Fußball – Krise am „Hölzchen“: Lok-Fan erklärt, was hinter den Protesten gegen Troeger steckte

„Von Prämien wussten wir nichts“

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Die „Waldseite“ gilt als treuer Kern der Fanszene des 1. FC Lok Stendal. Aufgrund ihrer Unmutsäußerungen trat Sport-Vorstand Ralf Troeger vor knapp zwei Wochen zurück. Er vermutete eine Intrige von Mannschaft und Trainer.

Stendal. Das Heimspiel des 1. FC Lok Stendal gegen den Greifswalder FC war eine knappe Viertelstunde alt, da entrollten die Fans auf der Waldseite zwei Plakate, die weitreichende Folgen haben sollten. „Troeger raus“ und „Troegers One-Man-Show beenden“, forderten die Anhänger.

Die Liste der Vorwürfe der Stendaler Fans gegen den ehemaligen Sport-Vorstand war lang. Gegen Greifswald kam es zum Protest.

Dass ihre Wünsche schneller als gedacht in Erfüllung gehen würden, ahnten sie zu diesem Zeitpunkt nicht. Noch in der Halbzeitpause trat Sport-Vorstand Troeger von seinem Amt zurück und damit eine Lawine los. Es begann eine Schlammschlacht mit wilden Theorien von vielen Seiten, die dem Verein schadete und ausgerechnet in der Woche des DFB-Pokalspiels gegen Arminia Bielefeld ein denkbar schlechtes Licht auf den altmärkischen Oberligisten warf. Der „Kicker“ beispielsweise widmete dem Chaos am „Hölzchen“ eine ganze Seite. Im Fokus der Berichterstattungen standen nicht zuletzt auch die Fans. Sie seien instrumentalisiert worden, hieß es. Doch dagegen wehrt sich die organisierte Fanszene des 1. FC Lok. Im Gespräch mit der Altmark Zeitung hat ein gut vernetzter Anhänger, der anonym bleiben möchte, nun die Hintergründe der Proteste offen gelegt.

„Wir waren einfach unzufrieden, wie die Vorbereitung gelaufen ist. Wichtige Spieler sind gegangen, aber Neuzugänge gab es lange Zeit nicht. Außerdem schien sich der Verein nicht sonderlich für die Belange der Fans zu interessieren“, schildert der Anhänger. Konkret störte sich die „Waldseite“ daran, dass es für Fans keine Trikots zu kaufen gibt, dass die Verkaufsmodalitäten der DFB-Pokal-Tickets lange Zeit unklar waren und obendrein auch der Verkauf von Dauerkarten nicht geregelt ist. „Das ist eine richtig schlechte Organisation. Der Verein wirkt in diesen Bereichen einfach extrem unprofessionell und kann sich überhaupt nicht vermarkten!“

Es sei eine Summe zahlreicher Unzulänglichkeiten gewesen, die letztlich zu den Unmutsäußerungen gegen den Sport-Vorstand geführt hätte. „Die Kaderplanung wurde viel zu spät angegangen – wie jedes Jahr. Hinzu kommen die ganzen Abgänge von Spielern der A-Jugend und zweiten Mannschaft und die Verluste von Jugendtrainern oder wichtigen Personen wie Guido Klautzsch. Es hatte sich einfach eine Menge angestaut“, so der Fan-Insider.

Der ehemalige Sport-Vorstand Troeger witterte hinter den Plakaten und Sprechchören eher eine Intrige von Mannschaft und Trainer, die ihren Forderungen nach einer Erfolgsprämie von 36.000 Euro Nachdruck verleihen wollten. Die „Troeger rück die Kohle raus“-Gesänge seien diesbezüglich ein eindeutiges Indiz gewesen, so seine Theorie in einem Leserbrief am vergangenen Donnerstag. „Das ist überhaupt nicht der Fall. Von diesen Prämien wussten wir Fans doch überhaupt nichts. Unsere Forderungen bezogen sich darauf, dass der Verein die Einnahmen aus dem DFB-Pokal in neue Spieler investieren sollte, um die Abgänge zu kompensieren“, stellt der Lok-Anhänger gegenüber der AZ klar. Dass dies noch gar nicht möglich ist, da der 1. FC Lok die Gelder des DFB – eine niedrige sechsstellige Summe – erst in den kommenden Wochen erhält, wusste die „Waldseite“ nicht. „Der Verein hat es verpasst, darzustellen, dass diese Gelder erst später zur Verfügung stehen“, beklagen die Fans fehlende Transparenz, die letztlich zu einigen Missverständnissen geführt hätte.

Unglücklich war im Nachhinein auch der Zeitpunkt der Proteste, eine Woche vor dem Highlight-Spiel im DFB-Pokal. „Auf Bielefeld war das überhaupt nicht bezogen. Es sollte einfach ein Denkanstoß im ersten Heimspiel sein“, so der Fan, „dass Herr Troeger gleich zurücktritt, haben wir gar nicht erwartet. Das kam für alle überraschend.“ Ebenso wie das, was folgte. Seit zwei Wochen herrscht nun akute Unruhe im Verein. Wie es weitergeht, ist nach wie vor unklar. Die Fanszene scheint diesbezüglich indes klare Vorstellungen zu haben: „Viele von uns wünschen sich, dass Guido Klautzsch zurückkommt. Außerdem sollte Herr Nellessen weitermachen, er ist sehr wichtig für den Verein und die Außendarstellung. Es ist sehr wichtig, dass jetzt Ruhe rein kommt. Das ist das, was die Fans wollen.“

Von Tobias Haack

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