VOR 30 JAHREN Dirk Grempler mit dem FCM beim DFB-Hallenmasters

Wahnsinn auf dem Kunstrasen

Dirk Grempler und Jörg Dobritz (l.) qualifizierten sich mit dem 1. FC Magdeburg 1991 überraschend für das DFB-Hallenmasters und trafen in der Dortmunder Westfalenhalle auf Borussia Mönchengladbach, den VfB Stuttgart und Bayern München. Foto: privat
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Dirk Grempler und Jörg Dobritz (l.) qualifizierten sich mit dem 1. FC Magdeburg 1991 überraschend für das DFB-Hallenmasters und trafen in der Dortmunder Westfalenhalle auf Borussia Mönchengladbach, den VfB Stuttgart und Bayern München.

Altmark – „Wir sind die Größten der Welt – FC Magdeburg“. Jeder Fan des FCM kennt dieses Lied, doch die Realität ist aktuell eine ganz andere. Abstiegskampf in der 3. Liga statt Fußball-Bundesliga.

Ein Traum, der vor 30 Jahren möglich war und beim DFB-Hallenmasters 1991 für wenige Stunden gelebt werden konnte.

Große Hoffnung

„Das war eine sehr schnelllebige Zeit. Die Hoffnung war groß, dass wir uns für die 1. oder 2. Bundesliga qualifizieren werden“, erinnert sich Dirk Grempler, der von 1990 bis 1994 bei den Elbestädtern kickte. Und so war der heutige Bismarker in der letzten Saison der DDR-Oberliga dabei, als die Ränge eins und zwei (Qualifikation 1. Bundesliga) sowie vier bis sechs (2. Bundesliga) das Ziel war.

Nach Platz drei in der Saison 1989/90, Dirk Grempler kam in der Winterpause von Dynamo Eisleben zum FCM, gehörten die Elbestädter zum Kreis der Anwärter auf die Bundesligaplätze. Doch diese Plätze waren hart umkämpft. Während überraschend Hansa Rostock vorn wegmarschierte, entwickelte sich auf den Plätzen dahinter ein harter Kampf. Bis zur Winterpause konnte der FCM nur 12:14-Zähler erspielen, lag als Tabellenneunter damit aber nur einen Punkt hinter dem Fünften Carl Zeiss Jena.

Starke Hallensaison

Dann ging es unter das Hallendach, unter dem die Truppe von Trainer Siegmund Mewes stark aufspielte. Vor 30 Jahren lockte das DFB-Hallenmasters zahlreiche Fans zu den insgesamt 15 Turnieren, bei denen Punkte für die Teilnahme am Masters in Dortmund vergeben wurden. „Damals haben die Bundesligisten die Hallensaison sehr ernst genommen. Alle Spieler, die Rang und Namen hatten, waren dabei“, erinnert sich Dirk Grempler, der sich mit dem FCM als einziger Ost-Club überraschend für das Masters qualifizieren konnte.

Denn beim Turnier in Stuttgart gelang die erste Überraschung. Die Magdeburger erreichten das Finale, dass der FCM gegen den VfB Stuttgart mit 4:5 verlor. Matthias Sammer erzielte im „Sudden Death“ das entscheidende Tor. „Die jungen Bengel haben unter Beweis gestellt, dass wir guten Fußball spielen können“, zeigte sich Trainer Siegmund Mewes zufrieden. Und auch Dirk Grempler hat dieses Turnier nicht vergessen. „Da habe ich das erste Mal auf Kunstrasen gespielt. Das war ungewohnt.“

Durch den zweiten Platz in Stuttgart und der hohen Wertigkeit dieses Turniers sicherte sich der FCM 81 Qualifikationspunkte für das Masters. Eine Woche später war der FCM in der heimischen Gieseler-Sporthalle Gastgeber eines weiteren Turniers, bei dem Punkte für das Masters vergeben wurden. Und auch auf Parkettboden kam der FCM gut zurecht und sicherte sich ungeschlagen vor dem VfL Oldenburg und dem VfL Wolfsburg den Gesamtsieg. Der brachte noch einmal 64 Punkte, die die Qualifikation für das DFB-Hallenmasters perfekt machten. „Die Stimmung war unglaublich, das Hallendach bebte“, so der gebürtige Quedlinburger.

Das Masters

In der Dortmunder Westfalenhalle sorgten an den Turniertagen jeweils 11.500 Zuschauer für eine super Stimmung. „Das war der Wahnsinn und ich war dabei. Das war noch richtiger Budenzauber, den die Bundesliga-Stars dort veranstalteten.“ Dirk Grempler traf mit dem FCM im ersten Spiel auf Borussia Mönchengladbach, gegen den der FCM zuvor in Stuttgart im Halbfinale siegen konnte. Doch ein zweites Mal ließen sich die Gladbacher nicht überraschen und gewannen mit 3:2. Der VfB Stuttgart war im zweiten Spiel dann eine Nummer zu groß, die Mewes-Truppe verlor mit 1:5. In ihrem dritten Gruppenspiel trafen die Magdeburger auf Bayern München, das mit einem hohen Sieg noch das Halbfinale erreichen konnte. Doch der FCM hielt gut dagegen und verlor nur mit 3:5. Man war damit ausgeschieden, die Bayern aber auch.

Mönchengladbach (3:4 gegen Dortmund) und Stuttgart (2.6 gegen Bremen) scheiterten anschließend im Halbfinale, Borussia Dortmund gewann das Endspiel gegen Werder Bremen mit 8:7 nach Neunmeterschießen. „Das waren drei tolle Tage. Wer da alles mitgespielt hat, das vergisst man nicht“, blickt Dirk Grempler auf einen Höhepunkt seiner Fußball-Karriere zurück.

Zwei Punkte fehlen

Die Euphorie vom Hallenmasters konnten die Magdeburg anschließend jedoch nicht mit in den Oberliga-Alltag nehmen. Gegen Lok Leipzig (0:2), Stahl Eisenhüttenstadt (0:4) und Carl Zeiss Jena (0:2) legte die Mewes-Elf einen Fehlstart in die Rückrunde hin. Zwar steigerten sich die Elbestädter anschließend, auch Meister Hansa Rostock mit 2:1 bezwungen, doch mit 26:26 Punkten und Platz neun wurde das Minimalziel sechster Platz um zwei Punkte verpasst.

Chance verpasst

In der folgenden Aufstiegsrunde mit Union Berlin, dem FC Berlin und Stahl Brandenburg gab es noch eine zusätzliche Chance auf das das Erreichen der 2. Bundesliga. Doch auch diese konnte der FCM nicht nutzen. Stahl Brandenburg, mit Steffen Freund, Roy Präger sowie dem späteren Stendaler Silvio Demuth im Aufgebot, nutzte die Gunst der Stunde und sicherte sich mit 9:3 Punkten überraschend den ersten Platz, während der FCM mit 2:10 Punkten als Vierter arg enttäuschte. Eine Erklärung dafür hat Dirk Grempler 30 Jahre später nicht so richtig. „Die wichtigen Spiele haben wir verloren.“ Es war in der schnelllebigen Zeit des Umbruchs halt auch nicht so einfach, sich auf das Fußballspielen zu konzentrieren. Zudem erhielten auch zahlreiche Mitspieler Gremplers von Bundesligisten sportliche Angebote und folgten den finanziellen Verlockungen.

Zukunft Altmark

Dirk Grempler ging indes mit dem FCM den Weg in die Amateur-Oberliga und schloss sich 1994 dem FSV Lok Altmark Stendal an, der sich für die Regionalliga qualifiziert hatte. 188 Pflichtspiele bestritt „Grempe“ für Lok und war 1995 dabei, als die Stendaler im DFB-Pokal bis ins Viertelfinale vorstoßen konnten und dort an Bayer Leverkusen erst mit 4:5 im Elfmeterschießen scheiterten. Aber das ist eine ganz andere Geschichte ...

Statistik

DFB-Hallenmasters 1991

Aufgebote

1. FC Magdeburg: Heyne, Narr, Mischok - Stahmann, Siersleben, Cebulla, Grempler, Enge, Müller, Ehle - Minkwitz, Dobritz, Krause, Landrath, Köhler, Gerlach, Fuchs - Rösler, Laeßig, Schwerinski, Abraham. Trainer: Mewes.

Bayern München: Aumann, Hillringhaus, Augenthaler, Grahammer, Kohler, Pflügler, Reuter - Effenberg, Nielsen, Schwabl, Strunz, Thon, Ziege - M. Bender, Laudrup, McInally, Milhajlovic, Sternkopf, Wohlfahrt. Trainer: Heynckes.

Borussia Mönchengladbach: Brunn, Kamps - Becker, Eichin, Huschbeck, Klinkert, Pfannkuch, Stefes, Straka, Winkhold - Dreßen, Hochstätter, Ketter, Marell, Meier, Kastenmeier, Criens. Trainer: von Bruch.

VfB Stuttgart: Immel, Trautner - Allgöwer, Buchwald, Frontzeck, Hartmann, Schäfer, N. Schmäler, Schnalke, Schneider, Strehmel - Basualdo, Buck, Gaudino, Jüptner, Keller, Kramny, Sammer - Kastl, Kögl, Rasmussen, O. Schmäler, Walter. Trainer: Daum.

1. FC Köln: Diergardt, Illgner - Andersen, Baumann, Gielchen, Giske, Higl, Jensen, Steiner - Britz, Daschner, Flick, Greiner, Heldt, Janßen, Litbarski, Ordennewitz, Rudy - Banach, Fuchs, Götz, Sturm. Trainer: Ruthemöller

1. FC Kaiserslautern: Ehrmann, Serr - Friedmann, Haber, Hajradinovic, Kadlec, Kranz, Lutz, Stadler, Stumpf - Dooley, Ernst, Goldbaek, Hoffmann, Lelle, Renner, Richter, Roos, Scheer, Schupp, Wiezik - Hotic, Kuntz, Labbadia, Winkler. Trainer: Feldkamp.

Borussia Dortmund: de Beer, Klos, Meyer - Gorlukovich, Helmer, Karl, Kutowski, Nikolic, Quallo - Breitzke, Franck, Gutberlet, Lusch, Poschner, M. Rummenigge, Sterath, Zorc - Driller, Mill, Povlsen, Wegmann. Trainer: Köppel.

Werder Bremen: Reck, Rollmann - Bockenfeld, Borowka, Bratseth, Otten, Sauer, Schaaf - Eilts, Harttgen, Hermann, Votava, Wolter - Neubarth, Rufer, K. Allofs. Trainer: Rehhagel.

Ergebnisse

Gruppe A Bayern München - VfB Stuttgart 1:1

Magdeburg - Mönchengladbach 2:3

VfB Stuttgart - 1. FC Magdeburg 5:1

Mönchengladbach - München 5:1

Bayern München - Magdeburg 5:3

Mönchengladbach - Stuttgart 3:2

Endstand

1. Bor. Mönchengladbach 11: 5 / 6:0

2. VfB Stuttgart 8: 5 / 3:3

3. Bayern München 7: 9 / 3:3

4. 1. FC Magdeburg 6:13 / 0:6

Gruppe B

Bor. Dortmund - Kaiserslautern 5:2

1. FC Köln - Werder Bremen 1:3

Kaiserslautern - 1. FC Köln 6:5

Werder Bremen - Dortmund 3:3

Dortmund - 1. FC Köln 2:2

Bremen - Kaiserslautern 8:2

Endstand

1. Werder Bremen 14: 8 / 5:1

2. Borussia Dortmund 10: 7 / 4:2

3. 1. FC Kaiserslautern 10:18 / 2:4

4. 1. FC Köln 8:11 / 1:5

Halbfinale

Dortmund - Mönchengladbach 4:3

Bremen - Stuttgart 6:2

Finale

Dortmund - Bremen 8:7 n.N.

VON RENEE SENSENSCHMIDT

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