Eine Hommage an den altmärkischen Sport, der coronabedingt stillsteht

Warum du uns fehlst

Triumph und Unglück in einem Bild: Doch das ist nur ein Sportfoto, das uns wehmütig an die Zeit in der Altmark erinnert, als auf Fußballplätzen, in Sporthallen, auf Reit- und Leichtathletikanlagen Wettkämpfe stattfanden. Stand heute ist daran nicht zu denken. Foto: nowak
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Triumph und Unglück in einem Bild: Doch das ist nur ein Sportfoto, das uns wehmütig an die Zeit in der Altmark erinnert, als auf Fußballplätzen, in Sporthallen, auf Reit- und Leichtathletikanlagen Wettkämpfe stattfanden. Stand heute ist daran nicht zu denken.

Altmark – Heute ist Freitag. In der Regel ist die Sporttasche zur Hälfte gepackt, die Vorfreude auf das Sport-Wochenende in der Altmark ist jedes mal aufs Neue groß. Doch die Corona-Pandemie sagt in diesen schweren Zeiten: „Vergiss es.

“ Die AZ hat zusammengetragen, was den Sport in der Altmark ausmacht und warum er uns momentan so sehr fehlt.

Wir vermissen es, den Vorbericht kurz vor dem Wochenende zu lesen. Nur um zwischen den Zeilen zu erfahren, mit welchen taktischen Mitteln der Gegner uns das Leben schwer machen will. Es fehlt uns, sich im Winter bei Eiseskälte aus der Kabine zu quälen. Doch mit Anpfiff befinden wir uns direkt auf Betriebstemperatur. Mittlerweile bleibt es sogar aus, dass wir uns selbst die Schuld dafür geben, dass wir in Rossau zwei Minuten vor Anpfiff keinen Parkplatz am Sportplatz bekommen. Obwohl uns bewusst ist, dass der Osterburger FC zum Derby anreist und in Rossau an einem Sonntag ordentlich was los sein wird. Wir wollen wieder tückische Angaben beim Tennis, Tischtennis und Volleyball sehen, die den Gegner auf dem falschen Fuß erwischen sollen.

Gleiches gilt für die schnelle Mitte beim Handball, die fehlerfrei im hohen Tempo ausgespielt wird und mit dem umjubelten Torerfolg endet. Apropos Handball: Wir ertragen die leeren Sporthallen nicht mehr, die bei altmärkischen Prestigeduellen gut gefüllt und stimmungsvoll sind. Wir lechzen danach, wie ein gewonnener Zweikampf oder eine Balleroberung sich innerhalb eines Wimpernschlags in positive Energie für das gesamte Team umwandelt. Selbst die Zwischenrufe von außerhalb werden vermisst – bei denen jeder für 90 Minuten plötzlich Bundesliga-Coach ist, einen Schiedsrichterschein und wie Lothar Matthäus 150 Länderspiele gemacht hat.

Wir sehnen uns danach, aufgrund der Stille in der Nachspielzeit den letzten Atemzug des Elfmeterschützen zu hören, bevor er anläuft und das Ding unhaltbar in die Ecke jagt. Stichwort Ecke: Wenn neun Ecken harmlos sind und der zehnte Versuch zum Torerfolg führt – ist das nicht wunderbar? Uns fehlt es, wenn die Leichtathleten und Reiter im ersten Versuch an der Hürde scheitern, um sich beim zweiten Anlauf erneut zu motivieren und die Hindernisse erfolgreich meistern.

Erfolge, Bestzeiten, Rekorde, Medaillen und Auszeichnungen, für die wir hart trainieren, sind in dieser Zeit überhaupt kein Thema mehr. Triathleten, die ihre Vielseitigkeit im Schwimmen, Radfahren und Laufen demonstrieren, können ihre Kilometer mit purem Willen nicht mehr absolvieren, um erschöpft und überglücklich die Ziellinie zu überqueren.

Wir vermissen die Momente, in denen wir beim Basketball vor der Schlusssirene den Sieg von der Dreierlinie in letzter Sekunde herbeiführen. Dazu gehören die technische Beherrschung und eine Menge Präzision in Drucksituationen. Genauigkeit ist auch beim Bogenschießen und beim Darts elementar. Das Ziel wird anvisiert und die Pfeile landen dort, wo wir sie haben wollen. Aktuell fällt für uns weg, dass wir in Kampfsportarten unsere Ängste ablegen, wenn wir unserem Kontrahenten im Boxring oder der Judomatte gegenüberstehen.

Uns fehlen die aufheulenden Motoren, die die Motocrossstrecken bereichern. Wir vermissen die Trainerkommandos, die aufbauenden Worte im Wettkampf. Während die Profis ihren Sport ausüben, haben wir unsere Lieblings-Spotify-Playlist und die einsamen Läufe durch den Wald so langsam satt. Sport schweißt zusammen, ruft das Gruppengefühl hervor. Doch wir drehen alleine unsere Runden.

Sport, du fehlst uns! Wie viele Gründe sollen wir dir noch nennen? Komm zurück zu uns. Dorthin, wo du hingehörst und deinen Platz hast. Wir und unsere vorgepackte Sporttasche warten mit großer Vorfreude auf dich.

VON PATRICK NOWAK

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