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Warum der FSV Saxonia Tangermünde plötzlich aufblüht

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Von: Tobias Haack

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Trainer Steffen Lenz spendet Beifall für sein Team.
FSV-Trainer Steffen Lenz kann im Moment nur applaudieren. © Haack

Schwach begonnen, stark reagiert: Der FSV Saxonia Tangermünde verblüfft die Verbandsliga. Die Altmark-Zeitung hat beleuchtet, woher der Höhenflug des Aufsteigers kommt.

Der FSV Saxonia Tangermünde ist DIE positive Überraschung der Fußball-Verbandsliga. Nach einem missglückten Saisonstart hat sich der Aufsteiger binnen kürzester Zeit neu erfunden und rollt seitdem offensivstark wie zu besten Zeiten durch Sachsen-Anhalts Oberhaus. Doch wie war diese Wandlung möglich? Welchen Schlüsselmoment gab es, der offensichtlich alle Blockaden gelöst hat? Die Altmark-Zeitung hat versucht, dem spektakulären Höhenflug der Kaiserstädter auf den Grund zu gehen.

Verzweiflung nach dem Fehlstart

Es war der Nachmittag des 13. August, an dem an der Elbe bereits sämtliche Euphorie nach drei rauschhaft dominanten Jahren in Landesklasse und Landesliga verflogen war. Inzwischen in der Verbandsliga angekommen, verlief der Saisonstart der Saxonia schmerzhaft. Soeben hatte der FSV im Landespokal chancenlos mit 0:4 gegen den FSV Barleben verloren. Wenige Tage zuvor geriet das Eröffnungsspiel gegen den 1. FC Lok Stendal mit 0:5 zu einem Fiasko. Vorne verbreitete die Tormaschine der Vorjahre keinerlei Gefahr mehr. Hinten fielen die Gegentreffer viel zu einfach.

Trainer Steffen Lenz probierte in dieser Phase noch einiges aus. Mal war es die Viererkette, mal die Fünferkette. Die Neuzugänge, von denen es im Sommer gleich sieben gab, funktionierten noch nicht, oder waren einfach noch nicht fit. „Demotivierend“, empfand Lenz damals die Vorführung, die seine Elf gegen den abgezockten FSV Barleben hinnehmen musste. In einer ersten Reaktion wirkte der FSV-Coach geschockt, versprach aber, dass man an den zahlreichen Fehlern und Schwachstellen arbeiten werde. Was sollte er auch anderes sagen?

Die richtigen Schlüsse gezogen

Offensichtlich war dies aber nicht nur so dahingesagt, denn nur eine Woche später lieferte der FSV das erste Ausrufezeichen. Das 5:0 bei Blau-Weiß Farnstädt war ein Befreiungsschlag – und der Beginn einer kleinen Serie. Es folgten ein hochverdienter 4:2-Heimsieg gegen Verbandsliga-Urgestein Haldensleben und ein beachtliches 1:1 beim 1. FC Bitterfeld-Wolfen. Irgendetwas war passiert „Am Wäldchen“. „Aus den ersten Spielen haben wir die richtigen Erkenntnisse für uns gezogen“, rekapituliert Steffen Lenz heute, „Wir haben gesehen, dass es in der Verbandsliga so wie gegen Lok und Barleben nicht geht. Uns fehlte es an Leidenschaft und an Durchsetzungsvermögen in Eins-gegen-eins-Situationen. Das haben wir dann verstärkt ins Training eingebaut und verbessert.“

System und Teamgeist stimmen

Hinzu kam eine System-Umstellung. Mittlerweile haben Lenz und sein Trainerteam die perfekte Grundformation gefunden. Im 4-2-3-1 mit Alexander Klitzing auf der Zehnerposition setzt der FSV auf überfallartigen Konterfußball über die beiden pfeilschnellen Pascal Lemke und Maurice Pascale Schmidt, die von Klitzing immer wieder perfekt bedient werden. Der Haldensleber SC war damit überfordert und auch Titelanwärter SV Dessau (5:1) fand überhaupt kein Mittel gegen das Umschaltspiel der Saxonen. Ebenso wenig wie Eintracht Emseloh am vergangenen Wochenende (6:0).

Lenz: „Ich möchte nicht sagen, dass diese Formation in Stein gemeißelt ist. Aber es ist im Moment das System, das uns den Erfolg bringt. Es ist das Richtige für uns.“ Die Abwehr steht, im zentralen Mittelfeld zieht ein sehr präsenter Jonas Lehmann die Fäden und vorne wirbeln Klitzing, Schmidt und Lemke. Bei der Saxonia greift ein Rädchen ins andere. Laut Lenz wäre all dies aber nicht ohne einen überragenden Teamgeist möglich. „Der Zusammenhalt stimmt bei uns an allen Ecken und Enden. Das zeichnet diese Mannschaft aus“, unterstreicht der Trainer gegenüber der Altmark-Zeitung.

Ex-Stendaler Maurice Schmidt schlägt beispiellos ein

Was ebenfalls stimmt beim Überraschungsteam der Liga, ist die Formkurve seines Sommerneuzugangs Maurice Schmidt. Der Angreifer steht nach sieben Spielen bei famosen zehn Saisontoren und könnte sich damit schon entspannt zurücklehnen. „Mein Ziel war es, mehr Tore zu schießen als in der letzten Saison. Das habe ich jetzt schon seit ein paar Spielen erreicht“, lacht Schmidt, der nach anstrengenden Jahren im Oberliga-Abstiegskampf beim 1. FC Lok Stendal nun ein paar Kilometer weiter regelrecht aufblüht. Dass ihm der Abgang von seinem Jugendverein im Sommer nicht leicht gefallen ist, verhehlt der 21-Jährige nicht. Aber irgendwie hat es nicht mehr gepasst.

„Ich wäre gerne in Stendal geblieben, aber wir sind in den Gesprächen auf keinen Nenner gekommen. Dann hat mir der Verein zu verstehen gegeben, dass er mir keine Steine für einen Wechsel in den Weg legt. Das war ein klares Zeichen, dass man nicht mit mir plant“, so Schmidt, den FSV-Sportdirektor Michael Fraaß schließlich vom Weg der Saxonia überzeugte. „Das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte“, schwärmt Schmidt, dessen Versetzung vom Flügel in den Angriff den Knoten zum Platzen brachte.

Und wie geht es jetzt weiter? „Mit Prognosen tue ich mich schwer. 13 Punkte sind aber auf jeden Fall eine gute Basis“, so der Zehn-Tore-Mann, der mit dem FSV die Welle weiterreiten möchte.

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