RUDERN Paul Berghoff kann in Corona-Zeiten nicht aufs Wasser / Heimtraining

Auf dem Trockenen

Trockenübungen statt Wellengang: U19-Weltmeister Paul Berghoff hat sein Training nach Hause verlegt. Der Stendaler hofft auf einen Start bei der U23-WM.
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Trockenübungen statt Wellengang: U19-Weltmeister Paul Berghoff hat sein Training nach Hause verlegt. Der Stendaler hofft auf einen Start bei der U23-WM.

Stendal – Er vermisst das Wasser. Die Wellen, die sich auftun, wenn er mit dem Ruderboot auf der Elbe trainiert. Auch auf seine Teamkollegen muss er seit ein paar Wochen verzichten.

Seit den mit der Corona-Pandemie einhergehenden Ausgangsbeschränkungen hat sich der Alltag für den U19-Ruder-Weltmeister von 2019, Paul Berghoff, komplett geändert. Seinen Optimismus verliert der Stendaler dennoch nicht.

„Ohne Wecker aufstehen, es ist eigentlich viel entspannter.“ Paul Berghoff freut sich, ausschlafen zu können. Nach dem Frühstück gilt seine Aufmerksamkeit aber dem Training. Der 18-Jährige ist fokussiert. An seinen geänderten Tagesablauf mit bis zu vier Einheiten hat er sich gewöhnt. Nach dem Frühstück geht es auf den Ruder-Ergometer, den er sich vom SC Magdeburg mit nach Hause nehmen konnte. Die Trockenübungen an Land sind für den Stendaler längst Routine. „Aber ich vermisse es schon sehr, aufs Wasser gehen zu können“, sagt er mit etwas Wehmut in der Stimme. Statt Einheiten auf der Elbe in Magdeburg heißt es nun täglich bis zu 20 Kilometer auf dem Ergometer zurückzulegen. Nicht am Stück. Paul Berghoff kann in Etappen rudern. Am Ende des Tages muss er seinem Trainer allerdings ein Foto vom imaginären Zieleinlauf schicken.

Für den Stendaler hat sich seit seinem Goldmedaillen-Gewinn im vergangenen Sommer bei der U19-WM in Tokio einiges verändert. Er ist in die nächste Altersklasse aufgestiegen - die U23. Und ist dort einer der Jüngsten. Der 18-Jährige muss sich hier zunächst beweisen. Am vergangenen Wochenende wäre er eigentlich bei dem Langstrecken-Wettkampf in Leipzig mitgerudert. Doch die Regatta fiel der Corona-Krise zum Opfer. Dort wäre dann eine Reihenfolge festgelegt worden, die für die Rangliste wichtig gewesen wäre. Die Ranglisten-Regatta sollte dann vom 16. bis 19. April ausgetragen werden. Doch auch sie fällt ins Wasser.

Das könnte auch noch dem Saisonhöhepunkt passieren, dem der Stendaler entgegenfiebert und für den er sich unbedingt qualifizieren möchte: die U23-WM im slowenischen Bled. Termin: 16. bis 22. August. Seinem Ziel, dort im Doppelvierer dabei zu sein, stellt er alles andere hintenan. Und so ist auch die Motivation trotz der nicht wirklich optimalen Trainingsbedingungen hoch. Sein Coach habe den Plan so angepasst, dass die Form stimmt. Läufe, Kräftigungsübungen, Ruder-Ergometer: Paul Berghoff kommt täglich auf rund 80 Sport-Minuten. „Es ist zwar schon anstrengend, aber es geht“, ist der Stendaler topfit. Auf dem Trainingsplan steht lediglich ein freier Nachmittag in der Woche Ansonsten muss der 18-Jährige vormittags und nachmittags Gas geben. Der halbe Regenerationstag reicht ihm aber. Weil er sein Ziel, die Weltmeisterschaften in Bled, nicht aus den Augen verliert.

„Die WM ist auch noch nicht abgesagt“, hofft Paul Berghoff darauf, dass sich die Situation bis August entspannt haben wird. Er hat mit seinem Trainer darüber gesprochen. „Wir glauben beide, dass der Bundesverband irgendwann sagt, ‘in vier Wochen fahren wir eine Rangliste’, danach wird die Besetzung der Boote für die WM gemacht.“ Dann möchte der Stendaler vorn dabei sein, um in Bled möglichst im Doppelvierer an den Start gehen zu können. Eine Titelverteidigung kann er allerdings nicht anstreben. Er holte 2019 bei den Weltmeisterschaften auf der Olympiastrecke in Tokio die Goldmedaille in der Altersklasse U19. In der neuen AK, der U23, dürfte es ungleich schwerer werden. Das ist auch dem Stendaler bewusst. Doch das motiviert Paul Berghoff umso mehr. Und so wird er weiter täglich seine Kilometer auf dem Ergometer absolvieren, um irgendwann wieder das Boot aufs Wasser setzen zu können und gemeinsam mit seinen Mitstreitern die Skulls in die Hand zu nehmen.

VON SABINE LINDENAU

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