FUSSBALL – DFB-POKAL Warum der FCM in der zweiten Hälfte einbrach

„Viel Kraft gekostet“

Hängende Köpfe nach Abpfiff: Die Fußballer des 1. FC Magdeburg scheiterten im DFB-Pokal nicht nur an Gegner Darmstadt, sondern auch an fehlender Fitness.
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Hängende Köpfe nach Abpfiff: Die Fußballer des 1. FC Magdeburg scheiterten im DFB-Pokal nicht nur an Gegner Darmstadt, sondern auch an fehlender Fitness.
  • Sabine Lindenau
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Magdeburg – Sie waren so kurz davor, die Überraschung zu schaffen. So nah dran an der zweiten Runde im DFB-Pokal. Doch die Fußballer des 1.

FC Magdeburg konnten eine 2:0-Führung am Sonntagabend nicht ins Ziel retten, mussten sich in einer packenden Verlängerung dem Zweitligisten Darmstadt 98 geschlagen geben und sind ausgeschieden. Die Gründe liegen vor allem in der noch fehlenden Wettkampfphysis.

Der Leistungsabfall begann schleichend. Mit der verletzungsbedingten frühen Auswechslung von Tobias Müller (33.), der eine schwere Rippenverletzung erlitt, wurde die bis dahin so stabile Abwehr wackliger. Von diesem Moment an wurde deutlich, wie wichtig der routinierte Innenverteidiger für die Magdeburger Defensive ist. „Tobi ist brutal wichtig für uns“, sagte Christian Beck nach Abpfiff. Dennoch habe Brian Koglin seine Sache auch gut gemacht, wollte der Kapitän dem für Müller eingewechselten Innenverteidiger keine Vorwürfe machen. Bei den Gegentoren, die durch schnelle Umschaltsituationen entstanden, sah die gesamte Magdeburger Hintermannschaft nicht gut aus. Sie stand zu hoch, es war leicht für die Lilien, durchzustarten. „Die Gegentore waren zu einfach, das war immer das gleiche Muster von Darmstadt“, ärgerte sich Jürgen Gjasula, der auf der Doppelsechs mit Neuzugang Adrian Malachowski sehr gut harmonierte. Von Tobias Müller gibt es keine guten Nachrichten: Er erlitt einen doppelten Rippenbruch, wird etwa sechs Wochen ausfallen.

Noch entscheidender als der frühe Müller-Ausfall war die fehlende Kraft und Kondition kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit. „Wir haben aus der vollen Vorbereitung heraus gespielt“, erklärte Trainer Thomas Hoßmang die leeren Akkus seiner Jungs nach einer guten Stunde. „Die erste Halbzeit hat uns viel Kraft gekostet“, sah auch Beck ein. Nur so konnten die Darmstädter in der zweiten Halbzeit überhaupt zu ihren Kontertoren kommen. Hoßmang wusste vor dem Spiel, dass seine Schützlinge noch nicht bei 100 Prozent sind. „Diese 120 Minuten haben sie aber auf ein nächstes Level gebracht, das haben wir auch mit einkalkuliert.“ Das Spiel habe geholfen, die notwendige Wettkampfhärte für den am kommenden Sonntag beginnenden Ligabetrieb zu gewinnen. Coronabedingt war die Vorbereitung kürzer als gewohnt. Zudem wurde sie nach dem Trainingsauftakt durch den positiven Corona-Test von Malachowski direkt unterbrochen.

Was Trainerteam, Spielern und Fans gleichermaßen Mut machen sollte, sind die erste Halbzeit und der Kampfgeist in der Schlussphase der Verlängerung. Hier haben die Magdeburger die FCM-Tugenden auf den Rasen gebracht. Der Funke der Leidenschaft, mit dem sie agierten, sprang auf die 5 000 Zuschauer über. Die Atmosphäre erinnerte an Vor-Corona-Zeiten, als Stadien noch voller Fans waren. „Die erste Halbzeit entspricht unserem Fußball. Wir waren präsent, haben Darmstadt nicht in Ruhe gelassen“, war Hoßmang sichtlich zufrieden. „Das sollte unser Weg sein“, wünscht sich der Trainer, dass seine Profis diese aktive Art des Fußballs für mindestens 70 Minuten durchhalten. Natürlich überwog am Sonntagabend auch beim Coach die Niedergeschlagenheit. „Wir sind gegen einen routinierten Zweitligisten ausgeschieden, aber in einer ordentlichen Art und Weise.“

Und das macht Hoßmang Mut für den Drittliga-Auftakt am kommenden Sonntag im Heimspiel gegen den Halleschen FC. Mit der Leistung der ersten Halbzeit sollte ein starker Saisonstart möglich sein. „Wir müssen das Positive mitnehmen. Wenn wir das, was wir in der ersten Halbzeit gezeigt haben, über 90 Minuten bringen, bin ich mir sicher, dass wir am Sonntag gegen Halle als Sieger vom Platz gehen“, geht der Blick von Kapitän Beck nach vorn. Am Sonntagabend überwog aber auch bei ihm trotz seines Treffers die Enttäuschung, die Überraschung verpasst zu haben. VON SABINE LINDENAU

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