen, das hätte schief gehen können. Wiegert weiß, dass noch schwere Spiele vor ihm und seinem Team gelegen hätten. So hätte am Ende auch Platz fünf herauskommen können. Ob nach oben noch etwas möglich gewesen wäre, kann er nicht sagen. „Das ist alles blanke Theorie.“ So konnte der SCM seinen dritten Platz der vorherigen Spielzeit bestätigen. Was schmerzt, ist nicht nur der Abbruch, sondern auch der fehlende Titel. Und der war im EHF-Pokal zum Greifen nahe. Zwar habe die EHF die Saison noch nicht für beendet erklärt. Doch der SCM-Coach hat keinerlei Hoffnungen mehr auf eine Fortsetzung.

Dabei lief es in der schweren Gruppe mit Champions-League-Aspirant Nantes perfekt. Die Grün-Roten gewannen alle bisherigen Partien, auch beide gegen die Franzosen. Ergebnisse, mit denen selbst Wiegert nicht unbedingt gerechnet hat. „Nantes hat einen Champions-League-Kader.“ Und in der europäischen Spitzenliga kann das Team aufgrund des Abbruchs in Frankreich auch in der kommenden Saison agieren. Der SCM hat sich für die neue European Handball League qualifiziert. Ein Wettbewerb, der sich nicht wesentlich vom EHF-Pokal unterscheide, sagt der SCM-Trainer. Hier sei vom Fußball abgekupfert worden. Dennoch werde der Cup unter neuem Namen aufgewertet.

Wann es dort und auch in der Bundesliga wieder losgeht, weiß niemand. Wiegert hofft auf Ende September, Anfang Oktober. Es könne aber auch sein, dass in diesem Jahr kein Ball mehr fliegt. „Ich glaube, es gibt Chancen dafür. Aber wir sind an die Bundesregierung gebunden, wie der normale Bundesbürger auch.“

Der Magdeburger wartet nun auf den 31. August. Bis dahin gilt das Verbot für Großveranstaltungen. Bis dahin bleibt nur Ausharren. „Das ist so ein dynamischer Prozess. Ich habe aufgehört, mich damit zu beschäftigen, weil es mich fertigmacht. Jede Woche neue Zahlen. Ich habe jetzt Abstand gefunden, weil ich dieses Corona-Ding nicht bestimmen kann. Diese Ungewissheit ist so schlimm.“

VON SABINE LINDENAU

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