TANGERMÜNDER ELBDEICHMARATHON „Jeder für sich und doch zusammen“

Virtueller Lauf gegen Absagenflut

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Dicht an dicht wird in diesen Tagen nicht gern gesehen. Deshalb wird der Tangermünder Elbdeichmarathon zur Freude der Läuferschaft virtuell umgesetzt.

Tangermünde – Die Organisatoren des 13. Tangermünder Elbdeichmarathons haben jüngst die Absage der populären Laufveranstaltung in der Altmark verkündet. Im Zuge der Corona-Ausbreitung blieb keine Wahl. Eine besondere Idee soll den Lauf aber stattfinden lassen.

Eben nur auf eine andere Art und Weise.

Statt wie üblich in Reih und Glied gemeinsam am Startpunkt loszulaufen, um einen Sieger zu ermitteln, plant das Organisationsteam einen virtuellen Durchgang am 18. oder 19. April. „Es ist eine Verbindung in der Läuferschaft. Jeder läuft für sich und am Ende doch zusammen“, stellt Thomas Staudt, Vorsitzender des Tangermünder Elbdeichmarathon e.V., den Kerngedanken dieser ungewöhnlichen Idee heraus. Doch wie kam es dazu? „Das war eine Idee meiner besseren Hälfte“, erklärt Carsten Birkholz, der zuständig für die Finanzen und zudem Hauptorganisator ist.

So soll ein Zeichen gegen die Absagenflut in Zeiten der Corona-Pandemie gesetzt werden, von der das gesellschaftliche Zusammenleben aber auch Sportveranstaltungen betroffen sind. Zu viel Zeit, Mühe und eine fünfstellige Summe wurden in die Vorbereitung dieses Projekts gesteckt. Insgesamt betrug die Planung über zehn Monate. Im Februar wurden noch Gespräche mit Ausstellern geführt und Verträge geschlossen. Man befand sich auf der Zielgeraden.

Dann kam das Virus dazwischen. Eine rechtzeitige Reaktion war nicht mehr möglich. „Wenn man ein bisschen mehr Vorlauf gehabt hätte, da kann aber jetzt keiner etwas dafür, hätte man bestimmte Sachen noch stoppen können“, sagt Birkholz.

Der virtuelle Elbdeichmarathon soll den Läufern als Trost dienen. Da jeder individuell für sich selbst laufen wird, sollte es – solange keine Ausgangssperre verhängt wird – keine Bedenken geben. „Wenn es so bleibt, wie es ist und die Leute alleine laufen, dann sollte es funktionieren“, ist sich Staudt sicher.

Die Sportler müssen über eine Laufuhr verfügen, um zu dokumentieren, dass sie gelaufen sind. Bei Zusendung eines Beweisfotos mit der Zielzeit auf der Laufuhr und der jeweiligen Person kann das Ergebnis in die Datenbank eingetragen werden. Im Zuge dessen ist ein Download der Urkunde möglich. Die Medaillen und Laufshirts werden im Anschluss an die Sportler versendet. Hier wird um Geduld gebeten. Die Auswertung erfolgt manuell, sodass sich die Ergebnisliste nach und nach füllen wird.

Es sei eventuell nicht nachvollziehbar, weiß Birkholz. Das steht aber nicht im Fokus. „Es geht auch nicht um die Platzierung, sondern um die Sache und den Spaß. Ich denke, dass sich viele daran beteiligen werden.“ Über 600 Rückmeldungen wurden abgearbeitet und geprüft. Für den virtuellen Elbdeichmarathon ist eine Anmeldung freigeschaltet worden. In der Folge gab es mehrere Nachfragen nur für diesen Lauf. Darin sehen sich die Organisatoren bestätigt. Wichtig ist den Veranstaltern, dass man den Läufern freundlich und auf Augenhöhe begegne, damit sie nächstes Jahr wiederkommen, vertritt Staudt die Idee, die auch von den meisten gut aufgenommen wird. „Die Resonanz ist positiv.“

Eine Absage haben die Verantwortlichen übers Herz gebracht. Eine Verschiebung oder Neuterminierung stand nicht zur Debatte. Aus dem Grund, dass in diesem Kalenderjahr noch weitere Laufveranstaltungen – in Abhängigkeit der Entwicklung um das Coronavirus – anstehen könnten. Hier zeigt sich der Tangermünder Elbdeichmarathon solidarisch. „Das ist unfair. Da nimmt man nicht die Kundschaft weg“, hält Staudt am April-Termin fest, statt eine Verschiebung in den Herbst durchzusetzen.

Wie so ein virtueller Lauf gehen könnte, zeigte kürzlich der Franzose Elisha Nochomovitz, der medial für Aufsehen sorgte. Er lief einen Marathon auf seinem sieben Meter langen Balkon. Den Läufern in der Region sind beim virtuellen Marathon keine kreativen Grenzen gesetzt. Mehrere Runden im Garten oder um das eigene Haus sind möglich.

In diesen Zeiten hält die Laufgemeinschaft zusammen und lässt sich nicht unterkriegen. Auch, weil der Tangermünder Elbdeichmarathon vorangeht und versucht, das Beste aus dieser Lage zu machen. Das Verständnis und die Reaktionen der Läufer sprechen für sich.

VON PATRICK NOWAK

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