Fortsetzung des großen AZ-Interviews mit Lok-Vorstand Ralf Troeger

„Es gibt nur einen Plan A!“

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Ralf Troeger (im Bild) erläuterte der Altmark Zeitung ausführlich, wie es derzeit um den 1. FC Lok Stendal bestellt ist und wie der Verein zukünftig aufgestellt sein soll. 

Stendal. Der zweite Teil des großen AZ-Interviews mit Ralf Troeger, dem Sport-Vorstand des 1. FC Lok Stendal, beschäftigt sich mit der Trainerfrage, dem Traum vom DFB-Pokal sowie mit der Gegenwart, der näheren und auch der ferneren Zukunft des fußballerischen Aushängeschildes der Altmark.

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AZ-Interview

Nach dem Aufstieg hatten Sie im Gespräch mit uns gefordert, dass sich jetzt auch die Strukturen verbessern müssen. Dass die Verantwortung im Verein auf mehr Schultern verteilt werden soll. Hat der 1. FC Lok im Hintergrund schon Fortschritte gemacht?

Ich habe Wünsche geäußert. An vielen Stellen sind durchaus Fortschritte zu verzeichnen, etwa im Versorgungsbereich und im Bereich Sicherheit und Ordnung. Im Trainerstab haben wir versucht, junge Trainer zu gewinnen, die sich weiterentwickeln wollen und Impulse setzen können. Dies ist uns mit Steve Audorf, Robert Riep und Oliver Nagel gelungen. Freilich ist es nach wie vor so, dass wir an vielen Stellen Unterstützung gebrauchen können. Die, die da sind, leisten vortreffliche Arbeit, das Pensum ist aber enorm.

Sie haben die Oberliga jetzt schon ein halbes Jahr kennengelernt. Wo sehen Sie Lok im Vergleich zur Konkurrenz, was Organisation und Infrastruktur angeht?

Wir durften auch in der Oberliga feststellen, dass unsere Heimspiele für unsere Gäste etwas Besonderes sind. Das Stadion findet Gefallen und auch logistisch haben wir alles gut bewältigt. Außerdem freut sich jeder Gast über die relativ große Zuschauerresonanz beim 1. FC Lok. Denn natürlich liebt jeder Fußballer die Kulisse. Wir sind auch insoweit oberligatauglich!

Eine kleine Hintergrundfrage: Auf der Ebene, auf der Lok jetzt angekommen ist, gibt es Vereine, die seit Jahren beklagen, dass die finanzielle Schere zwischen dem profi- und dem semiprofessionellen Bereich immer weiter auseinandergeht. Spüren Sie das beim 1. FC Lok Stendal auch? Ist die finanzielle Belastung manchmal etwas zu groß für das Niveau?

Natürlich wünsche ich mir als Vorstand eines Ausbildungsvereins mehr finanzielle Unterstützung von den Institutionen. Alles andere ist Markt. Wir werben für mehr Zuschauer und Sponsoren. Seit Jahren verwalten wir aber eher grundsolide den Mangel. Das Niveau in der Oberliga ist meines Erachtens dabei beachtlich und der 1. FC Lok Stendal Werbeträger für Stadt und Region.

Um in der Oberliga zu bestehen, ist es nötig, mit bis zu vier Einheiten pro Woche fast profiähnlich zu trainieren. Die Hälfte der Oberliga-Mannschaften gönnt sich sogar einen hauptamtlichen Trainer. Ist das ein Schritt, den der 1. FC Lok Stendal auch irgendwann gehen muss?

Das ist gut möglich. Vorher müssen wir aber noch finanziell an Substanz gewinnen.

Ihr aktueller Trainer ist Sven Körner - und das seit über vier Jahren auch sehr erfolgreich. Laut unserer Kenntnis hat er noch einen Vertrag bis zum 30. Juni. Wie ist der Stand der Verhandlungen? Ist die Verlängerung nur noch eine reine Formsache?

Unser Weg ist der Weg der Kontinuität. Für uns stellt sich die Zusammenarbeit unverändert als sehr gut und vertrauensvoll dar. Wenn es nach dem amtierenden Vorstand geht, wird sie dauerhaft fortgesetzt. Das weiß auch der Trainer. Garantien für ein weiteres Miteinander gibt es aber weder mit noch ohne Vertrag. Kurzum: Es ist unser Wunsch, mit Sven weiterzuarbeiten, dafür werden wir tun, was in unserer Macht steht.

Es gäbe also keinen Plan B, wenn ein anderer Verein bei Körner anklopfen sollte und er sich gegen den 1. FC Lok Stendal entscheiden würde?

Es gibt nur einen Plan A!

Wie sieht es denn generell bei der Weiterentwicklung des Trainerstabs aus? Das war vor der Saison als kleine Baustelle ausgemacht worden. Mit Steve Audorf und Martin Ritzmann gibt es zwei Co-Trainer. Wünschenswert wäre wohl noch ein echter Torwarttrainer. Gibt es noch Überlegungen, jemanden zu verpflichten, oder soll es erst mal bei den drei Leuten bleiben?

Martin Ritzmann fungiert als Torwarttrainer und Betreuer. Die Torhüter sind sehr begeistert von seinem Training. Wir wachsen aber gern auch noch im Trainerteam. Über Bewerbungen freue ich mich (lacht).

Mit dem Pokal-Halbfinale gegen Zorbau steht ein Highlight an, das eventuell noch den Bonus hätte, in den DFB-Pokal einzuziehen. Es würde wohl über 100.000 Euro in die Vereinskasse spülen. Spielt diese Finanzspritze im Vorfeld eine Rolle oder sieht man erst mal nur den sportlichen Aspekt, dass man in das Landespokalfinale möchte?

Zunächst zählt allein der sportliche Aspekt. Der Einzug in ein Landespokalfinale ist etwas ganz Besonderes. Weder einem Trainer noch einem Spieler von uns ist eine solche Ehre bereits zu Teil geworden. Auch für Verein, Stadt und Region wäre ein solches Spiel, live im TV übertragen, ein absolutes Highlight. Für uns alle ist das Halbfinale eine zusätzliche Motivation. Was wirtschaftlich am Ende von den kolportierten Zahlen auf unserem Vereinskonto verbliebe, weiß ich nicht. Ich denke, ein Großteil des Geldes wird allein von zahlreichen Auflagen konsumiert. Wir richten unsere Aufmerksamkeit nur auf die schwere sportliche Aufgabe in Zorbau.

Wäre man denn im Stendaler „Hölzchen“ dazu in der Lage, ein eventuelles DFB-Pokalspiel auszutragen, oder müsste man gegebenenfalls ausweichen?

Ich habe keine Ahnung. Aber nochmal: Ich schlage dringend vor, dass wir uns alle nur mit Zorbau beschäftigen.

Wie bewerten Sie denn, dass es mit Zorbau ein Verbandsligist im Halbfinale geworden ist?

Ich persönlich habe mich über die Auslosung gefreut, aber nicht deshalb, weil ich Zorbau geringschätze, sondern weil ich weiß, dass eine Finalteilnahme über den HFC oder den FCM keinesfalls realistisch ist.

Gesetzt den Fall, dass der Klassenerhalt geschafft wird, in welcher Staffel treten Sie 2018/2019 an? Es gibt Gerüchte, Sie könnten sich der Nordstaffel anschließen. Ist da etwas dran?

Da haben wir noch keine Entscheidung getroffen. Ich gehe auch nicht davon aus, dass wir wieder eine Wahlmöglichkeit haben. Hätte sich Rathenow in den Relegationsspielen gegen Halberstadt durchgesetzt, wären wir auch im letzten Jahr zwingend in die Nordstaffel eingegliedert worden. Es ist nicht so, dass wir Jahr für Jahr darüber disponieren dürfen, in welche Staffel wir kommen. Die Karten werden vielmehr Jahr für Jahr geografisch verteilt.

Zum Schluss noch mal eine ganz andere Frage. Beim Test gegen die U19 des 1. FC Magdeburg soll sich Ihr Spieler Niclas Buschke in die Notizbücher des FCM gespielt haben. Es gab wohl auch eine lose Anfrage, wurde gemunkelt. Müssen die Stendaler Fans Sorge haben, dass ein spektakulärer Abgang ins Haus steht?

Eine Anfrage an den Vorstand hat es nicht gegeben. Dass er den Trainern positiv aufgefallen ist, kann ich mir vorstellen. Niclas hat bei uns noch Vertrag. Wir freuen uns über seine Entwicklung. Er bringt Talent mit, aber er arbeitet auch fleißig und lässt seit Jahren kaum eine Trainingseinheit aus. Wir werden ihn weiter unterstützen.

Abschließend wagen wir doch noch mal einen kleinen Ausblick: Wo wollen Sie den 1. FC Lok Stendal in fünf Jahren sehen?

In fünf Jahren wollen wir uns als eine gute Oberliga-Mannschaft fest etabliert haben, mit Ambitionen auf die Regionalliga.

Von Tobias Haack und Michael Theuerkauf

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