FUSSBALL Jungtrainer Julius Riemann über seinen bisherigen Weg

Über Rossau zum FCM

+
Co-Trainer der U15 des 1. FC Magdeburg: Julius Riemann (rechts).

Magdeburg – „Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde: Das würde mich kalt lassen. “ Vor zwei Jahren fand sich Julius Riemann überwiegend auf den Fußballplätzen der Altmark wieder.

Heute ist der Innenverteidiger des Rossauer SV auch Co-Trainer der U15 des 1. FC Magdeburg. Und das mit 20 Jahren.

Verbindung zum FCM liegt nahe

Derbys gegen den Kreveser SV und den Osterburger FC sind das eine. Nun heißen die Gegner in der C-Junioren Regionalliga Nordost Hertha BSC Berlin und RB Leipzig. Das sei schon beeindruckend gegen wen man da antreten dürfe, gibt sich Riemann demütig. Stolz macht es ihn dennoch. Es ist primär die Reaktion der Leute in Rossau und Umgebung, die sich für ihn freuen, dass er im Nachwuchs des FCM mitwirken könne.

Doch wie kam er zum 1. FC Magdeburg? Wenn man Altmärker sei, liege das fast schon nahe, mit dem FCM in Verbindung zu geraten, sagt Riemann, der auch bei Heim- und Auswärtsspielen der Blau-Weißen als Fan dabei gewesen ist. Der Weg zur Co-Trainerfunktion bei den Magdeburgern hatte mehrere Zwischenhalte. Entscheidend war Riemanns Erwerb der B-Trainerlizenz im September 2018. Darauf folgten ein Gespräch mit dem Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA) und ein mehrwöchiges Praktikum in der Videoanalyse. Dort ist er bis heute tätig.

Christian Schulze als Bezugsperson

Doch auch Riemann hat klein angefangen. Beim Rossauer SV. Seinem Stammverein. Es begann mit einer unterstützenden Funktion in der D-Jugend. Und entwickelte sich zu einer dreijährigen Tätigkeit als Trainer der D- und später C-Jugend des RSV bis Juni 2019. „Ich wollte die Dinge dahinter wissen“, sagt der 20-Jährige, der sich häufig mit seinem Langzeit-Coach Christian Schulze ausgetauscht hatte. Schulze betreute ihn von der F-Jugend bis zur Herrenmannschaft. So verwundert es wenig, dass Schulze ihn „sehr geformt“ habe, so Riemann.

Junge Menschen fußballerisch zu begeistern und beim Rossauer SV zu binden sind die Kernpunkte, weshalb Riemann diese Richtung eingeschlagen hat. Das Training, die Einflussnahme und Entwicklung haben ihn interessiert. Abgerundet wird diese Ansicht durch sein Studium der Bildungswissenschaften. Das ist „ein Ansatz, der mich da sehr reizt“, hebt Riemann hervor, der im vergangenen Sommer nach einem halben Jahr bei Magdeburgs U14 in die U15 wechselte.

Alter soll kein Mittelpunkt sein

In der Rolle des Co-Trainers fühlt sich der Rossauer wohl. Schließlich ist er noch jung und möchte noch viel lernen. Gleichzeitig zeigt er sich sehr dankbar. Vor allem diese Möglichkeit zu bekommen, solche Erfahrungen zu sammeln und sich in die Abläufe im Trainerteam einzubringen. Probleme mit den U15-Spielern gibt es aufgrund seines Alters aber nicht. Riemann verstelle sich nicht und habe einen guten Mittelweg gefunden, um zu seinen Spielern eine enge Bindung aufzubauen.

Als er in Rossau an der Seitenlinie stand, wurde ihm gesagt, dass er das Spiel leidenschaftlich verfolge, „ohne in ausufernde Bahnen zu gleiten“, betont Riemann lachend. Ein einschlafender Charakter sei er aber auch nicht. Und findet eben diesen Mittelweg. Dabei möchte er seinem Alter nicht die größte Bedeutung beimessen. Seine Trainerkollegen nehmen das wahr, dass er erst 20 Jahre alt ist. Riemann spielt es aber herunter. Es sei nicht sein Ansporn mit dem Alter im Mittelpunkt zu stehen.

Lehrgangsprüfungen übertrumpfen Abiklausuren

Bis zum Erwerb der B-Trainerlizenz musste der Jungcoach schon manche Hürde meistern. Dort punktete er in den Lehrgängen und Prüfungen mit seiner Lernwilligkeit. Er schrieb Klausuren, entwickelte Spielformen, absolvierte mündliche Prüfungen und führte als praktische Lehrprobe eine Trainingseinheit durch. „Ich habe diese Sachen viel lieber geschrieben als mein Abitur“, scherzt der Rossauer mit Blick auf die zahlreichen Prüfungen.

Wenn Riemann von seinem Lieblingssport spricht, attestiert er sich selbst eine gewisse „Besessenheit“. Und spätestens „beim Pape-Cup ist der letzte Funke zur Verliebtheit in den Fußball umgesprungen“, verspürt Riemann, der noch einiges vorhat. Perspektivisch ist es sein Anspruch, nach und nach weitere Lizenzen machen zu wollen. Die aktuelle Corona-Pandemie bremst das Vorhaben aus. Riemann kann sich aber später mal vorstellen, Mannschaften wie die U17 oder die U19 zu betreuen. Dabei soll ein Schritt nach dem nächsten folgen. Es gilt weitere Erfahrungen zu sammeln und zu lernen.

Vorbild: Marcelo Bielsa

Wenn es um sein Vorbild geht, legt sich Riemann schnell fest. Es ist der Argentinier Marcelo Bielsa. Spitzname: „El loco“. Zu Deutsch: „der Verrückte“. Bielsas gerade einmal zweitägige Amtszeit beim italienischen Serie-A-Club Lazio Rom ist nur eine von vielen Anekdoten zur Trainerlaufbahn des 64-Jährigen. 2004 wurde er Olympiasieger mit der argentinischen Nationalmannschaft. Bielsas einziger nennenswerter Titel.

Nach Pokalen ging es Riemann bei der Suche nach einem Vorbild nicht. Vielmehr inspirieren ihn Bielsas Spielweise, sein Auftreten und die offensive Denkweise. Riemann selbst feilt noch an seinem Trainerprofil. Mit 20 Jahren ist das wohl noch erlaubt. Erste Tendenzen gibt es schon. „Bei Rossau fand ich es katastrophal, wenn der Gegner den Ball hatte. Das macht keinen Spaß, da hinterherzulaufen“, gesteht Riemann, der gerne den Ball am Fuß hat. Die Vielfältigkeit und den ständigen sozialen Prüfstand schätzt er besonders am Fußball. Und wenn man ihn darüber reden hört, kauft man es ihm auch ab.

VON PATRICK NOWAK

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare