Beim Turn-Camp in der Landessportschule Osterburg trainieren Deutschlands Talente eine Woche lang

Übung macht den Meister

Konzentration: Die 16-jährige Theresa Sachse vom Haldensleber SC auf dem Barren. Fotos: Post

Osterburg. Schon der Blick auf die Bedingungen in der mit Licht durchfluteten und freundlich wirkenden Turnhalle mit neuesten Geräten und alles was zum professionellen Turnen dazu gehört, animiert zum Mitmachen.

Die 15 Kinder, die gerade nach der Reihe im Handstand über den hellen, weichen Federboden stolzieren, haben sowieso Lust, mitzumachen. Und zu Lernen. Deshalb kam Till Preuster in die Landessportschule nach Osterburg. Der zwölfjährige aus dem thüringischen Friedrichsroda turnt für den TGV Waltershausen dreimal in der Woche. In Osterburg jeden Tag. Schon morgens nach dem Wecken um 7 Uhr steht ein Waldlauf auf dem Plan im Turn-Camp des Landesturnverbandes Sachsen-Anhalt.

Die Länder haben in 2013 die Verantwortung für das Camp mit seiner zehnjährigen Tradition vom Deutschen Turnerbund (DTB) übernommen. DTB-Trainer Ralf Schwabe, der im gleichen türkisen T-Shirt wie seine Gruppe in der Geräteturnhalle steht und freundlich und motivierend Anweisungen gibt, und A-Lizenz-Coach Mareike Opper stehen den Kindern, die alle im Verein turnen, zur Seite. „Hier hat man sehr viel dazu gelernt“, erzählt Schützling Till Preuster. An allen Geräten werden in einer Woche die Elemente des Turnens geübt. Von morgens bis abends. Seine achtjährige Schwester Tessa ist auch dabei, ansonsten ist Till Preuster der einzige Junge.

„Und weiter“, ruft Trainer Schwabe zu seinen Schützlingen, die nun über dem sanften Boden Rad schlagen. Vom Haldensleber SC ist ein Trio aus Sachsen-Anhalt in die Landessportschule gereist. Antonia Vollmann (11), Julia Prein (15) und Theresa Sachse (16) sind begeistert vom Trainingspensum. „Was wir hier am Tag trainieren, trainieren wir sonst in der Woche“, sagt Theresa Sachse mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Julia Priem nickt. HSC-Küken Antonia Vollmann findet selbst den morgendlichen Waldlauf „witzig“. Sport soll Spaß machen, ist aber auch im Turnen hartes Training. Ralf Schwabe hat schon ziemlich viele Turner gesehen – und immer wieder Talente entdeckt. „Wir haben in Deutschland so viele Talente“, merkt der Übungsleiter an. Das Aber folgt sofort. Schwabe macht „zu wenig günstige Rahmenbedingungen“ aus. Zudem sei der Sport „Platz-, zeit- und personalintensiv“.

All das ist in Osterburg kein Problem. „Ich finde toll, dass wir so viel ausprobieren“, lobt Emelie Mühlhans aus Meiningen. Die elfjährige Thüringerin turnt seit sechs Jahren. „Mir liegt sehr viel daran“, bemerkt sie. Vielen anderen auch und das Camp soll die Popularisierung und Imageverbesserung des Geräteturnens vorantreiben. Mit zirka fünf Millionen Mitgliedern ist der DTB der zweitgrößte Spitzenverband im Deutschland hinter dem Deutschen Fußball-Bund. Im Mai waren 80 000 Athleten beim Internationalen Deutschen Turnerfest in der Metreopolregion Rhein-Neckar zu Gast. Das zeige „wie beliebt das ist“, erklärt Trainerin Opper. Die Meister fallen allerdings auch beim Turnen nicht vom Himmel. „Man kommt nicht so schnell zum Erfolg“, hat Till Preuster schon erkannt. Seit acht Jahren turnt er schon, Dritter war der Zwölfjährige bei den Landesmeisterschaften. Sein Ziel ist klar: „Deutscher Meister werden“. Mit seinem Ziel vor Augen macht sich Till Preuster wieder an das Gerät. Nach der Riesenfelge am Reck hat er einen weichen Abgang.

Die Schnitzelgrube mit unzähligen weichen Schaumstoffstücken gibt es schließlich auch nicht überall.

Von Benjamin Post

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